Die nächsten Vorlese Montage –

im September 2014
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– stehen ganz im Zeichen der zwanzig gekürten besten deutschsprachigen Autoren, deren Bücher zwischen der vergangenen und der kommenden Frankfurter Buchmesse erschienen sind, bzw. erscheinen. Kurz gesagt: Im Zeichen der longlist.

Nur der Shakespeare Montag bleibt der Shakespeare Montag.

Programm Vorlesen am Montag September 2014 (PDF)

Bei der longlist, die dem Autorenalphabet folgt, haben wir bisher folgende Proben gelesen:

baerfuss
Wallstein

Lukas Bärfuss
Koala

Wallstein Verlag

siehe: Mit einem Satz hinein: Lukas Bärfuss und Patrick Roth

Das Muster, den ersten Satz zu zitieren, will ich auch hier anwenden:

Ulrike Draesner
Sieben Sprünge vom Rand der Welt

Luchterhand

„Vater hat von glücklichen Räumen gesprochen.“

draesner
Luchterhand

Dieser Vater meint vielleicht ganz richtige Räume, solche in Gebäuden, die einen hausen und bergen. Vielleicht meint er aber auch „Räume“ im weitergefassten Sinne. Gleich zu Anfang erfahren wir von seinem Tick, alle Bilder und Spiegel gerade zu rücken. Die erzählende Tochter ist von Sicherheit besessen. Da möchte man schon wissen, woher das wohl kommen könnte. Der Erzählton ist beinahe munter, aber mit einer ernsten Tönung.

So endet das Probekapitel:

„Ich sah die immer halbdämmrige Erdgeschosswohnung meiner Großeltern vor mir, Sessel und Sofa von Blümchencord überzogen, auch er grau und braun. Stets saßen Menschen darin mit schweren Lidern und hängenden Wangen, fleischigen gefurchten Gesichtern und schwimmenden Augen, die sich siezten, die flüsterten und Lieder sangen, die ich nicht verstand, nicht in Worten, aber in- und auswendig kannte. Gesprochen wurde über Dinge, die außerhalb der Wohnung nicht wahr sein durften oder sollten, den Hunger, die Schläge, die Verluste, die Heimat.“

fian
Droschl


Antonio Fian
Das Polykrates-Syndrom

Droschl

„Obwohl es schon Jahre her war, dass das Kühllagerhaus abgerissen und an seiner Stelle das Sonnenheim errichtet worden war, hatte die Straßenbahnstation noch lange danach so geheißen, vermutlich weil es einige Zeit gedauert hatte, bis sich bei den zuständigen Beamten herumgesprochen hatte, dass es keine besonders glückliche Lösung war, wenn man, um zu einem Seniorenheim zu kommen, an der Station Kühllagerhaus aussteigen musste.“

Herodot berichtet über Polykrates, aber das muss ich erst zu Hause nachlesen. Um zu erfahren, worauf sich das Syndrom bezieht, komme ich wohl nicht umhin, Fians Buch selbst zu lesen, worauf ich aber ohnehin Lust habe, weil ich den bösen österreichischen Humor schätze und schon bei der Leseprobe etliche Male lachen musste.

Der erste Leseproben-Montag endete mit:

Franz Friedrich
Die Meisen von Uusimaa singen nicht mehr

S. Fischer

Ist es nicht wunderbar, wie viele völlig unterschiedliche Romane noch Jahr für Jahr erscheinen? Die Stimme von Friedrich unterscheidet sich völlig von Fian, und so klingt sie:

„Staub auf den Armaturen, der Geruch von eingetrocknetem Bier, ein gebündeltes Licht, das seine Hand, wenn er sie gegen den Strahl erhob, wie ein Feuer wärmte.“

friedrich
S. Fischer

Es ist hier von einem Mann im Vorführraum die Rede, der sich wieder und wieder einen alten Dokumentarfilm ansieht, wie gebannt in einer Endlosschlaufe. Das Kapitel hat etwas Introvertiertes, Eindringliches. Ich bange beinahe um diesen abgeschotteten Mann, ob er noch den Dreh bekommt und sich ans Digitalisieren macht, oder ob er eingesogen wird in die Filmwelt, eine umgekehrte Rose von Kairo, etwa.  Noh! der Roman ist über 4oo Seiten stark, da werden wohl noch neben den legendären Meisen ein paar andere Zweibeiner auftauchen. Mir ahnt, dass es ein Buch sein könnte, das ruhig atmet und den Lauf der Zeit verlangsamt, eine meditative Lektüre, aber man muss schon weiterlesen, um das herauszufinden.

Wo das Scharbockskraut und der Blutweiderich blühen

Am nächsten Montag ist die Pfaueninsel das erste Ziel. Zur Zeit druckt die Berliner Zeitung eine ganze Serie zum Thema „Inseln der Großstadt“; Alice Ahlers Artikel: Paradies in der Havel / So lebt es sich auf der Pfaueninsel (vom 27. August) erschien allerdings ausser der Reihe. Thomas Hettche führt aber zurück in die Zeit, als diese Insel als ein Preussisches Arkadien entstand, mit Königin Luise als eine Protagonistin. Könnte eine schöne Reise werden.

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