Henri Quatre Colloquium diesen Freitag

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Hochzeit von Henri de Navarre und Marguerite de Valois (Hermann Vogel, 1854 – 1921)© Archives départementales des Pyrénées-Atlantiques

hqcGroße Ereignisse werfen ihre Schatten voraus. Am 8. Mai bin ich gespannt, ob sich andere Leser von Heinrich Manns Roman hier melden. Das würde mich sehr freuen.

Der 8. Mai ist ein Datum, das das Ende einer Zeit von Totalitarismus, Barbarei und Krieg markiert. Das Kapitel ‚Margot‘ umfasst einen Tiefpunkt an menschlicher Grausamkeit.

Der Weg des Prinzen von Navarra zum „guten König“ der Franzosen führt durch eine Epoche der französischen Geschichte, in der Mord und Gewalttat, Lüge und Verrat, die Politik mit anderen Mitteln, in ihrer gräßlichsten Entartung triumphierten.

Verlags-Einleitung zur Rowohlt Taschenbuchausgabe von 1964 (Juli 1970)

Man kann sagen, dass mit den Nachkommen der hugenottischen Flüchtlinge hier in Berlin die Verbrechen des 16. Jhdts. noch in unsere Zeit reichen. Wie beschreibt also Mann das Verhalten des jugendlichen Henry inmitten der Gewaltszenen? Wie wirkt das Erlebte?

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Materialien und Parallellektüren

Im heimischen Bücherschrank stieß ich auf eine Liste von Büchern, die, wie ‚Die Jugend des Königs Henri Quatre‘ von Heinrich Mann, 1935 erschienen waren:

  • Wilhelm Lehmann; Antwort des Schweigens
  • Ernst Wiechert; Hirtennovelle
  • Werner Bergengruen; Der Großtyrann und das Gericht
  • Ludwig Tügel; Pferdemusik
  • Stefan Andres; El Greco malt den Großinquisitor
  • Edzard Schaper; Die sterbende Kirche

unter: 1925 – 1950 Dichtung der verlorenen und der verbürgten Wirklichkeit / in H. A. und E. Frenzel; Daten deutscher Dichtung Bd. 2, dtv 1962 (20. Aufl. 1982)

Und dies sagt Rudolf Radler zum Roman im ‚Kindlers Neues Literatur Lexikon‘ (Studienausgabe 1988):

Historischer Roman in zwei Teilen von Heinrich Mann, erschienen 1935 und 1938. – Schon 1925 – anläßlich einer Reise durch Südfrankreich, die ihn auch nach Pau, der Geburtsstadt Heinrichs IV. von Navarra (1553 – 1610; reg. seit 1589), führte – faßte Heinrich Mann den Plan, die Lebensgeschichte des französischen Königs zu schreiben. Ein umfangreiches Quellenstudium ging der Niederschrift des Romans voraus: Memoiren und Briefe von Zeitgenossen, insbesondere die Erinnerungen seines Ministers SULLY, werden verarbeitet, aber auch die populärwissenschaftliche Biographie Heinrichs IV. von Saint-René TAILLANDIER sowie die großen repräsentativen Gesamtvorstellungen der Epoche von Jules MICHELET und Leopold von RANKE zieht Heinrich Mann heran. Erst im Exil, nach mehr als sechsjähriger Arbeit, wird der Roman abgeschlossen.

Für alle diese aufgeführten Bücher, das Kindlers Literaturlexikon, die Memoiren von Sully, die Bücher zu Henri IV. von Taillandier und von Ranke –  ausgenommen ‚La Ligue et Henri IV‚ von Michelet – muss man in die Bibliothek pilgern oder sein Glück im Antiquariat versuchen. (Taillandier war bei Callwey erschienen, ein traditionsreicher Verlag,der inzwischen das ganze historische Programm abgeworfen hat.)

katharina_hogerAll dies hier dient zum Anfeuern, und es gibt soviele verschiedene Ansätze, ein Gespräch zum Roman von Heinrich Mann anzufangen, wie es Leser gibt; es kann alles auch ganz anders weitergehen. Hat beispielsweise einer die Verfilmung angeschaut? Hannelore Hoger, deren Schauspielkunst ich bewundere, ist da die Katharina von Medici. Trotzdem schreckt mich die Vorstellung ab, was im Roman steht, illustriert zu finden. Ich könnte mir allerdings Szenen des Romans als expressionistisches Theater vorstellen, mit Grimmschen Einlagen, und mehr angedeutet oder verfremdet als nachgespielt.

Also, liebe Colloquianer: am Freitag treffen wir uns hier. Wohlan!

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3 Kommentare zu „Henri Quatre Colloquium diesen Freitag“

    1. 68 Seiten (das Kapitel ‚Margot‘ in der Rowohlt Ausgabe), Almathun – wie wär’s bis Freitag? „Das Amulett“ von Conrad Ferdinand Meyer ist auch unbedingt lohnenswerte Lektüre à propos. Die 80 Seiten der großartig geschriebenen Novelle (bei Reclam zu haben) vergehen wie im Nu, und zurück bleibt ein tiefer Einblick in zeitlos Menschliches.

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      1. Das liest sich alles ganz wunderbar und verheißungsvoll, liebe Schröersche, jedoch jedoch bleibt zur Zeit leider nur wenig Zeit fürs Lesen der schönen Literatur. Trotzdem vielen Dank für das Motivationsangebot. Im Juli schaut’s wieder etwas besser aus….

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