Sunrise – Das Buch Joseph

indie_querMein Buchhändlerbruder und ich sinnierten darüber, ob der mächtige Wallstein Verlag denn noch zu den kleinen unabhängigen Verlagen zählen, und dass dann doch auch mein Favorit Reclam in die Riege aufgenommen werden sollte. Nun, Wallstein steht auf der Liste, und in der Buchhandlung steht dies Buch, was eine Empfehlung zum „indiebookday“ wert ist. Auf dem alten Blog Buchprogramm schrieb ich im Oktober 2012:

Zum Roman von Patrick Roth

roth
Wallstein

„Wie geht er mit der Materie um? Von der Sache her hat er Amos nicht beherzigt, leider. Sein Gott geht mir tüchtig auf die Nerven. Nun ist es aber gut, wenn man sich reibt und ärgert. Das hält wach. Literatur die glatt runtergeht hält nicht lange vor.

Sprachlich ist es gewaltig, was Roth leistet, und so sollte er, finde ich, durchaus mit Staunen und Anerkennung gelesen werden, als ein Sprachgewaltiger.

Abgesehen vom Stoff hätte ich ihm alle Punkte zugestanden, wenn er nicht einen Roman mit abgerundeten plot geschrieben, sondern es bei dem Ganzen als Novelle mit offenen Anfang und Ende gewagt hätte. In der Romanlänge gelingt es ihm auch nicht durchweg, den archaischen Duktus zu halten. In der Not, den Inhalt in die passende Form zu bringen, muss er eben doch gegen Ende komplizierter formulieren. In einer Novelle, deren Inhalt rätselhaft unaufgelöst bleibt, hätte sich die Sprache wirklich voll entfalten können und uns Leser dazu gebracht, das Menschsein in volleren Zügen auszukosten und Gott ein Stück näher zu rücken. Denn Kunst kann das.“

Ich wüsste übrigens nicht, dass Roth irgendwo erklärt hätte, warum er einen englischsprachigen Titel wählte. Überhaupt: immer wieder tauchen englischsprachige Titel auf, wenn es doch um deutsche Literatur geht. Ärgerlich ist es, wenn kein zusätzlicher deutscher Text auf dem Buchdeckel auftaucht, weil das wirklich in die Irre führen kann, wie beim Buch „Sweet Land“ von Doctorow, das K.* glücklich im Schaufenster entdeckte, um dann enttäuscht zu erfahren, dass es die deutsche Übersetzung sei. Das nur am Rande.

Kurzum, Patrick Roth; Sunrise – Das Buch Joseph ist lesenswert, gehört in die Rubrik „unabhängige Verlage“, und bietet sich an, zum 21. März, am „indiebookday“ (ha, ha! diese Ironie, nicht wahr?) hier gekauft zu werden. Ein Photo vom Ereignis dazu, zum Zeigen an diesem Ort, würde mich freuen, ist aber nach Belieben.

*K. steht für Kunde

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