Unabhängig, stark und glücklich

independents
An der Wand

Bevor das Jahr zu Ende geht, gratuliere ich hier der Edition Nautilus zu seinen vierzig Jahren Verlagsgeschichte.

„Unser Kopf ist rund, damit das Denken die Richtung wechseln kann.“

Mit diesem Zitat von einem der ins Gedächtnis zurückgehobenen Autoren, Francis Picabia, und der Reihe: „Kleine Bücherei für Hand und Kopf“ trat der Verlag keck auf die Bühne und warf sich mutig in die Debatte um Neuorientierung, um endlich den Kaisermief und den Hitlerwahn zu überwinden. Als Beatle-Fan musste ich das Plakat einfach an die Wand hängen. (Dazu gesellt sich der Zampanò von Berenberg und ein urgemütliches Photo (laif) aus meinem Berliner Zeitungs Archiv). Obwohl ich gerne für Sie Bücher aus dem Verlag bestelle – zumal die Einbände wirklich hinreißend sind -, muss ich gestehen, dass ich nur ein Einziges im Laden habe. Das Einzige zeigt aber, was alles in so einem kleinen Verlag steckt.

adnan
Nautilus

Etel Adnan; Reise zum Mount Tamalpais

Diese Autorin wurde mir sehr von einer Kundin empfohlen, und weil ich gute Literatur, die sich mit Landschaft befasst, schätze, entschied ich mich für diese  Dichtung von Etel Adnan, angereichert durch ihre Zeichnungen und Aquarelle. Es ist Adnans über zwanzig Jahre dauernden Auseinandersetzung mit dem Berg bei San Francisco. Das läßt mich gleich an Cezanne denken und an Monet und seine Kathedrale, aber auch an Fermors Reiseschilderungen und an Robert Macfarlane und sein dickes Buch „The Old Ways“, an Chatwin, natürlich auch und an Seume und alle, die sich auf den Weg begeben haben und darüber schrieben und schreiben – oder die etwas – einen Berg, einen Fluss, ein Gebäude, eine Landschaft – über eine lange Zeit studieren und zu begreifen versuchen und dann immer wieder malen und beschreiben. Sogar der olle Karl May fällt mir nun ein; denn ich gehöre zu den Lesern, die sogar als Jugendliche (lang, lang ist’s her) gerne gerade die Landschaftsbeschreibungen lasen und die Dialoge eher „ächt ätzend“ fanden.

Die ersten Sätze

Ich sage gleich, dass es mir sehr schwer fällt, nach diesen ersten, von Klaudia Ruschkowski übersetzten Sätzen das Zitat enden zu lassen:

„Manchmal heben sie einen neuen Highway aus und lassen es donnern, reißen die Erde auf, trennen die Bäume von ihren Wurzeln. Der Berg leidet aufs Neue. Vögel verlassen die Waldränder, weichen der Straße. Sie fliegen hinauf zu den Höhen, und von den höchsten Gipfeln überschauen sie die entferntesten Landschaften, sogar das Raumzeitalter sehen sie voraus.“

 

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2 Kommentare zu „Unabhängig, stark und glücklich“

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