Herbstauslese: Henry Roth, David Vann und Colm Tóibín

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Buchpatron

Patronatskinder No 19, 20 und 21

„[…] vor Weihnachten ist es gut immer ein paar mehr Bücher im Laden zu haben […]“, meinte Patron D. und sponsorte gleich drei Titel, die vom frühen 20. Jahrhundert und Nordamerika herüberreichen bis in unsere Tage und den skandinavischen Norden. Tóibín und Vann sind beide sehr lebendig und am Schreiben. David Vann schrieb zuletzt den Roman Goat Mountain, der gerade im August bei Suhrkamp auf Deutsch erschienen ist. Empfohlen wird hier vom Buchpatron die Sammlung an Erzählungen, Im Schatten des Vaters, besonders die Titelgeschichte des Buchs im Original: Legend of A Suicide. Gerade im Oktober ist auch der jüngste Roman Tóibíns, Nora Webster, erschienen, noch so unglaublich frisch von der Presse, dass er im Deutschen bisher weder angekündigt noch geschweige denn erschienen ist. Aufsehen erregte zuletzt Tóibíns Roman Marias Testament. Tóibíns Bücher erscheinen hier, in der Übersetzung von Giovanni und Ditte Bandini, bei Hanser und als Taschenbücher bei dtv.

Die deutschen Rechte für Henry Roth, Nenn es Schlaf, sind von Suhrkamp an Kiepenheuer & Witsch übergegangen, wie ich das mit den eingeschränkten bibliographischen Mitteln ersehe – wobei seit Umstellung der buchhandel.de schmerzlich deutlich wird, wie sehr man im Prinzip auf das VLB angewiesen ist. Kosten, Kosten, seufz. Der Auslieferer sendet noch die Suhrkamp Taschenbuch Ausgabe in der Übersetzung von Eike Schönfeld, und so hat sie Kiepenheuer & Witsch übernommen.

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David Levine
NYRB 15 July 2004

Reading along the NYRB
50 Years New York Review Of Books 50 Years

Colm Tóibín, Brooklyn
Tóibín kenne ich aus der New York Review of Books, in der er hin und wieder beiträgt. Ich lese ihn immer gern und bin jedesmal angeregt von seinen Beobachtungen und seiner Präsenz. (Henry James, den er hier im Artikel bespricht, lese ich übrigens auch sehr gern.)

In Brooklyn geht es, wie bei Henry Roth, um Einwanderer, und bei Nora Webster wendet er sich seinem Herkunftsland Irland zu. Der Literatur aus und über Irland bin ich von jeher zugeneigt (siehe auch: „That They May Face The Rising Sun„). Das kommt einmal von meinen katholischen Wurzeln, vom Widerstandswillen meines Vaters gegenüber Unterdrückung und Erniedrigung, vom Interesse an Minderheiten und der daraus resultierenden Arbeit in den Neunzigern bei WERAN, der Länderarbeit von Amnesty International für Opfer von Menschenrechtsverletzungen in den Westeuropäischen Ländern – das war vor der Umstrukturierung. Irland, also in diesem Fall Nordirland, steht heute als hoffnungsvolles Zeichen für die Überwindung von Hass und Gewalt und für ein zivilisiertes Miteinander, allen Abstrichen zum Trotz. Zu verstehen, was Menschen erleiden und anderen zufügen und dennoch sich durchringen zu einem modus vivendi, dank der Instrumente von Justiz, Gesetzrahmen und Regierungsformen, diesen Weg hat ja auch meine Elterngeneration durchschritten, und von dem Bestreben entfernen wir uns heute anscheinend wieder, wo erneut in Kauf genommen wird, dass Menschen und alle Kreatur und was sie aufgebaut und geschaffen hat, zur Zielscheibe wird.

Weil dies nun in eine Epistel endet, werde ich hier eine Zäsur setzen und morgen mit der Literatur fortfahren. Denn ich und der Patron, wir möchten ja, dass Roth und Vann und Tóibín gelesen werden – und übrigens auch Yates, für den hier schon die Werbetrommel gerührt worden war. (siehe: Schiefgegangen und gelungen).

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2 Kommentare zu „Herbstauslese: Henry Roth, David Vann und Colm Tóibín“

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