Erforschung eines fremden Kindes

erpenbeck
btb
ilb_a
Serie: Die Gäste und ihre Bücher

Jenny Erpenbeck
Geschichte vom alten Kind

Dies ist das Debüt mit dem Erpenbeck 1999 für Überraschung sorgte. 2012 bekam sie dann mit „Aller Tage Abend“ den deutschen Buchpreis, und wirklich meistert sie die Sprache. In der Vorleserunde hier in der Buchhandlung an jedem Montag hatten wir uns eigentlich in dem Jahr durch die gesamte Longlist probegelesen und es gibt zu den einzelnen „Kandidaten“ kurze Bemerkungen. Merkwürdigerweise taucht Erpenbeck da gar nicht auf. Zeit, das nachzuholen.

Außer den Taschenbuchausgaben bei btb gibt es schöne gebundene Ausgaben bei Galiani und bei Knaus, und buchhandel.de listet noch weitere Titel und Produkte, für die Gründlichen ( Erpenbeck, Jenny ins Autorenfeld eingeben).

Ich beschränke mich mit der Weiterempfehlung meiner Freundin für „Aller Tage Abend“, das ich selbst noch nicht gelesen habe, und einem eigenen Testen von Erpenbecks hundertvierundzwanzigseitigem Erstlingswerk:

Erinnert einer von Ihnen sich an die Erzählung von Marie-Luise Kaschnitz: „Das dicke Kind„? Ich musste gleich nach den ersten Seiten daran denken und bekomme Lust, es noch einmal zu lesen. Beide Autorinnen setzen uns ein heranwachsendes Kind vor die Nase, das sich aller Sympathie sperrt. Erpenbeck erinnert mich an eine Ethymologin der Aufklärungszeit, wie sie dieses fremde Wesen akkurat und gewissermaßen kühl beschreibt, aber neugierig zum Grund der Erscheinung vorstoßen will.

erpenbeck
@ Katharina Behling

Halb in der Erzählung habe ich den Eindruck, dass die ganze Geschichte auf etwas hinsteuert und dass es unbedingt ratsam ist, bis zum Ende zu lesen. Was wäre, wenn es nicht irgendwohin gipfelt? Die Art, beinahe altmodisch zu schreiben und den Leser in eine nahezu utopische Welt zu ziehen ist für jeden, der es schätzt zu erleben, was Sprache mit einem anstellen kann, allemal wert. Moralisch fühle ich mich etwas abgestoßen durch einen gewissen Lorenzschen Fatalismus mit der Spezies, so, wie beispielsweise die Altersgefährten praktisch als Rotte erscheinen mit Hackordnung. Das Portrait der „Heldin“ ist dagegen zutiefst human. Sie ist so intim gezeichnet, dass Erpenbeck mit ihr den Leser zu überraschenden Stilbrüchen führt. Etwas vom Kampfgeist einer Käthe Kollwitz scheint da durch, die nicht gewillt ist, alles stumm hinzunehmen.

Das ist, was mir so dazu einfiel. Haben Sie dies Buch oder andere von Jenny Erpenbeck gelesen? Es sind noch zwei Monate hin. Ich würde mich freuen, wenn dies ein Forum für einen lebendigen Austausch zu den Büchern würde. Was wäre ein besserer Weg, sich auf ein großes literarisches Fest hier in Berlin vorzubereiten? Kommentare sind also willkommen! Gastbeiträge zu weiteren Gästen und ihren Büchern sind gleichwohl willkommen.

Aus dem Archiv: Mittwoch, 9. Juli 2014

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