Don Quijote reitet wieder

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Gustave Doré: Miguel de Cervantes : Don Quichotte, 1863, 377 ill. / zitiert aus dem Graphic Arts Blog, Princeton University

Don Quijote Lesemarathon in der Schröerschen Buchhandlung, Berlin, am 23. April

Die UNESCO hat den 23. April, der auch der Sankt Georgs Tag ist, zum Welttag des Buches und Urheberrechts erklärt, und er fällt auf den Jahrestag, an dem Miguel de Cervantes starb, 1616. Der eine ritt gegen Drachen, der andere gegen Windmühlen, und es sind zwei treffliche Weggefährten für jeden Bücherfreund.

Die Schröersche Buchhandlung wird an diesem Welttag des Buches, der auf einen Samstag fällt, ein Don Quijote-Lesemarathon in, und bei Sonnenschein vor, der Buchhandlung abhalten, von 10:00 Uhr bis 15:00 Uhr. Ein jeder, groß und klein, ist eingeladen und möge seinen „Don Quichote“ aus dem Regal zu Hause hervorkramen und mitbringen. Ob leise oder laut gelesen wird, soll sich zeigen.

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Zitate, in Übersetzung -Anfang zweites Buch

Text im spanischen Original, hier: veröffentlicht bei Editorial Juventud, Barcelona – vorliegende Ausgabe von 1971.

Capítulo primero

De lo que el cura y el barbero pasaron con don Quijote cerca de su enfermedad

Cuenta CideI Hamete Benengeli en la segunda parte desta historia y tercera salida de don Quijote que el cura y el barbero se estuvieron casi un mes sin verle, por no renovarle y traerle a la memoria las cosas pasadas, pero no por esto dejaron de visitar a su sobrina y a su ama, encargándolas tuviesen cuenta con regalarle, dándole a comer cosas confortativas y apropiadas para el corazón y el celebro, de donde procedía, según buen discurso, toda su mala ventura.

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Editorial Juventud / Penguin

Translated by John Rutherford (Penguin Classics 2000, hier: reprint 2003)

CHAPTER 1

About the discussion that the priest and the barber had with Don Quixote concerning his illness

Cide Hamete Benengeli recounts in the second part of his history, which concerns Don Quixote’s third sally, that the priest and the barber went almost a month without seeing him, so as not to revive past events and bring them back into his memory. But this didn’t prevent them from visiting his niece and his housekeeper, and telling them to make sure to pamper him and give him nutritious food to strengthen his heart and his brain, from where it was reasonable to assume that all his misfortunes sprang.

Translated by John Ormsby (1885)  (online-literature.com)

Chapter I
OF THE INTERVIEW THE CURATE AND THE BARBER HAD WITH DON QUIXOTE ABOUT HIS MALADY
Cide Hamete Benengeli, in the Second Part of this history, and third sally of Don Quixote, says that the curate and the barber remained nearly a month without seeing him, lest they should recall or bring back to his recollection what had taken place. They did not, however, omit to visit his niece and housekeeper, and charge them to be careful to treat him with attention, and give him comforting things to eat, and such as were good for the heart and the brain, whence, it was plain to see, all his misfortune proceeded.

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Und hier aus den Büchern, die hier in der Buchhandlung zu kaufen vorrätig sind:

Erich Kästner (Atrium, 1956)

Wasserburg und Wellenbad

Einige Zeit ging alles gut. Don Quichotte blieb zu Hause, ließ sich mästen, schlief viel und kam langsam wieder zu Kräften. Sancho Pansa besuchte ihn täglich. Sie steckten die Köpfe zusammen, tuschelten miteinander, zwinkerten sich zu – und eines schönen Tages […]

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source: archive.org

Judge Parry (Blackie & Son and Sherratt & Hughes, London and Manchester 1900)

Now, if I were to tell you that Don Quixote got quite well and lived quietly at home after all these adventures, and never went abroad again, I should tell you, what is not true. For some day, and I hope at no great distance of time, you may read what the great Cervantes has written, not only of the adventures of which I have told you the story, but of the second part of Don Quixote’s adventures, some of which are even more wonderful than the first.

etwa: Würde ich Dir nun erzählen, dass es Don Quijote wieder richtig gut ging, und dass er nach all diesen Abenteuern ruhig daheim lebte und niemals mehr nach Übersee reiste, dann müßte ich Dir sagen, was nicht wahr ist; denn eines Tages, und dieser Tag ist hoffentlich nicht weit, wirst Du lesen, was der große Cervantes geschrieben hat, nicht nur die Abenteuer, von denen ich Dir die Geschichte erzählt habe, sondern auch den zweiten Teil der Abenteuer, von denen einige sogar noch wundervoller sind, als die ersten.

