Haben wir es aufgegeben, ernsthafte Bücher zu lesen?

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england connection

… so etwa fragte Andy Beckett 2009 in the guardian review. Ich gebe diese Frage mal weiter, zusammen mit einer Liste der Bücher, die im Artikel in dem Zusammenhang aufgeführt werden. Damit greife ich die england connection Rubrik wieder auf, für die ich auf dem alten Blog bisher zwei Beiträge geschrieben hatte: Merkur und die Eule (Mai 2013) und item Zeitungsartikel (Juli 2013).

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item Zeitungsartikel No 2

Some examples, mentioned in the article“Have we abandoned serious books?“

All diese Bücher besorge ich gerne, und es gibt in den Regalen und Fenstern der Buchhandlung auch einiges aus beispielsweise dem Programm vom C. H. Beck Verlag, von Zsolnay, Berenberg, Wallstein und Geymüller und anderen, in deutscher Sprache. Ernsthafte Bücher, die ich mit Gewinn gelesen hatte waren beispielsweise „Das Schicksal der weißen Pferde“ von Frank Westerman (C. H. Beck) und „Die letzten Heiden“ von Peter Brown (Wagenbach). Wie steht’s – haben Sie etwas ernsthaftes gelesen, was sie weiterempfehlen möchten?

Der Artikel von Andy Beckett kam 2009 zu den Schluß, dass es ganz so schlimm um das ernsthafte Buch nicht steht, es muss nur gut zu lesen sein und gut zu Markte getragen werden. Aber drauf verlassen könnte man sich da auch nicht. Der Artikel endet:

In unsettling times, books that try to explain the world may flourish.

In truth, it is too early to tell: serious non-fiction takes time to research and write and sell. But in the meantime, it may be a good idea for authors of such titles to be realistic about their place in the economic order. As John Feather writes in his history of British publishing, before Waterstone’s, before agents and advances, before the invention of the modern book business: „The medieval author worked for himself, for God or for a patron, or indeed for all three.“ I’m not sure that career path would be so popular now.

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item: Booklet Titelblatt

das heisst also etwa:

In ungemütlichen Zeiten kann es passieren, dass ein Buch, das versucht die Welt zu erklären, gut gedeiht.

Tatsächlich ist es zu früh, sicher zu sein: das ernste Sachbuch braucht Zeit für Recherchen, aufgeschrieben und verkauft zu werden. Aber in der Zwischenzeit ist es vielleicht ein guter Rat an die Autoren solcher Bücher, ihren Platz in der wirtschaftlichen Rangornung realistisch einzuschätzen. Wie John Feather in der Geschichte des britischen Verlagswesens schreibt – das war vor Waterston (dem englischen Äquivalent von Hugendubel, vielleicht), vor Verlagsagenten und Anzahlungen, vor der Erfindung der modernen Buchwirtschaft:“Der Autor im Mittelalter schrieb für sich selbst, für Gott oder für einen Patron, oder auch für alle drei.“ Ich bin nicht so sicher, dass dieser Karriereweg heute so gut ankäme.

 

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