Wole Soyinka irrt

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Bericht von Philipp Idel vom Internationalen Literaturfestival, Berlin
Berliner Zeitung vom 17. September 2015, S. 23
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Soyinka und Nigerien

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Oxford University Press

Wole Soyinka
The Lion and The Jewel

Oxford University Press

Erst gestern dachte ich noch darüber nach, wie der historische Aspekt von Soyinkas Gegenwart in Berlin mir einen Schauer sendet. Ich erinnere mich an die Jahre, als Nigerien sich der kolonialen Herrschaft entledigte. Hier war schon vorher die Rede vom Nobelpreisträger Soyinka, siehe Willkommen, Wole Soyinka. Vorrätig hatte ich sein frühes Drama: The Lion and The Jewel

Dies ist eines der bekanntesten Bühnenstücke von Afrikas herausragenden Dramatiker, Wole Soyinka. Es spielt in dem Yoruba-Dorf Ilunjinle. Hauptpersonen sind Sidi (das Juwel), eine ‚Dorfschönheit‘, und Baroka (der Löwe), das listige und mächtige Oberhaupt (‚Bale‘) des Dorfs; Lakunle, der junge Lehrer, beeinflußt von westlicher Lebensart, und Sadiku, die älteste von Barokas Ehefrauen. Wie der Löwe das Juwel erjagd ist der Stoff für diese übermütige Komödie. (Verlagstext, frei übersetzt)

 

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Methuen

Wole Soyinka
Aké

Methuen

Seit ich den Band inzwischen verkauft habe (bestelle ich gerne nach), traf diese Woche der erste Band seiner Autobiographie, seine Kindheitserinnerungen, ein, Aké.

Dieses lebendige, üppige Buch ist Soyinkas Zeugnis seiner Kindheit im kolonialen Nigerien. In reicher und evokativer Prosa, packend, erzählt er die Geschichten seiner Schulzeit und seiner Erlebnisse, manchmal an Ängste erinnernd und an Gefahren, aber immer gewahr für die  Überraschungen, die Kindheit bereithält. Seine Tage waren gefüllt mit Entdeckungen, Aufregung, der Nähe der Geister und den indigenen Ritualen seiner bunten Familie […]. Aké endet, als Soyinka sich mit mit elf Jahren anschickt, in ein Internat einzutreten und damit in eine neue Welt von Verantwortung und geweitetem Horizont, womit seine besondere Kindheit endet. (Verlagstext, frei übersetzt)

Zu Soyinkas Meinung zu Boku Haram und anderen Gruppen, die gravierende Verbrechen gegen die Menschlichkeit verüben

Soyinkas Bücher habe ich noch nicht gelesen, und sein Name ist in seiner Größe vage geblieben über die Jahre. Um so tiefer trifft mich der Bericht seiner Rede, (siehe Zeitungsausschnitt oben), wenn nicht ein Missverständnis vorliegt, was ich mir bei der Berliner Zeitung nicht gut vorstellen kann. Wenn es aber so ist, dass Soyinka die mordenden Rotten von Boku Haram entmenschlicht und ihre militärische Vernichtung beschwört, dann finde ich das furchtbar und traurig. Es ist ein tragischer Fehler im Urteil.

(Der „frenetische Applaus“ der literaturfreundlichen Zuhörer ist noch einmal ein anderes Thema, und ich frage mich, ob Philipp Idel hier absichtlich an Glaspalast-Atmosphäre erinnert; jedenfalls tröstete mich der Ton seines Berichts, in dem ich ähnliches Entsetzen und Fassungslosigkeit herauslas).

Hannah Ahrendt zur Tyrannei, Gewalttätigkeit und Macht

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University of Chicago Press

Hannah Arendt
Vita activa oder Vom tätigen Leben

Piper

Wie gehen wir um, als Person und als Staat, wenn wir Opfer oder Zeugen gewalttätiger Menschenmassen werden? Die deutsche Ausgabe liegt mir nicht vor, weswegen ich im Original zitiere: als Gegenentwurf zur Entmenschlichung-als-Antwort,  den gesamten Abschnitt in V, Kapitel 28:

Violence, curiously enough, can destroy power more easily than it can destroy strength, and while a tyranny is always characterized by the impotence of its subjects, who have lost their human capacity to act and speak together, it is not necessarily characterized by weakness and sterility; on the contrary, the crafts and arts may flourish under these conditions if the ruler is „benevolent“ enough to leave his subjects alone in their isolation. Strength, on the other hand, nature’s gift to the individual which cannot be shared with others, can cope with violence more successfully than with power—either heroically, by consenting to fight and die, or stoically, by accepting suffering and challenging all affliction through self-sufficiency and withdrawal from the world; in either case, the integrity of the individual and his strength remain intact. Strength can actually be ruined only by power and is therefore always in danger from the combined force of the many. Power corrupts indeed when the weak band together in order to ruin the strong, but not before. The will to power, as the modem age from Hobbes to Nietzsche understood it in glorification or denunciation, far from being a characteristic of the strong, is, like envy and greed, among the vices of the weak, and possibly even their most dangerous one.

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