Mehr Freud

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Diogenes
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Reclam

Warum Krieg?

Der Reclam Verlag zitiert Freud in seiner Ausgabe auf dem Buchdeckel:

Alles, was die Kulturentwicklung fördert, arbeitet auch gegen den Krieg.

Das Bändchen schließt auch den Text ein: „Zeitgemäßes über Krieg und Tod“, von 1915.

Freud sagt darin:

Warum die Völkerindividuen einander eigentlich geringschätzen, hassen, verabscheuen, und zwar auch in Friedenszeiten, und jede Nation die andere, das ist freilich rätselhaft. Ich weiß es nicht zu sagen. Es ist in diesem Falle gerade so, als ob sich alle sittlichen Erwerbungen der Einzelnen auslöschten, wenn man eine Mehrheit oder gar Millionen Menschen zusammennimmt, und nur die primitivsten, ältesten und rohesten, seelischen Einstellungen übrig blieben. An diesen bedauerlichen Verhältnissen werden vielleicht erst späte Entwicklungen etwas ändern können. Aber etwas mehr Wahrhaftigkeit und Aufrichtigkeit allerseits, in den Beziehungen der Menschen zueinander und zwischen ihnen und den sie Regierenden dürfte auch für diese Umwandlung die Wege ebnen.

Freud und die Antike

Aus dem Inhalt:

  • Thomas Anz: Psychoanalytische Transformationen antiker Emotionstheorien
  • Johannes Endres: Freud und die Komödie der Antike
  • Gail Finney: Familientrauma im zeitgenössischen Film
  • Julia Freytag: Elektra und Ödipus im 20. Jahrhundert
  • Thomas Macho: Freuds Mischwesen: Von der thebanischen Sphinx bis zum Wolfsmann
  • Inge Stephan: Die Antike im psychoanalytischen Alltag
  • Paola Traverso: Antike Traumtheorien in der Traumdeutung
  • Carina Weiß: Antike Gemmen aus der Sammlung Sigmund Freuds

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Une leçon clinique à la Salpêtrière, von [Pierre] André Brouillet, 1887
Liliane Weissberg schreibt Freud in ihrem Beitrag „Wiener Tragödien“ vom Theaterbesucher Freud, von seinen Abenden an den Bühnen von Wien und Paris.

Die Bühne, die ihn bald aber am intensivsten beschäftigen sollte, war das anatomische Theater des Pariser Arztes Jean-Martin Charcot. Eben bei diesem studierte Freud während der Wintermonate 1885-1886; Charcot galt zu dieser Zeit als führender Neurologe und als der bedeutendste Fachmann der Hysterie.

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Berenberg

Diese Stelle im Buch schlug ich ziemlich aufs Geratewohl auf und fand eben jenes Bild, das der  Berenberg Verlag auf dem Einband des im Frühjahr erschienenen Romans von Christine Wunnicke: Der Fuchs und Dr. Shimamura, abbildet; denn die Handlung des Romans trifft sich dort im Saal sozusagen mit Freud. Unsere Vorleserunde hatte die Geschichte sehr gefallen beim Probe-Hineinlesen. Also Freud bei Wunnicke:

Dessen ständigem, ebenfalls hypnotisch gefärbtem Lamento, dass er endlich >das Pappenheimsche Dunkel aufhellen< und die Wissenschaft mit einem Buch bereichern müsse, das diesen Fall zum Ausgangspunkt nehmen und ansonsten vor allem Freuds eigene, von Jahr zu Jahr wilder sprudelnde Gedanken öffentlich aufhellen sollte, hatte Dr. Breuer eines Tages wohl oder übel nachgegeben.

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David Levine NYRB

Und dann gefiel mir noch Der Trafikant* sehr gut, und da begegnet uns Freud in seinem letzten Jahr in Wien.

Wer noch weiter das Leben und Wirken von Freud feiern will, kann in der NYRB die Freud-Kontroverse von 1993 bis 1994 nachlesen (die übrigens auch in Buchform erschienen ist:
The Memory Wars: Freud’s Legacy in Dispute – Hrg. Frederick C. Crews). Dann gibt es noch das witzig-spannende Sherlock Holmes Buch: The Seven-Per-Cent Solution von Nicholas Meyer, das auch großartig verfilmt worden ist. Und damit genug für den heutigen Tag.

*bei Bloglichter gibt es eine gute Besprechung

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3 Kommentare zu „Mehr Freud“

  1. Leider bei mir noch eine große Leselücke, der Herr Freud. Vielleicht sperrt sich mein Unterbewußtes? Allerdings kenne ich das Bändchen mit Frage-Antwort-Brief Einstein-Freud. Den fast schon etwas naiven Ton von Einstein – der aber zugleich eine ganz große, fast schon kindliche Sehnsucht nach Frieden ausdrückt – mochte ich sehr, die Antwort Freuds muss ich mal wieder lesen, ist etwas „sperriger“.

    Gefällt 1 Person

    1. Liebe Birgit,

      ich kann nun nicht behaupten, viel Freud gelesen zu haben, erinnere mich aber daran, dass seine Fallgeschichten jedesmal anregend und zugänglich waren, und erst, wenn er sie fachlich erörtert, mein Verstand erlahmte. Hier noch eine Kostprobe aus ‚Zur Psychopathologie des Alltagslebens‘ (1941), gleich zu Beginn des Kapitels ‚Verlesen und Verschreiben‘ – vielleicht kam er gerade vom Traffikanten:

      „Ich durchblättere im Kaffeehaus eine Nummer der >Leipziger Illustrierten<, die ich schräg vor mir halte, und lese als Überschrift eines sich über die Seite erstreckenden Bildes: Eine Hochzeitsfeier in d e r O d y s s e e. Aufmerksam geworden und verwundert rücke ich mir das Blatt zurecht und korrigiere jetzt: Eine Hochzeitsfeier in d e r O s t s e e. Wie komme ich zu diesem unsinnigen Lesefehler?“

      Schön, wa? (so sagt man am Niederrhein). Ich stelle mir vor, dass eine kommentarlose Zusammenstellung der Vorfälle einen reichen Einblick in Freuds Leben und Zeit gewähren würde, durchaus mit guten Folgen für unser Leben heute, und – wie im Fall Christine Wunnicke – eine Fundgrube an Stoffen für Novellen, Kurzgeschichtenn und Romane, vielleicht auch Gedichte darböte.

      Gruß,
      Margret

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      1. Liebe Margret,
        schöner Gedanke – eine Sammlung seiner Erlebnisse und Anekdoten, die ihn dann vielleicht wiederum zu psychologischen Erkenntnissen brachten…

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