Christoph Strecker; Justiz von unten

judikative
von Loeper

Eine der drei Säulen

In der Gewaltenteilung ist die Judikative enthalten, die Gerichtsbarkeit. Unsere Gesellschaft steht auf solchen Säulen, und daher ist es wesentlich, sich hin und wieder ihre Aufgabe klar zu machen und darüber nachzudenken. Gut, dass Christian Bommarius in der Berliner Zeitung unermüdlich und klug daran erinnert und jetzt aus einen mir bislang obskuren Verlag, von Loeper Literaturverlag, Christoph Streckers Buch Justiz von unten ans Herz gelegt hat:

[Strecker] beschreibt ein System von Hierachie und Karriere, in dem erhöhte Anpassungsbereitschaft Voraussetzung ist für verbesserte Beförderungschancen und die Effizienz der Fallerledigung sich eher in der guten Benotung durch den vorsitzenden Richter niederschlägt als ein offener und einfühlsamer Umgang mit Prozessparteien.

Aber was mich so richtig auf die Seite des Buches brachte ist die Erwähnung meines Lieblingspropheten:

dass Strecker ein Wort des Propheten Amos zur Maxime seines Berufslebens erklärt: „Das Recht ströme wie Wasser, die Gerechtigkeit wie ein nie versiegender Bach.“ [*]

*  PS: übrigens wunderbar zitiert von Frank Gatliff (als Jason Rafiel) in Agatha Christies  Miss Marple (Joan Hickson) Episode Nemesis:

„Let justice roll down like waters, and righteousness like an everlasting stream.“

***

Wie soll ein Richter sein?

Strecker bringt verschiedene Ansätze, abgesehen vom juristischen, das Rechtswesen kritisch zu betrachten: die Geschichte, Psychoanalyse, Politik, Philosophie, was das Buch zu einer anregenden Lektüre werden lässt, weil es eben nicht fachspezifisch sondern auf die Gesellschaft hin und die einzelne Person in ihrem Recht geschrieben ist. Die Kapitelüberschriften deuten diese Offenheit im Denken an:

  1. Richten und Schlichten
  2. Das Universum im Wassertropfen: Die großen Konflikte der Welt im kleinen Rechtsfall
  3. Hierarchie und Karriere
  4. Unabhängigkeit
  5. Verantwortung
  6. Orientierung (… Überlegungen zur richterlchen Ethik)
  7. Gegen die Vereinzelnung
kaleck
Wagenbach

siehe auch zum Themenkreis, übertragen auf das Internationale Recht:

Wolfgang Kaleck
Mit zweierlei Maß
Wagenbach

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2 Kommentare zu „Christoph Strecker; Justiz von unten“

  1. Wie wohl der Dickens diese Sichtweise aufs Papier gebracht hätte? In Bleak House konnte er sich ja gar nicht mehr einhalten, so verärgert war er mit der englischen Justiz und ihren Verzögerungstaktiken. Aber warum lautet der Titel „Justiz von unten“? Reformen oder Revolutionen von oben und unten kennt man ja, nun auch die Justiz? Doch wie?

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    1. zu Hause haben wir einen alten Kalender auf der Seite aufgeschlagen an der Wand hängen, da prangt auf dem historischen Deckblatt der Verfassung der Vereinigten Staaten von Amerika (We the people…) ein fetter roter Stempel: „VOID where prohibited by LAW“ (Nichtig, wo bei Gesetz verboten) [http://www.loc.gov/pictures/item/yan1996001351/PP/]. Von unten bedeutet also, dass die Justiz denen gerecht werden sollen, die des Schutzes bedürfen, nicht irgendwelchen privaten Gelüsten der Zunft oder Meta-Bedeutungen.

      Ja, Almathun, Bleak House ist ein großer Roman, den ich sehr gerne gelesen habe und wirklich einmal wiederlesen sollte! Ob England, die USA, bei uns oder anderswo – Gerichtsbarkeit begibt sich mitunter auf skurrile Abwege.

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