Vom Vorlesen am Montag

Vorlesen am Montag

Vorlesen im November

Das Programm für den November, mit seinen fünf Montagen, steht. Die Faltbroschüre zum doppelseitigen Ausdruck gibt es hier als PDF.

Ein neues Modell für den dritten Montag

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Der Vorlesewinkel im Laden

Für „Das dritte Kapitel“ hatten wir bisher immer aus Büchern im Ladenprogramm gelesen, vorsichtig. Das ist mir auf Dauer nun doch etwas zu heikel. Man muss immer daran denken und erinnern, dass die Bücher ja im verkaufsmäßigen Zustand bleiben sollen. Deswegen werde ich jetzt aus dem privaten Bücherschrank zugreifen, was den Vorteil hat, vergessene Schätze ans Licht zu heben – ja, lieber K.*, vermutlich passiert es nun noch öfter, dass der Titel vergriffen ist und nicht den marktwirtschaftlichen Zweck dieses Unternehmens zugute kommt, aber vielleicht liest ja der ein oder andere Verleger mit und fasst sich ein Herz und legt’s wieder auf.

* K. steht für Kunde – hier, siehe unter Indonesien und Joseph Conrad

Vom Manesse Verlag

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Manesse, aus privatem Bücherschrank

Am 16. November entdecken wir also italienische Novellen, erschienen im Manesse Verlag, zu der Zeit, als der noch klein, fein und unabhängig war. Inzwischen gehört er dem mächtigen Random House, das auch einmal klein, fein und unabhängig angefangen hat, jetzt aber Bertelsmann gehört, der auch einmal klein, fein und unabhängig angefangen hatte (Gütersloher Verlagshaus Mohn). Man muss Random zugute halten, dass es die Qualität in Form und Auswahl bei Manesse bewahrt hat. Unser gewählter Titel ist vergriffen, aber unter Italien führt der Verlag immerhin über zehn Ausgaben, von Vasari zu Camillo Boito bis Goffredo Parisec in ‚Italienische Erzähler‘, Band 2.

Durch mit der longlist

longlist15Am letzten Montag lasen wir die letzten vier Proben der longlist. Arbeit und Anderes kommen immer dazwischen, sonst würde ich öfter mal resümieren.

Frank Witzel / „Die Erfindung [&cetera]“

Wie kam beispielsweise der diesjährige Preisträger an? Bevor wir in der Runde mit dem Vorlesen anfingen, hatten einige von uns schon das ganze longlist-Bändchen durchgelesen und wußten, was auf uns zukam. Es brachte den Vorteil, uns vor Augen zu führen, wie leises privates Lesen und gesprochenes Lesen in offener Runde ganz verschiedene Qualitäten bergen. Deswegen freuen sich die Compagnons der Leserunde über diese zusätzliche Erfahrung. Es ist so wie mit dem gemeinsamen Singen in der Kirche, wo man das sonst im Leben nicht mehr hat. Im besonderen Fall Witzel (Verlag Matthes & Seitz) fiel der Text an mich, und es bangte mich darob und ich stürzte mich koppheister hinein und las tapfer durch bis zum Ende. Wir fragen uns nun, ob für die Leseprobe aus dem umfangreichen Roman die extremste Stelle ausgewählt worden ist, oder ob solche Beschreibungen von Gewalt und brutaler sexueller Szenen große Teile des Werks bestimmen. Zum Roman des diesjährigen Bookerpreisträgers, Marlon James, schreibt beispielsweise The Guardian:

an epic, uncompromising novel not for the faint of heart. It brims with shocking gang violence, swearing, graphic sex, drug crime but also, said the judges, a lot of laughs.

also etwa: „ein großartiger [oder, wer’s lieber hat: ‚epischer‘], kompromissloser Roman, nichts für schwache Nerven. Er ist angefüllt mit schockierender Bandenbrutalität, Flüchen, drastischen Sexszenen, Drogenkriminalität, sagte die Jury, birgt aber auch jede Menge Gelächter“.

Ick weeß nich … Aber wir kamen schon darin überein, dass Witzels Sprache zweifellos gewaltig, im Sinne von gut durchkomponiert und stimmig in Rhytmus und Entwicklung ist. Ich hab noch nicht weiter verfolgt, inwiefern der Roman über das Psychogramm eines Aufwachsenden ein glaubwürdiges Bild der Epoche erschafft. Das wäre es dann wert für mich.

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2 Kommentare zu „Vom Vorlesen am Montag“

  1. Oijoijoi, almathun! Whoah! Lässt Du da die Zügel fahren? Ich mag Wälzer (Middlemarch) und über den magischen Begriff ‚episch‘ sollten wir ein bischen diskutieren. Der stört mich eher in – was ich meine – seiner inlationären Verwendung. Alles an seinem Platz. Dein Kurzgeschichten-Programm ist auch anregend. Was macht die Kurzgeschichte aus, wann ist’s eine Erzählung, wann eine Novelle? Hatten wir alles im Deutschkurs. Lange her. Aber ich will’s mir mal wieder klar machen. Gruß!

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  2. Das Episch-großartige als Gegenpol zum Kleinen, Feinen und Unabhängigen. Die Tendenz geht wieder ins Epische, oder? Nach dem „Ende der Erzählungen“ und dem Aufkommen der Mikrogeschichten, den Sprachspielen nun das alttestamentarische Epos in neuem Gewande. Knausgard ist ja auch so ein Epiker, wie man so hört, allerdings dann der Nabelschau. Der männliche Wunsch nach mehr Länge, Dicke, Größe? Alles das, was den Klassiker in einigen Kreisen ja ausmacht.

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