Ippolito Nievo lesen!

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Folio Verlag Wien Bozen
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Kurt Wolff Stiftung

„Die Unabhängigen“ – zu diesem Forum möchte ich mich gerne seelenverwandt zählen, und dieser Name behagt mir hierzulande eher, als das flotte indiebook; aber das Anliegen selbst -: „Förderung einer vielfältigen Verlags- und Literaturszene“ – gefällt mir unter jeder Bezeichnung.

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Ippolito Nievo

Leseexemplar

Während in der neuesten Ausgabe des Buchhandelsmagazins Börsenblatt Herr Jochen Jung vom (unabhängigen) Verlag Jung & Jung darüber sinniert, wozu ausgewiesene Leseexemplare gut sein sollen, wo doch ein jedes Buchexemplar gelesen sein will, bin ich im glücklichen Besitz einer besonders schönen Neuerscheinung, wunderbar in Form und Inhalt.

Ippolito Nievo
Am Ufer des Varmo
übersetzt von Karin Fleischanderl
Folio

Der Verlag hat auf die Stempelung verzichtet, aber dieses Buch hat in mir schon nach den ersten Kapiteln bewirkt, dass ich es immer im Lager führen und fleissig weiterempfehlen werde.

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Penguin

Reading along the NYRB
50 Years New York Review Of Books 50 Years

Kurioserweise traf heute die neue New York Review of Books ein, und was finde ich darinnen?
Revolutionary Italy: The Masterwork
Tim Parks schreibt hier über Nievos Hauptwerk, Le confessioni d’un Italiano (1857/58), das erstmals vollständig auf Englisch erschienen ist, im Mai 2014, übersetzt von Fredericka Randall.

Auf Wiedersehen, Authors‘ Calendar!

Wie gerne würde ich nun aus dem Schatz von Petri Liukkonens Webseite zu Autoren und ihren Werken zitieren, aber die ist sang- und klanglos verschwunden, was ich mit tiefem Bedauern zur Kenntnis genommen habe. An dieser Stelle sage ich Herrn Liuzkkonen noch mal Dank. Ich hoffe, dass es ihm gut geht. Ich hoffe auch, dass Authors‘ Calendar uns nicht für immer verloren gegangen ist. Die Seite fehlt mir sehr. Hier sind ein paar dürftige Daten zum Autoren: Nievo wurde 1831 in Padua geboren und verunglückte auf See – bei seinem Einsatz für ein unabhängiges Italien im Gefolge von Garibaldi –  bevor er 30 Jahre alt wurde. Sein kurzes Leben war voll von Abenteuern und schriftstellerischen Wirken, und er schrieb eben dieses postum veröffentlichte Meisterwerk (siehe auch: Manesse), Zeit seines Lebens Lyrik, und zu Beginn eine ganze Reihe von Novelle paesane, Novellen bäuerlichen Lebens in Friaul, wovon ‚Am Ufer des Varmo‘ eine ist.

Nievos Friaul und Tozzis Toskana

Es ist erstaunlich, wiesehr sich die Stimme Nievos von Frederigo Tozzi unterscheidet, der, 1883 in Siena geboren, über das Leben der einfachen Leute in der Toskana schreibt (in ‚Mit geschlossenen Augen‚ , bei Wagenbach). Statt des herben Tons geht Nievo heiter und gelassen,vor und breitet mit liebevollen Details eine ganze Welt aus.

Der erste Satz

Jedes noch so schlichte und spröde natürliche Gebilde vermittelt dem kundigen Betrachter eine einzigartige Poesie, und seine flüchtigen und zarten Schönheiten offenbaren sich umso mehr, je weniger offenkundig und augenscheinlich sie sind.

Er kreist über die Region, nähert sich den Ufern des Varmo und seiner Natur, um nach und nach Menschen und deren Leben daraus auftauchen zu lassen, vorübergehende Protagonisten, die aber auch seine Sorgfalt und Zuneigung erfahren, unter diesem Vorbehalt, dass die Erde, auf der wir gehn und die uns nährt, von längerer Dauer ist als unsere Geschichte.

Erst seit wenigen Jahren spannen zwei Gemeindestraßen einen fünf Meter langen Bogen über das ruhige Wasser des Varmo; aber sie haben nur geringen Schaden angerichtet, und das stille Wasser hat sich gerächt, indem es im Herbst vor einigen Jahren die beiden Brücken gezwungen hat, einen grotesken Kniefall vor ihm zu machen; die Brücken wurden erneuert, aber etwas höher, sodass der schlaue Fluss etwas mehr Luft zum Atmen hatte, die Gemeinde brachte die ersten Kosten auf, und die Ingenieure jubelten.

folio
gut gemacht!

Und das ist der Auftakt, und mehr möchte ich nicht zum Inhalt sagen. Ich freu mich aufs Wochenende – mit solch einem Buch! Ich kann kein Italienisch und bin froh, dass die Übersetzung so gut geworden ist. Der Verlag hat das Buch äußerst sorgfältig und geschmackvoll gestaltet; und macht auf seine Art deutlich, dass dieses Werk zur Weltliteratur gehört. Mille grazie.

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