Aus dem Archiv: Shakespeare im Mai ist schon vorbei

Aber es bleiben noch drei Vorlesemontage, zu denen Sie herzlich eingeladen sind.

brueghel
Zwei Affen / Pieter Bruegel der Ältere, 1562 Gemäldegalerie Berlin
comedy
Reclam

Dass Shakespeare vorbei sein soll, stimmt ja auch gar nicht. Am letzten Montag fingen wir mit „Much Ado About Nothing“ an, und wieder einmal bewies Shakespeare, dass er immer ein Weggefährte durch den Tag ist, so voller lebensvoller Personen, die seine Welt bevölkern und den unserigen Zeitgenossen – und uns selbst – oft ähneln, nur verfüge zumindest ich nicht über einen Bruchteil seines Witzes. Herrlich ist Beatrice, Nichte des Gouverneurs von Messina, die weder Männer mit Bart mag (zu alt), noch solche ohne (zu jung):

He that hath a beard is more than a youth, and he that hath no beard is less than a man: and he that is more than a youth is not for me, and he that is less than a man, I am not for him: therefore, I will even take sixpence in earnest of the bear-ward, and lead his apes into hell.*

*annotation, Yale Shakespeare, 1917:
earnest: advance wages / bear-ward: trainer of bears (and often apes) / lead … hell; cf. n.
[was cf. n. bedeutet, habe ich übrigens nicht herausfinden können]

wysocki
Suhrkamp

Am 12. Mai geht es also weiter mit dem Buch von Gisela von Wysocki „Wir machen Musik„. „Geschichte einer Suggestion“ nennt die Autorin ihre Prosa, in der sie Geschichtliches, Persönlich-analytisches und Anekdotisches vereint zu einer Folge von Erinnerungen und Betrachtungen, aus denen sich ein Bild ihrer Kinderjahre erahnen läßt.

Der Vater war Anfang 30 und bis dahin als Zeitungsakquisiteur tätig gewesen, als er sich auf eine Annonce der Lindström Odeon-Schallplattenwerke meldete und unter 900 Bewerbern als neuer Produktionsleiter auserwählt wurde. Auf das Gremium, dem er vorsprach, machte er wohl einen ähnlichen Eindruck wie auf die Tochter: Seine Überzeugungskraft rührte nicht von Berufserfahrung, sondern von der detaillierten Kenntnis der Branche und der Konkurrenz, die es zu überflügeln galt, wie er überzeugend darzulegen wusste. Was ihm offenbar spielend gelang, denn im Spielen und Zaubern, in Artistik und subtilem Angriff war er ja Meister. „Nach diesem Ton“, schreibt Gisela von Wysocki, „hatten sie wohl gesucht, nach diesem unbeschwerten, unverfrorenen Sound.“ Er stellte das Programm von Schlittschuhläuferwalzern, Meyerbeer-Ouvertüren und Tritschtratsch-Polkas um auf: „That’s my baby“, „Wer Lola sieht, muss Lola lieben“ oder „Ausgerechnet Bananen“.

So beschreibt Alain Claude Sulzer im Deutschlandfunk den Teil, den wir zuletzt lasen. (Herr über die Schellack-Töne; Beitrag vom 27.05.2011)

fletcher
edition fünf
sappho_berlinup
Berlin University Press

Dann kommen noch zwei Montage: Das dritte Kapitel aus „Pixels Ahnen“, von Beryl Fletcher, verschoben vom Ostermontag; und Auszüge von Liedern und Fragmenten von Sappho, in der Übersetzung von Michael Schroeder. Die Verlagsseite von der Berlin UP ist etwas dürftig, aber Sie können im Deutschlandradio Kultur eine Rezension lesen: „Eine Meisterin der Sinnlichkeit“ vom 11. April 2014. Carola Wiemers spricht da aber hauptsächlich über Sappho und ihre Dichtung und erwähnt nur zum Schluß das Buch und die Arbeit – all die Arbeit – die sich Autor und Verlag gemacht haben in dieser Neuübersetzung. Also werde ich demnächst unter Das Schröersche Buchprogramm noch mal ausführlicher zu dieser besonderen Ausgabe schreiben.

Hier ist das Vorleseprogramm vom Mai zum Ausdrucken (PDF).

(Vom 10. Mai 2014)

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