Mit Manfred Flügge zu Heinrich Mann

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Das Henri Quatre Colloquium kehrt zurück

Henri musterte seine wenigen Genossen: dann setzte er sich an ihre Spitze und ritt weiter genau zwanzig Fuß weit, wie er berechnete; jetzt polterten die Hufe auf Holz, das war die Zugbrücke. Eine Tür – die Tür des Louvre, dunkel und massig zwischen zwei alten Türmen. Endlich ein Gewölbe, so niedrig, daß die Reiter absaßen und ihre Tiere führten. Die andere Hand legte sich von selbst um den Griff der Pistolen. Noch einmal zwanzig Fuß zählte Henri, ganz Spannung. Indessen gelangte er in einen Hof.

Am 1. August 2013 brach das Colloquium ab, nach dem Kapitel „Der Louvre“. So droht das nun mal bei Großprojekten in Berlin. Jetzt aber lade ich jeden Interessierten ein, die Lektüre wieder aufzunehmen: Die Bäume zeigen erstes Grün, die Amseln musizieren mit dem übrigen Federvieh um die Wette, die Bürgersteige bevölkern sich, alles atmet Aufbruch.

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Manfred Flügge

Manfred Flügge; Traumland und Zuflucht

Zum Anlauf las ich Flügges Essay über Heinrich Mann und Frankreich. Es ist gut zu lesen. In Kanada sah ich gerne Häuser im Entstehen: Aufgerichtetes Balkenwerk, zu dem sich nach und nach alles fügte, was ein Haus ausmacht. In seiner Zielstrebigkeit barg das eine gewisse Schönheit und erweckte Neugier und Staunen. Hier also zeigt uns Manfred Flügge den Schriftsteller Heinrich Mann im Werden begriffen, und es lohnt, dem zu folgen mit all seinen Widrigkeiten von innen und außen, aber beseelt von einer Menschlichkeit und Wärme, wie ich sie beim Lesen von Heinrich Mann immer meine, zu spüren.

Güte

Im Kapitel ‚Lektüre und Lektionen‘ schreibt Manfred Flügge:

Außerdem hat [Heinrich Mann] viele Romane und Erzählungen von Anatole France intensiv durchgearbeitet, dessen Aussagen über Frankreich notiert; besonders die Vorstellung von Frankreich als Land der Güte („bonté“), die Manns Roman über den König Henri Quatre beherrschen wird, scheint ihre Quelle bei France zu haben.

Flügge führt dann weiter aus, wie diese Güte zu verstehen ist, jedenfalls in der Vorstellung Manns. Wenn ich mich recht erinnere sind es die Ereignisse um die Bartholomäusnacht die eine bewußte Hinwendung zu dieser Güte in Henri erzeugen, ein Reifen als zukünftiger Souverain, das noch einige Jahre (und einen zweiten Teil des Romans: Die Vollendung des Henri Quatre) in Anspruch nehmen wird, aber das wäre schon mal ein Ansatz, nach Stationen der Güte in Henri Ausschau zu halten.

Das Colloquium tritt zusammen

hier auf dem Blog einmal im Monat auf den Freitag. Die erste Gesprächsrunde auf dem Kommentarteil ist also am 8. Mai, Tag der Kapitulation, ein denkwürdiger Tag, der Barbarei ein Ende setzte und mahnt, immer wieder aufs Neue zivile Gesellschaft anzustreben. Das ist ein guter Tag, um Gedanken zu Henri Quatre auszutauschen, finde ich. Ich würde mich freuen, wenn sich viele Colloquianten im virtuellen Salon einstellten. Gerne sehe ich auch Kommentare zu den bisherigen Kapiteln, Fragen, Anregungen, Ideen. Also auf geht’s. Gute Lesestunden allen mit Heinrich Mann und „Die Jugend des Königs Henri Quatre„!

