Drei Bücher zum Thema Auswandern, Zulaufen und Thanksgiving

einwandern
Auswandergeschichten

Die Pilgerväter, so ist bekannt, mussten aus England fliehen und fanden in Nordamerika ein neues Zuhause. Die Encyclopedia Britannica schreibt von ihnen:

„Of the 102 colonists, 35 were members of the English Separatist Church (a radical faction of Puritanism) who had earlier fled to Leiden, the Netherlands, to escape persecution at home.“

(Von den 102 Kolonialisten waren 35 Mitglieder der Englischen Kirche der Separatisten (eine radikale Abspaltung der Puritaner) die zuvor nach Leiden in die Niederlande geflohen waren, um der Verfolgung zu Hause zu entkommen.)

Irgendwann beim Lauschen von Geschichten im CBC, im kanadischen Radio, stieß ich auf einen Bericht, was es mit diesen Auswanderern auf sich hatte: dass diese radikalen Puritaner unerbittlich waren und überall für Aufruhr sorgten und sogar mit Waffen ihren Missionseifer betonten, und dass also die Regierung heilfroh war, als sie diese Rabauken endlich los war Heute würden sie wohl als Fundamentalisten gelten und in den Nachrichten im öffentlich-rechtlichen Fernsehen konsequent mit radikal-christliche Separatisten betitelt werden. Wie auch immer, diese Schiffsladung an Auswanderern traf in der neuen Welt ein harter Anfang, voll von Entbehrung und Rückschlägen, wie man sie Keinem wünschen mag.

Es gibt dann die Geschichte von den Ureinwohnern, den Indianern, die im späten Jahr 1621 diese Not der Neuankömmlinge sahen und allerlei Eßbares und Kleidung sammelten und mit einem kleinen Gefolge zu ihnen brachten. Das war eine Erklärung zur Geburt des Thanksgiving, des Festtags der Danksagung.

bär
Gerstenberg

Auswandern

Anke Bär
Wilhelms Reise
Eine Auswanderergeschichte

Diese liebevoll illustrierte Geschichte handelt von der Auswandererwelle Anfang des 19. Jahrhunderts, die wegen der bitteren Armut in weiten Teilen Deutschlands ins Rollen kam. Auf den Spuren von Anke Bärs Großvater, hier der junge Wilhelm, und entlang seiner Aufzeichnungen im Skizzenbuch lernen wir viele Details solch einer Auswanderung kennen.

Dies Buch endet mit Wilhelms Ankunft, und wir erfahren nichts weiter über seine ersten Begegnungen mit seinen neuen Landesbewohnern. Statt dessen wird sehr ausführlich die Reise selbst geschildert und wie sie die Reisenden prägt und „mitnimmt“. Es ist gut, daran erinnert zu werden, dass allein das Kommen eine an die Existenz rührende Angelegenheit ist, ganz unabhängig von den Gründen und Umständen des Fortgehens.

tan
Hachette

Shaun Tan
The Arrival

Dies Buch ist auch in einem deutschen Verlag erschienen, bei Carlsen (Ein neues Land), aber es ist ohnehin ohne Worte, und ein jeder kann die Bilderfolge anschauen und daraus lesen, wie es Fremden geht.

Was treibt so viele dazu, alles hinter sich zu lassen und alleine in ein unbekanntes Land zu reisen, an einen Ort ohne Familie oder Freunde, wo alles namenlos ist und die Zukunft ungewiß? Diese stille Bildergeschichte ist die Geschichte eines jeden Migranten, jeden Flüchtlings, jedem Vertriebenen, und eine Anerkennung für alle, die diese Reise angetreten haben.

„What drives so many to leave everything behind and journey alone to a mysterious country, a place without family or friends, where everything is nameless and the future is unknown. This silent graphic novel is the story of every migrant, every refugee, every displaced person, and a tribute to all those who have made the journey.“ (Hodder Children)
elch
Nord-Süd

Zulaufen

Oliver Jeffers
Dieser Elch gehört mir

Da taucht ein Elch auf und Wilfred erhebt gleich Ansprüche. Na, das wird so nicht gehn.

Jeffers hat sich wieder etwas einfallen lassen, diese Begegnung der anderen Art zu präsentieren: lauter phantastische Landschaften im Hintergrund der Geschichte, auf denen die kecken Pinselstriche sich besonders prächtig abheben und einen aus dem grauen Herbst in eine Farbenwelt tragen. Alles geht natürlich zu jedermans Zufriedenheit aus. Das geht aber nur, weil der Andere eben anders sein darf.

Elche – da fällt mir doch noch ein, was mein Vater mit rheinländischem Zungenschlag immer zu singen pflegte:

„Elsche steh’n und lau—-schen in die E-he-wischkeit.“

Da mir nur diese Zeile hängengeblieben war, hab ich das kluge Internet befragt und fand heraus, dass es sich hier um einen Ausschnitt des Ostpreußenlieds handelt. Passt.

thanksgiving
Folio Society*

Thanksgiving wird Ende November gefeiert. Wir alle sind irgendwie auf dieser Erde gelandet, zufällig hier oder dort. Machen wir das Beste daraus im Zusammenleben mit aller Kreatur und seien wir dankbar, und aufmerksam dem Anderen gegenüber.

*Bildquelle: Chromolithograph, ca 1910; Mary Evans Picture Library, in: Folio Society Diary 2012 (aus privatem Bestand)

Advertisements

Kommentar willkommen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s