Hermann Broch hat Geburtstag

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Des Schriftstellers Almanach
Aus Petri Liukkonens
Authors’ Calendar
für den deutschsprachigen Leser

Eigentlich wollte ich lesen, in „How To Be Idle. Eigentlich war ich auf einen längeren Blogeintrag heute nicht vorbereitet; aber dies ist ein so wichtiger Autor, dass ich seinen Gedenktag nicht übergehen möchte. Ich stieß auf den Tag wieder beim Besuch von Authors‘ Calendar und zitiere hier in Übersetzung einen Ausschnitt. Wer Englisch versteht, dem sei der volle Text unbedingt empfohlen, aber für deutschsprachige Leser ist dort auch eine ausführliche Bibliographie versammelt.

Hermann Broch, 1886 – 1951
“ […] Im Alter von fünfundvierzig Jahren veröffentlichte Hermann Broch seinen ersten Roman, die Trilogie Die Schlafwandler, ein essayistischer Roman, der die spenglersche Überzeugung des Autoren widerspiegelt, dass sich der Fortgang der Geschichte in Zyklen von Zerfall und Reintegration von Wertsystemen vollzieht. “Alle Epochen in denen Werte zerfallen sind historisch ausgerichtet,” notierte Broch einmal. Angesiedelt in der Periode zwischen 1880 und 1920 erleben die Charaktere soziale, politische und wirtschaftliche Schwierigkeiten als Zeiten persönlicher Mühen und Wandel. Joachim von Paserow, ein preussischer Aristrokrat und Offizier der Armee, überwirft sich an der Seite der bohemehaften Prostituierten Ruzena mit den erdrückenden Konventionen, endet aber in einer freudlosen Ehe mit Elisabeth, seiner Nachbarin und von gleichem Stand. August Esch, ungestümer Buchhalter und Visionär, ist eine durchquerende Figur. Seine Welt zerbricht, als er gefeuert wird. Nach einer Zeit der Wanderungen heiratet er eine Wirtin. Wilhelm Huguenau ist die “wertefreie” Person, er schwindelt und mordet seinen Weg zu sozialem Aufstieg und finanziellen Erfolg. Huguenau desertiert, ermordet Esch, vergewaltigt dessen Frau und wird ein angesehener Geschäftsmann. Die Struktur des Romans is lose, mit Fragmenten philosophischer Essays, journalistischen Einlagen, Abschnitten von Dialog und Phantasien, die einander folgen. Der Zerfall kultureller Werte in Deutschland wird im dritten Teil in einem Essay verarbeitet, der von einem der Personen, Bertand Müller, verfasst ist. Er ist vielleicht dieselbe Person wie Eduard von Bertrand der ersten beiden Teile.

Novellen / Der Tod des Vergil / Hermann Brochs Briefwechsel mit Armand

Wegen der Ausbreitung des Faschismus endete Broch seine literarische Arbeit. 1937 – 38 arbeitete er mit an der Völkerbund-Resolution, die von der Vorstellung rührte das internationale Anerkennung und Ausführung von Menschenrechten die heranschwellende Flut des Faschismus dämmen könnte. Brochs Interesse an kollektiv-psychologischen Quellen von Nazismus wurde später in “Massenpsychologie” (1951) thematisiert, das mithilfe verschiedener US-amerikanischer Stiftungen während und nach WWII geschrieben wurde. Die Verzauberung war ein Roman über Massenposychologie. Die Geschichte spielte in einem kleinen Tiroler Bergdorf, in dem die Bauern den Versprechungen eines fanatischen Fundamentalisten verfallen und sich sogar an einem Ritualmord eines Mädchens beteiligen. Broch artbeitete seit den 30ern abschnittweise an dem Buch, aber es blieb unvollendet. Zur Zeit seines Todes arbeitete er an einer dritten Fassung. In “Die Schuldlosen” (1950) verfolgt Broch den Aufstieg des Nazismus aufgrund politischer Gleichgültigkeit, “wachender Traumwandlerei” und psychologischer Orientierungslosigkeit der europäischen Gesellschaft. Seine Charaktere haben ihre Werte verloren, sie sind Aussenseiter ihres eigenen Lebens. […]”

Quelle: © Petri Liukkonen & Ari Pesonen & Kuusankosken Kirjasto 1997-2008

Links (Hervorhebungen) von mir eingefügt

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