8. Mai: Margot

marguerite
Marguerite de France, reine de Navarre (1553-1615)
François Clouet, Dessin
Les Collections du musée Condé

Es steht das Kapitel ‚Margot‘ an, in meiner Rowohltausgabe sind das 67 Seiten. Es geht um die Ereignisse rund um die Hochzeit von Heinrich von Navarra (dem späteren Henri Quatre) mit Margarete von Valois (genannt Margot), am Hof von Katharina de Medici im Louvre, im Paris des späten 16. Jahrhunderts.

Etappen des Henri Quatre Colloquium 2013

  1.  Henri Quatre Colloquium (20. April)
  2.  “Die Pyrenäen” im Mai (27. April)
  3.  Henri Quatre – ein paar Portraits (21. Mai)
  4.  (eigentlicher Auftakt) Die Pyrenäen (1. Juni)
  5.  Jeanne (29. Juni)
  6.  Der Louvre (1. August)

Die vorrätigen, bzw. lieferbaren Ausgaben des Romans

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5 Kommentare zu „Mit Manfred Flügge zu Heinrich Mann“

  1. Ja, H. Mann versucht, möglichst nahe an Personen und Zeit heranzukommen. Im Sinne der historischen oder in dem der poetisch-literarischen Wahrheit? Lässt sich wahrscheinlich nicht trennen, bleibt immer eine Unschärfe. (Sogar die Darstellungen von reinen Historikern sind notwendig unscharf, ‚tendenziös’.)

    Natürlich kann man sich trotzdem fragen, ob die Charaktere von Margot, Caterina de Medici, Coligny etc. ‚richtig’ getroffen sind. Wie authentisch ist zum Beispiel das heimliche Einverständnis zwischen Karl IX und Henri IV? („sanft wie ein Lamm, versprach er (=Henri) seinen Übertritt – und dies sogar nach geschehener Metzelei. Aber er dachte auch nicht daran, sein Wort zu halten, als er es Karl verpfändete und Karl wusste es wohl. Sie gaben einander ein kleines Zeichen mit den Augen“).

    Was die NS-Parallele betrifft, wird H. Mann erst in Kap. IV („Was ist das: Hass?“) deutlich, siehe dort die Goebbelschen Züge von Pfarrer Boucher. Andererseits mahnt doch schon die Bartholomäusnacht an die Nacht der langen Messer (sog. Röhm-Putsch 1934).

    Hier, in „Das Ende“ läuft H. Mann zu seiner sprachlichen Höchstform auf. Das Morden in den Gassen der Stadt wird sarkastisch geschildert. Sarkasmus ist hier weniger ein Nicht-an-sich-herankommen-lassen-des-Grauens (das auch) als vielmehr ein Standhalten dem Grauen gegenüber. Lange vor Auschwitz beschreibt Mann das Morden als „höchste Emsigkeit“ und „pflichtbewusste“ „Arbeit“. „Bei all ihrer Wildheit, die ganz wie eine befohlende Wildheit aussieht, bleiben sie ordentlich und arbeitsfroh.“

    Henri IV macht sich ja gern lustig und lacht gern. Sarkasmus ist, wenn man trotzdem lacht. „…denn am Haß würde man ersticken, könnte man nicht lachen. Henri erlernte in dieser Stunde, zu hassen, und es war ihm dienlich, dass er sich über das Verhasste lustig machte.“ Die Nazis wollten, dass einem das Lachen vergeht. (Deswegen muss Erich Mühsam im KZ stramm stehen).

    Hass ist das spezifisch Neue, das, wie Mayer schreibt, sowohl von H. Mann als auch von Heinrich IV erst gelernt werden muss. „Der Hass“ (1933) und „Die Jugend des Henri IV“ (1935) gehören zusammen. H. Mann spricht in „Der Hass“ von „abtrünnigen Zivilisierten“, von verkrachten Literaten (Goebbels) – gute Ansätze für das Verständnis dieses spezifischen Hasses von Zivilisierten, die rückfällig werden. Außerdem heute wieder aktuell. Umschlag von Frust in Wut, würde man heute sagen. Hassprediger etc.

