Religion und Philosophie

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Die Theologie und Philosophie bei Herder am Adenauerplatz in den Achtzigern, als ich dort arbeitete, war etwas reicher bestückt, zugegeben…

Nietzsche sagt: ‚Gott ist tot.‘
Gott sagt: ‚Nietzsche ist tot.‘

so witzelten wir altklugen Gymnasiasten.

Huub Oosterhuis zitiere ich heute noch gerne: „Weiter sehen, als wir sind“. Das ist so ungefährt meine gültige Antwort auf die Gretchenfrage – und auch auf den Artikel, über dem ich bei meiner wochenendlichen Nachlese der Berliner Zeitung stolperte:

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Berliner Zeitung vom 8. Mai 2015
religion
noch etwas mehr Religion
philosophie
noch etwas mehr Philosophie

„Bah, Humbug!“ wirft mich nicht so schnell aus den Gleisen. Die Frage des Glaubens in der Religion ist eine Frage der Erfahrung zutiefst (persönlich) und eine Form von Kultur und Brauch, von sozialem Geflecht (gesellschaftlich).

Søren Kierkegaard
Der Begriff der Ironie

Gerade bin ich tapfer durch Kierkegaards „Über den Begriff der Ironie*“ gestapft und habe es nicht bereut. Es geht da um Philosophie aber auch um Religion, und wenn mich Kierkegaards strenge Auffassung des Christentums – hier noch im kecken Ton der Jugend präsentiert – mitunter auch befremdet, so ist es doch eine Reise an seiner Seite, die neue Vistas öffnet und ungewohnte Gedanken ausbreitet, kurzum bereichert. Es lohnt immer, sich mit Religion und Philosophie zu befassen, es geht ja schließlich um sein oder nicht sein.

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Mariner Books

Im ersten Teil beschäftigt sich Kierkegaard mit der Ironie des Sokrates, im zweiten Teil zieht Kierkegaard mit Lust und Wonne über die Romantiker her. Das ist eine ganz kurze Zusammenfassung für meine laienhafte unwissenschaftliche Auffassung des Ganzen. Der Student Søren (ich liebe Sonderzeichen!) stand unter dem Einfluß der aktuellen Hegel-Rezeption; und auch alle Themen, die ihn in seinem kurzen Leben beschäftigen würden, tauchen hier schon auf: Entweder – Oder, Furcht und Zittern, usw. Der zweite Teil regt mich an, in ‚The Blue Flower‘ von Penelope Fitzgerald weiterzulesen, wo wie bei Kierkegaard Fichte seinen Cameo-Auftritt hat. (Die Mariner Books Ausgabe ist vorrätig, und ich empfehle sie gerne)

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Nagel & Kimche

Religion und Wissenschaft

Beim letzten Beitrag zur Geistsendung, als ich nach einem Bildmotiv aus den Schätzen in Berlin suchte und auf die Elfenbeinminiatur stieß (aus Byzanz, aus dem 11. Jhdt.), ergab sich wieder so eine wunderbare Querverbindung; denn beim letzten Vorlesen hatten wir einen Roman aus dem 1. Jahrtausend angetestet, und zwar ging es in dem Kapitel über einen Disput zur Rangordnung unter den Wissenschaften. Dieser kleine Ausschnitt führte uns schon von Byzanz und Ravenna bis zum maurischen Spanien und nach Reims (nasales Rähhs, wohlgemerkt), in welcher Stadt sich um 980 AD die Gelehrten Othrich, genannt der sächsische Cicero, und Gerbert vor Kaiser Otto II trafen und wo auch die kluge Theophanu, Ottos Gattin und Kaiserin, lauscht und sich ihre eigenen Gedanken macht. Die brenzlige Frage lautet:“…was ist denn der Ursprung der Philosophie?“ Gerberich antwortet mit Platos Definition vom Ursprung der Welt: Gottes gütiger Wille.

Große Zeiten der Religion und Philosophie im Buchhandel

Im elterlichen Buchhandel am Wallfahrtsort nahm die Religion und Theologie einen wichtigen Part ein und siedelte unter meiner Mutter eher im – wie man es heute vielleicht sagen könnte – linken Eck an (Befreiungs- und sonstige kritische Theologie, sehr zum Ärgerniß der damals mächtig herrschenden Opus Dei Priester), im Gegensatz zur papsttreuen und erbaulichen Auswahl bei den Kollegen am Kapellenplatz.

Bei Regensberg in Münster, wo ich Ende Siebzig die Lehre absolvierte, gab es im Erdgeschoss die große Abteilung Religion und Theologie mit Gisela Fichtel und Walter Siebler (die kurz vor Ende in den allerobersten Stock verlegt worden war, aber immer noch von imposantem Ausmaß in Programm und Pflege – und das parallel zum Herderschen Buchhandel ein paar Straßenzüge weiter). Die Philosophie unter den Auspizen von Herrn Düllo füllte etliche Regale im zweiten Stock.

Als ich Anfang Achtzig bei Herder am Adenauerplatz in der theologisch/philosophischen Abteilung an der Seite von Georg Wacker anfing, da geboten wir über ein ansehnliches Reich und trugen wesentlich zu den Einkünften des Hauses ein. Zu der Zeit hatte auch die Schleicherche eine gut bestückte Uni-Abteilung dieser Disziplinen.

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Nun ja, ich hab hier nun ein doppeltes kleines Dutzend und die Erinnerung und Überzeugung, dass es auch heute lohnend wäre, Guardini zu lesen, und Ernesto Cardenal und Merton, Renan, Karl Rahner und Peter Brown, Jan Assmann und Angelika Neuwirth; und Kierkegaard, Theunissen und Tugendhat, Plato und all die weisen Denker unter den Philosophen.

ozoline
Edition Hagia Sophia
rahner
Herder

Welchen Titel ich Ihnen gerne zu Pfingsten bestellen würde ist:

Erzpriester Nicolas Ozoline; Die orthodoxe Pfingstikone
Edition Hagia Sophia / 18,90 € … aber das Buch erscheint erst nach Pfingsten.

oder: Karl Rahner; Geist in Welt
Herder / 85,00 €, allerdings …
Aber das wäre was!

Und damit: Ein gutes Pfingsten!

*Den Titel haben wir zu Hause noch aus der Reihe Suhrkamp Wissenschaft, aber der Verlag hat inzwischen die Rechte anscheinend aufgegeben. Insgesamt scheint dieses Werk derzeit vergriffen zu sein. O tempora o mores! Ich besorge es aber gerne antiquarisch, wenn Sie es nicht in der Bücherhalle finden.

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