Aus dem Archiv: August 2012, Frederigo Tozzi; Mit geschlossenen Augen

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Federigo Tozzi; Mit geschlossenen Augen Wagenbach

Wenn ein Gehöft in die Hände eines anderen Besitzers übergeht, der nicht gerade ein Dummkopf ist, beginnt es rasch, sich zu verändern, zunächst sichtbar für die, die etwas davon verstehen, und dann für alle. Und Rosi krempelte Poggio a‘ Meli geradezu um. [ … ] (S. 11)

Domenico Rosi ist der Padrone, Pietro sein Sohn. Und schon beginnt das Drama im ländlichen Leben in der Toscana. Tozzi ist Zeitgenosse von Luigi Pirandello und Italo Svevo und hat diesen Roman 1919 veröffentlicht. Vermutlich beschreibt er die Welt jener Zeit. In der ersten Runde lernten wir die Protagonisten kennen, Domenicos Frau Anna, die sieben andere Kinder eines nach dem anderen hatte sterben sehen; die ledige Mutter Rebecca und ihre Eltern, Giacco und Masa, die alle drei den Landsitz bewirten, die Kellner in Rosis Trattoria.

Seine Trattoria! Manchmal, wenn er von ihr redete, klatschte er mit den Handflächen gegen die Wand – vor Zufriedenheit und Stolz. (S. 1)

Dann ist da die geheimnisvolle Ghisola, die Nichte Rebeccas …

Wir hatten gerade die Erzählung von Iwan Bunin, „Suchodol“, zu Ende gelesen, und es ist frappierend, wie die Herbheit des Landlebens in der russischen Steppe derer in der Toscana ähnelt. Auch hier tauchen Aberglauben, Unwetter und Grausamkeit gegen Mensch und Tier als Begleiter auf. Wie ein Kontrast erscheinen immerzu, verjüngt und unbesiegt, die Schönheit der Natur und das menschliche Empfinden.

Ein feuchter sepiafarbener Wolkenstreifen teilte exakt den nachtblauen Himmel von dem im letzten Sonnenlicht liegenden Horizont. Die Wipfel der Olivenbäume sahen aus wie ein eingeholtes und um die Zweige gewickeltes Segel.  (S. 19)

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Roberto Innocenti*

Vom 10. Januar 2013
Mit geschlossenen Augen

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Creative Editions

Am kommenden Montag, den 14. Februar, wird hier in der Buchhandlung wieder aus dem Roman von Federigo Tozzi, Mit geschlossenen Augen, vorgelesen. Die Prosa, in der Übersetzung von Ragni Maria Gschwend, ist von so herber Schönheit, dass es nicht kümmern muss, wenn der Handlungsverlauf nicht ganz präsent ist. Das Lesen nachholen geht ja allemal, und ich empfehle es unbedingt (Wagenbach Taschenbuch). Hier gibt es die Broschüre zum Tozzi-Montag als PDF. Das Vorlesen beginnt um 18:00 Uhr wie immer, und jeder ist gerne eingeladen, auch zum aktiven Mitlesen, oder eben zum Zuhören bei Tisane (um bei Poirot zu borgen) und Knabberles.

*Die Illustration stammt aus dem Bilderbuch The House, erzählt von J. Patrick Lewis, in der Übersetzung von Mirjam Pressler, „Ein Haus erzählt„, 2011 im Sauerländer-Verlag erschienen.

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