    „Das Komische wird durch Grausen noch komischer“ (H. Mann). Es gibt einen Aufsatz von U.Weymann: „Karnevalistisches Weltempfinden oder: der lachende Henri Quatre in H. Manns historischem Exilroman“ (2013). Der Aufsatz richtet sich gegen die These vom Henri Quatre Buch als illusionärem Selbstbetrug und Wunschdenken des Autors. Die „Überzeichnung des französischen Königs als großer Humanist“ wird hier nicht als etwas Unreflektiertes gesehen, sondern als bewusste „poetologische Strategie der Karnevalisierung“ (Weymann). Könnte man weiter verfolgen.

    Zur Frage Revolution. Für H. Mann war wahrscheinlich „Geist“ der größte Revolutionär. Das mag idealistisch klingen (wie ganz gewiss im Ohr der KPs), lässt sich aber durchaus verstehen. Was den viel diskutierten Komplex ‚Geist und Macht’, Funktion der Intellektuellen usw. betrifft, finde ich die Debatte zwischen Thomas Mann (Betrachtungen eines Unpolitischen) und Heinrich Mann interessant. Da nennt doch Thomas Mann seinen Bruder tatsächlich einen „Zivilisationsliteraten“ und bekämpft den französischen, internationalen Geist.

    Das hat dann die ‚seriöse’ ´Berliner Börsenzeitung 1933 übernommen, als sie dem aus der Preußischen Akademie der Künste ausgetretenen H.Mann nachrief: „Leute, die an den französisch gefärbten internationalen Geist glauben… gehören nicht hinein.“
    Ich warte nur noch auf die Stunde, da Habermas als Vertreter der philosophischen Westorientierung (diesmal weniger Frankreich als England und USA) von der FAZ ‚verabschiedet’ wird!

    Was macht im Roman das Französische aus in Zeiten vor der französischen Revolution, das Heinrich Mann gefiel? Die Frage müsste eigentlich Manfred Flügge beantworten können. Nach H. Mayer sah H. Mann den franz. Geist „im Einklang von Landschaft, Geschichte und Freude an der Sprache und am Sprechen“. Er erwähnt auch den portugiesischen Ursprung der Mutter.

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    1. mille tonnerres, R***! Das ist mal ein voller Kommentar, und er wird eine Weile vorreichen.

      Historische Nähe – damit meine ich den Versuch, als Autor den Kulturkreis und geistigen Horizont möglichst gut zu verstehen, weswegen die Studien der zeitgenössischen Aufzeichnungen (Sully, Margot) sicherlich Eingang fanden.

      [Die Schule um Ginzburg versuchte, durch alte Gerichtsakten nahe an das Denken und den Alltag der kleinen Leute heranzukommen. Flaubert hat für Salambô alles untersucht, was an Wenigem zu Hannibal und Hadrubal, zu Karthago und zu der Zeit zu erforschen war. Hilary Mantel nimmt auch solche Quellen zur Hand, dazu zeitgenössische Gemälde usw., um möglichst intim nachvollziehen zu können, was zur Zeit von Thomas Cromwell bekannt war, was die Menschen bewegte, welche Ängste und welche Träume sie hatten.]

      Bei Heinrich Mann hatte ich mit dem Roman auch eher den Eindruck, dass er in die Zeit des 16. Jhdts. hineinfindet und sich darin umtreibt, als dass er als Prophet sich der Epoche bedient, um sich als Schriftsteller direkt zum Zeitgeschehen zu äußern. Ab und zu bekomme ich beim Lesen den Eindruck: wie sein Henri sich lustvoll in Liebesdingen und scherzen mit Freunden, dass Heinrich Mann sich ebenso lustvoll im Fabulieren verliert, selbst wenn er das Thema aufgegriffen haben mag, weil er sich mit Herrschaft, Gewalt, Untertanentum beschäftigt. Wie soll ich poetisch-literarische Wahrheit verstehen?

      Soviel fürs Erste. Hoffentlich tauchen noch weitere Stimmen auf. Es gibt soviele interessante Ansätze zum Weiterdenken …

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    2. Noch ist Pfingsten nicht gekommen, da möchte ich schnell das düstere Thema ‚Haß‘ aus dem Kommentar aufgreifen, lieber R***.

