Cristoff bei Berenberg

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Berenberg

ilb_bannerilbEin Roman, ein Essay, Reportagen – ein Besuch in Berlin und ein angekündigter weiterer Roman im Herbst. Das alles beschert uns María Sonia Cristoff, von Peter Kultzen für den Berenberg Verlag – und somit für uns Leser – ins Deutsche übersetzt.

Was die Reise betrifft, ergeht es ihr da wohl so wie ihrer Ich-Erzählerin in Unbehaust?

Kaum war ich angekommen und versuchte, mich auf eigene Faust mit der neuen Umgebung vertraut zu machen, ging eine ganze Wagenladung von Informationen, Terminen, Prospekten und Lächeln auf mich nieder. Und wenn trotz allem doch einmal ein halber Tag unverplant geblieben war – beziehungsweise »frei«, wie es im Zeitplan hieß -, legte man mir umgehend ein ausflugsziel ans Herz, zu dem man mich am folgenden Tag mit inquisitorischer Strenge befragte.

Vom Treiben der Menschen vertrieben sucht die Erzählerin Zuflucht bei den Tieren – den Tieren, die im Zoo eingesperrt sind – und dort fällt sie in Betrachtungen: „Nachforschungen, Verdachtsmomente, Überlegungen zum Alltag der Zootiere und zum Alltag der Städtebewohner“ (Verlagstext)

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Berenberg

Im Roman Unter Einfluß begegnet uns ein ähnlich verstörter Stadtmensch, Tonia, und führt uns mitten in Buenos Aires in komische Situationen, wie wir sie vielleicht mit Woody Allen oder Loriot verbinden, aber eben doch ganz anders.

Auf einmal fand sie die ganze Situation nur noch absurd – was hatte das eigentlich alles mit ihr zu tun? Entweder sie zog den Regenmantel über, klingelte bei Cecilio und verschaffte sich so Gewissheit, oder, was vielleicht noch besser war, sie verschaffte sich jetzt gleich Gewissheit, von hier aus. Sie rief mich auf dem Handy an, ich weiss noch, dass ich sagte, ich würde jetzt auch gern vor dem Fernseher im Sessel sitzen, hier im Restaurant sei mal wieder die Hölle los, und nein, keine Ahnung, ich wisse wirklich nicht, wie viele Polizeireviere es in Buenos Aires gibt.

„Ein ebenso kluger wie komischer Großstadtroman – und ein spöttischer Kommentar zu den Manien des internationalen Kunstbetriebs.“ (Verlagstext)

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Berenberg

Mich interessieren am ehesten die „Reportagen vom Ende der Welt“: Patagonische Gespenster. Auch hier ist die Ausgangssituation wieder eine gewisse Ungemütlichkeit. Wieder zieht sich die Ich-Erzählerin zurück, aber wie aus dem Off, wie ein Aufnahmegerät, fängt sie ein, was um sie ist.

Hier eröffnet Cristoff eine Szene, die uns die nächsten Generationen näher bringt, wobei Alltag und Mythen ineinander übergreifen werden:

In dieser Nacht verlasse ich El Cuy. Mit einem der Autobusse, die einen in dieser Gegend zwingen, mitten in der Nacht aufzustehen, oder auch um vier Uhr morgens in einem verlassenen Dorf auszusteigen, weil sie nun einmal die einzigen sind, die, wenn man Glück hat, hier unterwegs sind. Auf dem Sitz neben mir sitzt eine Frau, die wie ein Mann aussieht; sie sagt, sie sei Missionarin, und stellt mir dann eine Frage. Ich antworte einsilbig und ziehe mich in die Dunkelheit jenseits der Fensterscheibe zurück, indem ich einen Vorhang, der ganz steif von der durch die Ritzen eindringenden Erde ist, zur Seite ziehe.

Ich habe noch nicht In Patagonien von Bruce Chatwin zu diesem Zipfel Argentiniens gelesen (Ü: Anna Kamp), aber musste gleich an den weniger bekannten Chilenen Francisco Coloane denken, der dankenswerterweise durch die Übersetzung von Willi Zurbrüggen beim Unionsverlag dem deutschsprachigen Leser zugänglich wird. Ich empfehle Feuerland ausdrücklich. Coloane schreibt also über Feuerland in einer herben, überwältigenden Prosa. „Wenige Seiten genügen ihm, um unvergessliche Porträts jener Goldsucher, Walfänger, Robbenjäger, verlorener Gauchos, gestrandeter Matrosen, Aufständischer und Desperados zu skizzieren, die auf der Suche nach Glück und Reichtum durch die endlose Weite streifen.“ (Verlagstext)

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Francisco Coloane, beim Unionsverlag
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Berenberg – kommt im September

Leseproben:

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