Pier Paolo Pasolini zum Geburtstag

Pasolini
aus dem Programm der Schröerschen

Pier Paolo Pasolini

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Des Schriftstellers Almanach Aus Petri Liukkonens Authors’ Calendar für den deutschsprachigen Leser
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Indiebookday

„Pasolini ist außerhalb Italiens am besten bekannt wegen seiner Filme, von denen sich viele aus literarischen Quellen speisen – ‚Das 1. Evangelium – Matthäus‘, ‚Decameron‘, ‚Pasolinis tolldreiste Geschichten‘. Pasolini sprach von sich als einen ‚katholischen Marxisten‘ und verwandte oft schockierende Gegensätze in seiner Bildersprache, um die Flüchtigkeit von Werten in der modernen Gesellschaft bloßzulegen. Für seinen Freund, den Schriftsteller Alberto Moravia, galt er als ‚der große italienische Dichter‘ der zweiten Hälfte des 20. Jhdts.

‚Im neorealistischen Film wird die Tag-für-Tag-Realität von einem dämmerigen, intimen, leichtgläubigen und vor allem naturalistischen Gesichtspunkt her betrachtet … Im Neorealismus werden Dinge mit einem gewissen Abstand beschrieben, mit menschlicher Wärme, gemischt mit Ironie – Charakteristiken, die ich nicht habe. Verglichen mit dem Neorealismus habe ich eine besondere Art Realismus eingeführt, aber ihn genau zu beschreiben wäre schwer.‘ (in: Pasolini über Pasolini, von Oswald Stack, 1970)

so schreibt Petri Liukkonen über Pasolini, wie immer nach bestem Vermögen übersetzt, mit Vorbehalt.

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Berenberg und Wagenbach in der Auswahl der unabhängigen Verlage

Hier ist der Originaltext:

[Pasolini is best known outside Italy for his films, many of which were based on literary sources – The Gospel According to Saint Matthew, The Decameron, The Canterbury Tales. Pasolini referred himself as a „Catholic Marxist“ and often used shocking juxtapositions of imagery to expose the vapidity of values in modern society. His friend, the writer Alberto Moravia, considered him „the major Italian poet“ of the second half of the 20th century.
„In neorealistic film, day-to-day reality is seen from crepuscular, intimistic, credulous, and above all naturalistic point of view… In neorealism, things are described with a certain detachment, with human warmth, mixed with irony – characteristics which I do not have. Compared with neorealism, I think I have introduced a certain realism, but it would be hard to define it exactly.“ (In Pasolini on Pasolini by Oswald Stack, 1970)]

In Deutschland haben sich der Wagenbach Verlag und Berenberg stark gemacht für Pasolini, Alberto Moravio, die Generation der italienischen Kunstschaffenden. Verwandt und weniger bekannt ist beispielsweise Federigo Tozzi, dessen „Mit geschlossenen Augen“ wir als Roman in Fortsetzung bei den Vorlesemontagen gelesen haben und der uns gut gefiel.

Hier auf dem Tisch nun, von Wagenbach:

Pier Paolo Pasolini – Eine Biographie
von Nico Naldini, übersetzt von Maja Pflug

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Tamellini.it

Hier ein Auszug zum Jahr 1948:

„Wenn die Carsaseser Mundart auch die Grundlage seiner poetischen Sprache bleibt, hat Pasolini doch schon im Bereich des westlichen Friauls von Dorf zu Dorf, von Ortschaft zu Ortschaft die Variationen der dort gesprochenen Munbdarten erfaßt, in denen sich Temperamente, Physiognomien und soziale Bedingungen der bäuerlichen Welt der kleinen Grundbesitzer und der Tagelöhner widerspiegeln. Nachdem sie einige ihrer Geheimnisse für dichterische Spiegelungen preisgegeben hat, zeigt sich diese Welt nun auch in ihrer gesellschaftlichen Realität, wo der Klassenkampf, der nach dem Krieg begonnen hat, Pasolini politisch gänzlich ungewappnet überrascht, aber im Unterschied zu anderen Intellektuellen ausgestattet mit außergewöhnlicher Kenntnis und Erfahrung der verschiedenen Seinsweisen der friaulischen Bauern, was Mentalität, Seele, Sexualität betrifft.“

Das Buch umfasst über 370 Seiten, reich an Zitaten und mit zahlreichen schwarz-weiß-Photographien versehen. Ein tolles Buch!

Maike Albath Rom, Träume
Moravia, Pasolini, Gadda und die Zeit der Dolce Vita

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Maike Albath, bei lesungen.net

Hier ein Auszug zu den Dreharbeiten von „Der Weichkäse“ (1962), passend zur Fastenzeit –

La ricotta erzählt folgende Geschichte: Unweit der Katakomben der Urchristen an der Via Appia Nuova dreht ein depressiver Regisseur, mit genialem Gleichmut von Orson Welles gespielt, die Leidensgeschichte Christi. Mithilfe von Schauspielern und Statisten will er zwei Gemälde der florentinischen Manieristen Rosso Fiorentino und Jacopo Pontormo nachstellen. Zum ersten Mal arbeitet Pier Paolo Pasolini mit Farbe, Zoom und Zeitraffer. Weil die Komparserie aus lauter armen Schluckern besteht, die damit beschäftigt sind, sich satt zu essen und sich zu amüsieren, brechen die – farbigen – Tableaux vivantes der Kreuzabnahme dauernd in sich zusammen: entweder erklingt die falsche Musik, ein Twist statt Scarlatti, oder jemand bekommt einen Lachanfall. […]“

– überflüssig zu sagen, wie schön dieser Band wieder ausgestattet ist, wie jeder Berenberg Band.

fiorentino
Quelle: wn.com

Pier Paolo Pasolini
Afrika, letzte Hoffnung

übersetzt von Annette Kopetzki und Dorothea Dieckmann

Reading along the NYRB
50 Years New York Review Of Books 50 Years

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NYRB, Volume LIV, Number 14

Nathaniel Rich
The Passion of Pasolini

New York Review Of Books, September 27, 2007

… feel free to come in and read in sito.

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