      Flügge schreibt unter anderm zu ‚Der Haß‘ (1933 bei Gallimard ‚La Hains‘, bei Querido deutsch im selben Jahr):

      Der »Hass« aus dem Titel meinte nicht Abscheu vor den Machthabern in Berlin, sondern bestärkte deren stärkste Motivation; nur Hass inspirierte ihre Gedanken und Taten. […] Als treffende Prophetie erweist sich der Satz: »Die Hitler-Diktatur wird verständlich allein im Hinblick auf den Krieg.«

      (in: Manfred Flügge; Traumland und Zuflucht / S. 120 / Insel, 2013)

      Im Nachwort in der Studienausgabe bei Fischer schreibt Hans Meyer unter ‚Der Haß und die Güte‘ zum „deutschen Geschehen des Jahres 1933“, wie, anders als Thomas, Heinrich Mann „einfach nüchterner hingeschaut hatte. Nüchterner, freilich aber auch mit einem bisher unbekannten Empfinden: mit Haß.“ Etwas weiter unten, nach der Beschreibung der Virulenz des Hasses unter der neuen Herrschaft der Nazis, meint Meyer, daß auch „Heinrich Mann ihn erlernen mußte, den Haß“ um ihn dann in dreifacher Form in Literatur zu „verwandeln“, unter anderem in dem ersten Band „von den schlimmen Lehrjahren des guten Königs Henri“. „Haß und Güte, beides muß gelernt werden.“

      Diese Position ist mir rätselhaft. Ist es im Fall des Hasses ein lernen, um zu überwinden? Dann ginge es an. Ich las aber eher heraus, daß es in Richtung Hessel’scher ‚Empörung‘ geht, Wut, oder Zorn, ein Aufwallen, aber eben spezifisch ‚Hass‘. Problematisch, finde ich. Gibt es ein Beispiel in der Geschichte, wo daraus etwas Gutes wurde?

      Zuletzt noch ein Zitat vom Autoren selbst, aus den im Materialienteil der Studienausgabe. In einem Brief an Félix Bertaux vom 23. Januar 1935 schrieb Heinrich Mann:

      „»Haß spüren« [À éprouver la haine]: ich meinte mehr empfinden [ressentir] als ertragen [subir].“

      Das bezieht sich auf die ‚Moralité‘ am Ende des Kapitels „Die Schule des Unglücks“; ich greife da schon voraus.

      Ich neige doch zu Flügges Auffassung, bei dem der Haß auf jeden Fall eine Schwäche ist, die zu ‚erlernen, im Sinne von sich anzueignen‘ sicher nicht Heinrich Manns Antwort auf menschliche Verbrechen ist. Es scheint mir, daß Henri (wie vielleicht auch der Autor) von dem Gefühl überfallen wird, mit ihm ringt und sich dann entschieden vom Haß abkehrt.

      Ein gutes Pfingsten, auf diesem Wege!

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  2. Wie wieder in den Text hineinkommen? Da ist Hans Mayers starkes Nachwort sehr nützlich. Der Roman als eine ‚humanistische Gegenwelt’ zur aufziehenden NS-Barbarei. Mayer verweist auf parallele Exil-Projekte: Stefan Zweigs Erasmus von Rotterdam, Thomas Manns Lotte in Weimar. Aber bei Heinrich Mann gilt nicht nur französisch-mittelmeerische Gegenwelt, sondern auch Revolutionsutopie: Französische Revolution und Russische Revolution gehören (noch) zusammen. (Hatte ihn der Schock des Stalinismus noch nicht erreicht?)

    Einerseits der Geschichtsroman als (beschwörerischer) Gegenentwurf zur Situation von NS-Deutschland. Die heilige Liga – eine NSDAP, die besiegt wird. (Wobei es auch erlaubt ist, nach heutigen Wiedergängern der hl. Liga zu fragen, z.B. Pegida.). Andererseits die geschichtliche Situation selbst: die Religionskriege. Zwei Fragestellungen, um wieder in den Text hineinzukommen – zu Margot.

