Aus dem Archiv, Mai 2013: Mit einem Satz hinein

zweig
Suhrkamp

Das ein oder andere Buch ist im kleinen Fenster präsentiert, das mich in der Ankündigung neugierig gemacht hat. Hier tauchen wir also den großen Zeh ein und testen mal das Wasser an, um metaphorisch die Lesesaison Sommer zu beschwören. Der mutige springt mit einem Satz hinein und kommt am Ende wieder heraus, erfrischt, bereichert und verwandelt.

„Es gibt Goldstaub und Goldkörner in Fülle, aber es gibt kein Brot und keinen Mais und keinen Käse und keine Milch und kein Fleisch, um die Zehntausende, die vielleicht Hunderttausende zu verköstigen in dieser Bergwildnis ohne Vorräte, ohne Viehstand und ohne Frucht. Glücklicherweise treibt die Aussicht, ihre Ware zum fünffachen, zum zehnfachen Preis und diesen noch in bares Geld bezahlt zu bekommen, die Kaufleute zu verzehnfachter Anstrengung.“

Stefan Zweig über Minas Gerais vor 1700 in Brasilien, S. 113

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gretter_berlin
Suhrkamp

„Ich zünde keine Autos an, ich zünde auch keine Häuser oder Kinderwagen an, ich bin kein Zündler und kein Pyromane, das Feuer fasziniert mich nicht, es regt mich nicht an.“

Gregor Henz in Autodafé, aus der Sammlung Berlin bei Nacht, S. 63

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ali
S. Fischer
hoffman
Yale University Press

„Die Vergangenheit schläft an meiner Seite / Wie das Klingeln / an der Seite seines Großvaters schläft, / Des Glockenläutens. / Die Verbitterung folgt mir / Wie die Küken / Der Henne folgen. / Und der Horizont, / Dieses über Sand und Tränen / Fest geschlossene Augenlid – / Was hinterließ er, / Was versprach er dir?“

Taha Muhammad, „Die Glocke vierzig Jahre nach der Zerstörung eines Dorfes“, S. 56, in An den Ufern der Dunkelheit, Gedichte aus Palästina. Übersetzt von Stefan Weidner

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„The house is dark in the February damp, but when she opens the door to let me in, Imm Nizar is laughing. It seems to tickle her that I got lost on my way to the home she almost never leaves, and that – after driving in confused loops around a dingy Nazareth neighborhood where teenagers tinker with half stripped cars and packs of chickens scuttle – I gave up, pulled to the side, and called to ask for help.“

Adina Hoffman in My Happiness Bears No Relation to Happiness, A Poet’s Life in the Palestinian Century, S. 1

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kiyak
S. Fischer

„Wie geht es Herrn Kiyak, will der Psychologe wissen. Herr Kiyak dachte, jetzt beginne der schöne Teil des Lebens, umschreibe ich vorsichtig Papas Lage. So eine Nachricht platzt immer überraschend rein, erklärt er mir. Ist das so, frage ich.“

Mely Kiyak in Herr Kiyak dachte, jetzt fängt der schöne Teil des Lebens an, S. 98

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