Hofmannsthals Erzählungen

salzburg
Feste Hohensalzburg
Original Radierung aus Privatbesitz

a f d h

M* lieh mir übers Wochenende einige Bücher von Wolf Haas, und ich las „Silentium!„.

Rowohlt
Rowohlt

Des Plots wegen las ich alles, aber Haas ist nichts für mich, um es gleich vorweg zu sagen. Spätestens, als sich die weiße Plastiktüte quälend langsam in tieferes Blau färbte, war bei mir der Spaß vorbei. Ich bin auch kein Freund von kalauernden stand-up-commedians. Ich halte mich lieber, was Krimis mit Witz betrifft, an Hans-Jörg Schneiders Hunkeler. Ich weiss aber, dass es glühende Fans von Haas gibt, und mir liegt es fern, für diese ein Urteil zu fällen; auch bestelle ich gerne seine Titel für Sie. Wer dahinter kommen will, was es mit „a f d h“ auf sich hat, muss ohnehin Silentium lesen. Ich verrate es jedenfalls nicht.

Immerhin bescherte mir das Buch aber nicht nur ein Wiedersehen mit Salzburg sondern auch einen  weiteren Besuch bei Hugo von Hofmannsthal, von dem ich am Wochenende zuvor zwei Erzählungen gelesen hatte, beide sehr unterschiedlich in ihrer Art: Die Frau ohne Schatten und die Reitergeschichte.

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aus privatem Bücherschrank
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S. Fischer

Hugo von Hofmannsthal
Die Frau ohne Schatten

Das ist nun mal ein rätselhaftes Märchen voller parabelhafter Anspielungen, mit einer spürbar drängenden Botschaft. Hofmannsthal ringt damit, etwas wichtiges zu sagen, und gleichzeitig versucht er mit der Sprache die Sinne zu verzaubern und auf andere Ebenen zu heben und in andere Tiefen zu tauchen. Es begegnen dem Leser Urbilder wie Segel, der Färber, die Schlucht, die Hütte, das alte Weib.  Aber der Ton ist fern der Romantik. Ich habe eher Oskar Kokoschkas Bilderfolge von „Der träumende Knabe“ im Kopf, aber auch Ernst Fuchs Visionen. Auch spielen die Augen eine wesentliche Rolle – wie sehr sie sehen oder blind erscheinen. Es geht auch um Glaube, Hoffnung und vor allem Liebe, wie wir dies von Jedermann kennen. Und der Schatten natürlich. Man kommt nicht umhin, hier Schlemihl von Chamisso anzuführen, Scham und Unschuld und Weltläufigkeit. Hofmannsthal ringt mit den großen Themen Verwandlung und Erlösung. Die Erzählung ist schon wie die Opernmusik von Richard Strauss: gleichzeitig betörend und sinneraubend, überwältigend, aber auch auf eine Art intellektuell, die nicht über Sprache läuft, sondern andere Wege des Verstehens fordert. Das alles hier ist ein schwacher Versuch, dieses besondere Elixier hofmannsthalscher Prosa irgendwie zu beschreiben, aber wie es auch ein Thema bei Hofmannsthal ist, versagt es einem mitunter die Sprache.

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Reclam

Hugo von Hofmannsthal
Reitergeschichte

Das ist wirklich eine meisterhafte Erzählung. Sie jagt nahezu atemlos vom Anfang zum Ende und offenbart den scheinbaren Glanz des militärischen Siegs und den wahren Abgrund der Zerstörung, den Widersinn jeden Krieges. Der Ton erinnert mich stark an Kleist, und auch die Meisterschaft, wie Hofmannsthal signifikante Einzelheiten einbaut und den Bogen mächtig schlägt auf die Pointe zu, alles aus einem Guß und ohne ein Wort zu viel.

Graf Bobby im November 1918, vor sich eine Schale Ersatzkaffee: „Das versteh ich nicht! Na, ich versteh’s wirklich nicht! So eine schöne Armee ham ma g’habt. Husaren, Dragoner, die Prachtrösser! Helm! Federbusch! Pallasch‘! Und erst die Fahnen mit den schönen Stickereien. Die Kaiserjäger, die Hoch- und Deutschmeister! Und die Regimentsmusik! Was für eine Gloria! Da kann man sagen, was man will, das war die schönste Armee der Welt! Und was haben’s g’macht mit dera Armee? In Krieg haben sie’s g’schickt!“ (Quelle: eine gewisse online-Enzyklopädie, wie E* zu sagen pflegt)

aus privatem Bücherschrank
Hugo von Hofmannsthal in der Insel Bücherei – aus privatem Bücherschrank
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