Eichendorff bei Kröner

titelillustration
Titelvignette der Kröner-Ausgabe „Werkstatt des Gerard van Honthorst: Geiger bei Kerzenlicht, um 1620/30

Darum bin ich dir gewogen,
Darum wird dein Haupt geschmückt,
Weil der Strich von deinem Bogen
Öfters hat mein Herz entzückt.

Das wird „sehr neckisch“ von der jungen Dame gesungen, teilt der Ich-Erzähler mit, „während sie mir den Kranz in den Haaren festrückte und ihr Gesichtchen dabei dicht vor mir war“ – o friedliche Männerphantasien. Der Kröner Verlag wählte (für diese wunderbare illustrierte Leinenausgabe aus der Reihe Erlesenes Lesen) vielleicht das Titelbild, um den starken Zusammenhalt von Erzählung und Musik auszudrücken. Mit dem übermütigen Getose der Wassermühle, mit Vogelsang und Tau-Getröpfel hebt alles an:

indie_16
Tag der kleinen, feinen und unabhängigen Verlage

Das Rad an meines Vaters Mühle brauste und rauschte schon wieder recht lustig, der Schnee tröpfelte emsig vom Dache, die Sperlinge zwitscherten und tummelten sich dazwischen; ich saß auf der Türschwelle und wischte mir den Schlaf aus den Augen; mir war so recht wohl in dem warmen Sonnenscheine.

So beginnt diese berühmte Novelle, die mancher unter uns vielleicht als zerfledertes Hamburger Leseheft oder Reclam-Band noch aus Schulzeiten herübergerettet hat. Mir wurde der Text als Lektüre nicht verleidet, und besonders haben es mir auch die eingestreuten Gedichte angetan – ganz abgesehen vom Ideal des freien Flaneurs und Träumers.

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Illustration von Richard Ernst Kepler (1888)
„Ich aber saß wie eine Rohrdommel im Schilfe eines einsamen Weihers im Garten und schaukelte mich auf dem Kahne, der dort angebunden war, während die Vesperglocken aus der Stadt über den Garten herüberschallten und die Schwäne auf dem Wasser langsam neben mir hin und her zogen. Mir war zum Sterben bange. -“ (S. 17)

Schweigt der Menschen laute Lust:
Rauscht die Erde wie in Träumen
Wunderbar mit allen Bäumen,
Was dem Herzen kaum bewußt,
Alte Zeiten, linde Trauer,
Und es schweifen leise Schauer
Wetterleuchtend durch die Brust.

Ja, das steht im Taugenichts (S. 57), und auch dieses:

Nach Süden nun sich lenken
Die Vöglein allzumal,
Viel Wandrer lustig schwenken
Die Hüt‘ im Morgenstrahl.
Das sind die Herrn Studenten,
Zum Tor hinaus es geht,
Auf ihren Instrumenten
Sie blasen zum Valet:
Ade in die Läng‘ und Breite,
O Prag, wir ziehn in die Weite:
Et habeat bonam pacem,
Qui sedet post fornacem!

Nachts wir durchs Städtlein schweifen,
Die Fenster schimmern weit,
Am Fenster drehn und schleifen
Viel schön geputzte Leut‘.
Wir blasen vor den Thüren
Und haben Durst genung,
Das kommt vom Musizieren,
Herr Wirt, ein’n frischen Trunk!
Und siehe, über ein kleines
mit einer Kanne Weines
Venit ex sua domo
Beatus ille homo!

Nun weht schon durch die Wälder
Der kalte Boreas,
Wir streichen durch die Felder,
Von Schnee und Regen naß,
Der Mantel fliegt im Winde,
Zerrissen sind die Schuh,
Da blasen wir geschwinde
Und singen noch dazu:
Beatus ille homo
Qui sedet in sua domo
Et sedet post fornacem
Et habet bonam pacem!

siehe auch: Wie sichs kein Autor hat gedacht

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