Von den Vorlesemontagen: Neurath und Nestroy

Schon im Juni verschafften wir uns bei den Vorleserunden am Montag einen Eindruck von zwei Büchern aus den Regalen der Schröerschen: Die Biographie von Otto Neurath, geschrieben von Günther Sandner und eine Streitschrift von Peter Esberg zur Bedeutung des Dramatikers Johann Nepomuk Nestroy, Nestroy bleibt!

neurath
Zsolnay

Otto Neurath von Günther Sandner weiter zu lesen lohnt sich ganz gewiss. Es ist in einem guten Stil erzählt, klug und voller Information. Wir lasen das Kapitel über seinen Vater, Wilhelm Neurath, ebenfalls Ökonom.

„[…] er versuchte, die periodischen ökonomischen Krisen der Zeit, insbesondere Arbeitslosigkeit und Überproduktion, aus der Arbeitsweise und Struktur der Geldmärkte heraus zu erklären und basierend auf seiner Analyse Wege aus diesen Krisen aufzuzeigen.“

Darin folgte ihm Otto, dem ebenso ein weiter Horizont an anderem Wissen und Verkehr offenstand. Das nächste Kapitel, „Ellen Key: Geschlecht, Erziehung und Glück“, beschäftigte sich mit seinem Heranwachsen, mit der Frauenbewegung und mit forschem öffentlichen Diskurs. Das Buch ist reich bestückt mit Fotografien und macht neugierig, mehr über die Zeit und Menschen und Probleme zu erlesen. Es gibt da ja auch die Ankündigung, dass Otto Neurath seinerzeit der witzigste Wiener gewesen sei. Vielleicht ist hier der Ansatz, mit heutigen Miseren zu verfahren und dabei Mensch zu bleiben; denn im Witz begegnen sich Verstand und Herz.

nestroy
Edition Steinbauer

Nestroy bleibt! Und er bleibt vermutlich im Regal stehen. Das tut mir wirklich leid; denn erstens denke ich auch, dass Nestroy selbst wieder gelesen und gespielt und diskutiert werden sollte, und zweitens ist dies ganz offenbar ein herzliches und schmerzliches Anliegen von Peter Eschberg, und drittens ist das Büchlein aus der Edition Steinbauer hübsch hergestellt, mit zahlreichen Fotos und Zitaten angereichert, aber, aber — ein begnadeter Schriftsteller ist Herr Eschberg nicht, und der Verlag hat es versäumt, ihm die Hilfe eines tüchtigen Lektors angedeihen zu lassen. So kreist und kreist die Klage und die Sätze kommen schwerfällig daher in endloser Reihe. Trotzdem: wer sonst erhebt seine Stimme für Nestroy? Dieses Lob will ich nicht verwehren; und überdies ist es ein Anlass, auch wieder einmal den Reclam Verlag zu preisen, der allen Moden zum Trotz viele der Stücke Nestroys in Druck und Verbreitung hält.

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