Henri Quatre – Zitate aus ‚Margot‘

marguerite_de_valoys
François Clouet; Marguerite de Valois vers 1572
Chantilly, musée Condé

hqcAnkündigung: „Die Schule des Unglücks“

Das nächste Colloquium zu Die Jugend des Königs Henri Quatre von Heinrich Mann trifft hier zusammen am Freitag, den 19. Juni, wie immer im Kommentarteil. (Einige frühere Kommentare siehe in der rechten Spalte. Jede Beteiligung im Gespräch sehe ich gerne.)

Und nun eine Nachlese aus ‚Margot‘:

Als man sich anschickt, die Hochzeit zu feiern:

Übrigens entging es geübten Zuschauern nicht, daß der Zug, vor der Kathedrale angelangt, sich staute. Genau als wären sie gemeines Volk gewesen, wollten einige der vornehmen Gäste sich vordrängen, um schneller auf das hohe Gerüst und auf die Sitzplätze zu gelangen. Auch Streit brach aus, und die Offiziere der französischen Garde mußten Frieden stiften unter den Großen des Königreichs.

Manchmal erinnert mich die Schilderung der Stände und Gruppierungen an Schillers Wallenstein (besonders in Wallensteins Lager) insofern, als beide Autoren ganz genau hinsehen und zeitloses Verhalten bei Hoch und Niedrig durchschauen, ohne Bitterkeit, eher mit Humor.

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Portrait de Charles IX et d’Elisabeth d’Autriche dans le livre d’heures de Catherine de Médicis
Source : (Paris, BnF)
elisabeth
Madrid, monastère Descalzas

Die spanischen Priester tauchen auf:

[Elisabeth von Österreich] ragte in ihrem goldenen Kleid, starr und unverletzlich wie ein Heiligenbild, unmenschlich auch das Gesicht infolge dicker Schminke. Hinter ihrem breiten Rock machten zwei spanische Priester sich unsichtbar, sie selbst aber sahen alles.

Unheil braut sich oft zusammen, weil es lauter Einmischung gibt. Der Kontrast zwischen der reglosen, statuenhaft aufgestellten Gemahlin von König Karl IX. und dem emsigen Intrigieren und Spionieren, hier der Vertreter der katholischen Kirche, durchzieht die Szenen vor der Bartholomäusnacht.

Plötzlich pfiff es in seiner [Karl der Neunte] Kehle: das war der Schrecken, hinter der Königin waren ihm zwei Paar stechender Augen begegnet — nur so kurz, als wäre es nicht wahr.

und später:

[…]Der Teufel», schrie er plötzlich, denn die beiden spanischen Priester erschreckten ihn nochmals: er hatte sie inzwischen vergessen. Als er aber die schwarzen Erscheinungen und ihre Blicke richtig unterschied, schien ihm vollends unheimlich zu werden. «Weiß schon, was ihr von mir wollt», stammelte er in ihre Richtung, obwohl sie sich sofort wieder unsichtbar gemacht hatten. «Weiß schon. Soll auch pünktlich geschehen. Ihr werdet es gewollt haben. Ich wasche meine Hände.»

katholisch
Procession de la Ligue place de Grève (vers 1590), École française, XVIe siècle.

Im Laufe des Kapitels wird klar, dass Catherine mehr als diese Spione einsetzt, dass der Louvre und überhaupt Paris ziemlich lückenlos überwacht wurde von Spionen, die oft auch Agitatoren waren. Diese doppelte Technik gibt’s also auch schon lange. Die königliche Vollmacht von Karl IX. schildert Heinrich Mann ambivalent: wie sehr ist Karl verantwortlich? Wie sehr ist er zurechnungsfähig? Wer regiert und wer pariert?

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Henri de Lorraine. Henri 1er, 3ème duc de Guise, dit “le Balafré”

Der entwaffnende Henri
Hier treffen sich zwei Liebhaber vor der Tür von Margot, eines der heiteren Szenen im Roman, der an die frühe Szene im Bach erinnert, als das Kind Henri am Ende seinen Rivalen in den Augen des schönen Mädchens doch noch besiegt – im Gelächter.

Wäre er nicht der abgewiesene Freier gewesen, Guise hätte vieles vorausgehabt: die hohe Gestalt, gefährliche Geschmeidigkeit und böse helle Züge, um so erschreckender, je bezaubernder sie sonst gezeigt wurden. Indessen begegnet Navarra dem allem einfach dadurch, daß er es nachahmt. Mit seinen kleineren Maßen wird er dennoch ein großes Raubtier: er kann das. Zugleich aber macht er dasselbe Raubtier lächerlich — ganz nebenbei und doch vor allem. Reckt sich, biegt sich, setzt zum Sprung an und wird sogar hochblond, sollte man meinen, bekommt wehende gelbe Haare am Kinn, so genau ahmt er die feine nordische Aussprache Lothringens nach.

«Ich habe mit Dorfmädchen und mag jetzt nur noch die Prinzessin. Die Prinzessin hat mit Lothringen vorliebgenommen, bis sie Anspruch erhob auf Navarra.»

Noch übertriebener kann Guise selbst nicht reden, und sein großartigstes Auftreten ist von seinem Rivalen vorweggenommen: das setzt ihn außer Gefecht, nicht mitgerechnet das Gelächter der Leute.

Viele der Abbildungen fand ich auf dem reichhaltigen Blog: Les Derniers Valois
Bonne visite !, allerdings.

Und damit genug für heute.

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