    Über Margot sagen die Durants in ihrer Kulturgeschichte: „Ronsard besang sie…Richelieu lobte ihren Stil, Montaigne widmete ihr Essays“

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    1. R***, ich freue mich sehr über den ausführlichen Kommetar. Die ausführliche Antwort gilt hoffentlich als Aufmunterung zu einem fortgestzten Diskurs.

      Die oft zitierte Beziehung zur NS Diktatur: „Die Parallelisierung der volksfeindlichen Politik der katholischen Liga mit dem nationalsozialistischen Terror in Deutschland ist augenfällig. Guise, der Ligaführer, trägt die Züge Hitlers […]“, schreibt Roland Rall für Kindlers Literaturgeschichte, beispielsweise: ich hatte – mit meiner Lektüre nicht über ‚Margot‘ hinausgekommen – bisher nicht den Eindruck.

      Versucht Mann nicht viel eher, auch mit gründlicher Recherche, möglichst nahe an Personen und Zeit heranzukommen und zu verstehen, wie mit Henri zu der Zeit in den gegebenen Umständen ein Gegenentwurf gewagt wurde? Die Wahl, die man als Einzelner trifft, die Einflüsse auf Entscheidungen, wie sehr Schicksal und Hexerei noch allgegenwärtig Handeln und Sein des Menschen im 16. Jahrhundert bestimmen – soll das eine Kampfschrift gegen die aufziehende Naziherrschaft sein oder eine Suche nach dem eigenen Ideal zu allen Zeiten?

      Katherine de Medici als Handlanger der Katholiken, aber zunächst lancierend, abwägend auf eigene Faust – es geht ihr um ihr nacktes Leben: durchschaut ihr Sohn und König ihren Verrat? Sie hat ja die Executive an sich genommen, teils mit Hinterlist und vor allem mit roher Gewalt. Colligny als blinder Eiferer, der seine eigene Schuld in doktrinären Starrsinn in Gottes Namen ummünzt und Krieg und Vernichtung als heiligen Weg herbeiredet. Margot, mutig ihrem Gewissen folgen in den Grenzen ihres Begreifens über Implikationen und Wirkung, und auch ohngeacht dessen. Übrigens ein schönes Zitat zu Margot! Henri, in entscheidenden Momenten abgelenkt durch private Lüste, aber mit dem Talent ausgestattet, brenzlige Situationen zu entschärfen und Gewalt im Einzelnen abzuwenden. Tragisch, wie er unfähig ist, trotz Zeichen und Warnungen die bevorstehende monumentale Metzelei nicht kommen zu sehen.

      Die Revolution als Weltverbesserungswerkzeug ist noch ein anderes großes Thema. Ich weiß zu wenig über die KPD zur Weimarer Zeit und inwieweit sie hinter Stalins Terror stand, bzw den Stil für die Republik zu übernehmen gewillt war.
      „Französische Revolution und Russische Revolution gehören (noch) zusammen. (Hatte ihn der Schock des Stalinismus noch nicht erreicht?)“ Dass Heinrich Mann 1932/33 den Aufruf zur Aktionseinheit von KPD und SPD gegen die Nationalsozialisten unterschrieb, wie es in der Zeittafel der Studienausgabe steht, liefert keine Antwort. Die SPD bediente sich in der Weimarer Zeit auch brutaler Freikorps. (Mein Vater war im Ruhrgebiet Augenzeuge von blutigen Waffengängen von Rot und Braun gleichermaßen.)

      Den Abscheu vor Gewaltszenen beschreibt Mann bei Henri unmißverständlich, gemäß der Entwicklung, die er nimmt: die seiner Mutter begreift er als Heranwachsender noch nicht, aber schon bei Colligny bezieht er unmissverständlich Position. Henri ist bei Mann nicht unfehlbar, aber schon früh zeigt er die Richtung auf zu dem, was ich eher ein Streben nach Reform erachte, eingedenk eigener beschränkter Macht und Momenten von Ohnmacht, und nicht als Liebäugeln mit Revolution.

      Meine Frage: was macht im Roman das Französische aus in Zeiten vor der französischen Revolution, das Heinrich Mann gefiel?

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