Impressionisten und Expressionisten

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Bücher zum Thema mit ein paar Souvenirs vom Besuch der Ausstellung
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Impressionismus x Expressionismus

Letzte Woche traf ich mich mit Freunden zur Mittagszeit vor der Alten Nationalgalerie, um die Austellung zum Impressionismus und Expressionismus zu besuchen. Erst hieß es, anstehen, und wir schoben uns im Kollonadenhof inmitten einer friedlichen Schlange gemischten Publikums vorbei am Rasenkarree und omegaförmig um das mosaikbödige Wasserbecken und sodann schnurgerade auf die bronzebewehrte Eingangstür zu, wo wir vor dem Absperriemen vom matten und schicksalsergebenen Ordner noch eine Weile aufgehalten wurden, bevor die Hallen der Kunst wieder genügend Besucher herausgetröpfelt hatten, dass für die nächsten zwei Dutzend Besucher Platz geworden war.

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Alte Nationalgalerie, Berlin Staatliche Museen zu Berlin

Als ich im Landschaften-Saal dem Bild von Monet „Charing Cross Bridge“ gegenübertrat, sah ich erst einmal ein kalkig-fleckiges Rechteck, und es war ein Wunder, wie nach und nach das Motiv hervortrat, Farben, Formen, der Blick in die Tiefe ging und eine Welt sich auftat. Das war nun ein extremes Beispiel, wie es eigentlich jedes Bild hervorruft, wenn ich ihm Zeit zum Betrachten widtme. Es läßt nach und nach alle konzentrierte Kunst, alle Zeit und allen Raum frei und übersetzt, wie ein Fährmann, einen Ausschnitt jener Welt, die der Künstler eingefangen hatte.

Wer in Berlin oder in der Nähe ist: nur nichts wie hin.

Und dann gibt es ja noch die Bücher.

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Auswahl an Kunstkarten

Adriani zu Cézannes Die Badenden:

[Es gelang] Cézanne mit den Badenden, die Versöhnungshoffnung eines verwahrlosten Jahrhunderts zu formulieren, indem er, selbst als Scheiternder, noch einmal der uralten Sehnsucht nach Durchdringung von Realität und Idealität, von Mensch und Natur, überzeugende Sinnbilder schuf.

Bätschmann zu Mallarmé und Manet, anläßlich der ersten Ausstellung der sogenannten Impressionisten, am 15. April 1874 am Boulevard des Capucines.

Der damals noch ganz unbekannte Dichter Stéphane Mallarmé publizierte daraufhin [nach der Wahl von nur zwei der vier von Manet eingereichten Gemälde, Die Eisenbahn und ein Aquarell] einen kritischen Artikel über die Entscheidung der Jury. Er warf ihr hauptsächlich vor, das Publikum an der eigenen Urteilsbildung zu hindern, […]

(Es folgen Erläuterungen zu Maskenball in der Oper und Die Eisenbahn)

Gombrich zu den Impressionisten:

Es dauerte eine Zeit, bis das Publikum lernte, daß man ein paar Schritte
zurücktreten muß, um ein impressionistisches Bild richtig zu sehen und das
Wunder zu erleben, wie das wilde Gewirr von Farbflecken plötzlich Gestalt
annimmt und vor unseren Augen zum Leben erwacht.

Sauerländer über Manet in Argenteuil:

[Er hat] die an der Natur, an der Landschaft entwickelte Technik der Pleinair-Malerei Monets auf die Schilderung der Gesellschaft übertragen, welche während der vacances am Wasser und in den Booten dem förmlichen Komment, dem Glanz wie den Zwängen der Mode in der Metropole zu entkommen sucht.

Schneede zu van Gogh:

Was van Gogh in dieser Zeit [Ender der Achtziger, im Kontakt mit den Pointilisten] von Pissarro, Signac und auch Seurat für sein ganzes weiteres Werk jedoch lernte, waren die Trennung der Farben sowie eine entsprechende Methode: Das Nebeneinandersetzen der Kontraste

und noch einmal zu Sauerländer, wie New York ihn liest:

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NYRB, 23 April 2015

Reading along the NYRB
50 Years New York Review Of Books 50 Years

If the suburban encounter chez Monet was not quite the road to Damascus that Sauerländer imagines, it is the case that Manet’s exposure to Monet at work and his growing sympathy and engagement with the group around him led to even greater freedom in his brushwork and a heightening of his palette.

Colin B. Baily; The Floating Studio / NYRB, Volume LXII, Number 7
… feel free to come in and read the NYRB in sito.

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3 Kommentare zu „Impressionisten und Expressionisten“

  1. Oh, was gibt’s da zu erklären? Ein Atelierbild bezieht sich traditionell auf die Drinnen-Malerei. Die Maler (und Malerinnen, ich denke an Berthe Morisot) des Impressionismus waren aber – auch – Anhänger der Draußen-Malerei, so z. B. Monet, der sein Atelier geradezu nach draußen verlegte. Das war sein Mal-Ort: das Freiluft-Atelier. Indem Manet ihn so malt, beim Malen auf dem Boot, malt er ein Atelierbild – nur dass er den Begriff des Ateliers anders interpretiert als es bis dahin der Fall war. Er braucht der Szene gar nicht den Anschein eines Drinnen (Baldachin) zu verleihen. Selbst wenn er Monets Staffelei in einer Wüste aufgestellt hätte, mit nichts als Monet und Staffelei und Wüste, wäre es ein Atelierbild. Das Atelier ist einfach der Raum, in dem ein Bild entsteht.

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  2. Moritz, vielleicht ist es ja die späte Stunde, aber jetzt habe ich „sinnfällig“ nachgeschlagen, um sicher zu sein, ob ich die Bedeutung verstanden hatte oder das Gegenteil damit verband, weil es auf hinfällig reimt. Und dann habe ich noch „Atelierbild als Genre“ gesucht, wobei ich nach wie vor Ochs vorm Berg bin, was mich kaum überascht. Mein erster Gedanke: Klar, Baldachin überm Boot, also malt er drinnen, also ist’s ein Atelier. Ist es so gemeint oder was denn? Ich will doch gern das sinnfällige Erlebnis teilen.

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  3. Als matt und schicksalsergeben habe ich den Ordner auch wahrgenommen, ich war nämlich auch in der Ausstellung. Später habe ich gemerkt, dass ich einen Raum übersehen hatte, wahrscheinlich weil ich immer, wenn ein Bildererklärer mit seiner kleinen Herde im Anzug war, das Weite suchte. Vielleicht gehe ich noch mal hin, an einem unverdächtigen Tag, zu einer unverdächtigen Zeit.
    Das Buch von Bätschmann über Manet ist jetzt meins …, in das von Sauerländer konnte ich dankenswerterweise schon einen Blick werfen – sehr schön! Mir gefiel sehr gut, dass er das Gemälde des auf dem Boot malenden Monet dem Genre der Atelierbilder zuordnete. Das überrascht im ersten Moment, und im zweiten ist es sinnfällig.

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