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In der Buchhandlung vorrätig – andere Ausgaben bestelle ich gerne.

Übersetzung von Ludwig Braunfels (Deutsche Hand- und Hausbibliothek, Stuttgart 1883)

ERSTES KAPITEL

Wie sich der Pfarrer und der Barbier mit Don Quijote über dessen geistige Krankheit besprachen

Es erzählt Sidi Hamét Benengelí im zweiten Teil dieser Geschichte, welcher die dritte Ausfahrt Don Quijotes enthält, daß der Pfarrer und der Barbier beinah einen Monat hingehen ließen, ohne ihn zu sehen, weil sie es vermeiden wollten, ihm die früheren Vorgänge aufzufrischen und ins Gedächtnis zurückzubringen. Allein sie unterließen darum nicht, seine Nichte und seine Haushälterin zu besuchen, und empfahlen diesen, auf seine sorgfältige Pflege wohl bedacht zu sein und ihm alles zu essen zu geben, was für Herz und Kopf stärkend und zuträglich sei, da aus diesen beiden, gründlicher Erwägung nach, sein ganzes Unglück gekommen.

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Picasso – Titel-Illustration der 1916 erschienenen Ausgabe bei dtv in der Neu-Übersetzung von Susanne Lange

DAS ERSTE kAPITEL

Wie der Pfarrer und der Barbier mit Don Quijote über dessen Krankheit disputierten

Cide Hamet Benengeli erzählt im zweiten Teil dieser Geschichte, Don Quijotes dritter Fahrt, dass ihn Pfarrer und Barbier fast einen ganzen Monat lang nicht aufsuchten, da sie ihm das Vergangene nicht aufrühren und wieder ins Gedächtnis rufen wollten, doch hielten sie sich an Nichte und Haushälterin und trugen ihnen auf, ihn liebevoll zu pflegen und mit stärkender Speise zu versorgen, die sei gut für Herz und Hirn, wo sich, wie man vernünftig schließen könne, die Quelle all seinen Unheils befinde.

Guillermo Aparicio schreibt an Cervantes (aus: „Windmühlen sind keine Giganten„, Kröner 2015)

Sehr geehrter Don Miguel,

nicht älter als sechs oder sieben dürfte ich gewesen sein, als ich Ihr Buch zum ersten Mal las. Ja, ich weiß, verehrter Don Miguel, der Don Quijote ist nicht Ihr einziges Buch. Und trotzdem hoffe ich, Sie nicht zu verletzen, ja nicht einmal zu verärgern, wenn ich von »Ihrem Buch« spreche, wenn ich den Don Quijote meine, als wäre dieser Roman Ihr einziges Buch, obwohl ich weiß, dass jedes einzelne Ihrer Bücher genügt hätte, den Ruhm eines großen Autors zu begründen.

Donald P. McCrory schreibt in seinem Buch No Ordinary Man:

After finishing Don Quixote, Part Two in February [1615] he then had to set about the process that both Curch and state required for publication of texts. The official authorization, granted by Márquez Torres, who was in the employ of Bernardo de Sandoval y Rojas, the Archbishop of Toledo, has become famous, for it demonstrates undiluted official support for a work of fiction which, so Torres claimed, entertains and yet is morally edifying.

Also wurde der zweite Teil von Don Quijote von Erzbischofs Gnaden 1615 zur Veröffentlichung freigegeben, ein berühmter Fall, wie McCrory anmerkt; denn damit wurde einem Werk der freien Vorstellung ungeschmälerte öffentliche Unterstützung zuteil, das – wie des Erzbischofs rechte Hand, Torres, befand – unterhält und doch auch moralisch erbaut.

Amen to that.

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Mehr zum Thema

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Berliner Zeitung vom 14. iv. 2016 / Interview mit Susanne Lange zu ihrer Neuübersetzung, erschienen bei Hanser

in The Guardian:

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Miguel de Cervanmtes, by David Levine / in der New York Review of Books

in The New York Review of Books

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