Am 1. Mai mit Heinrich Heine in Hamburg

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Heinrich Heine; Die Harzreise
Oxford German Classics, 1890
aus privatem Bücherschrank

heine_oxfordAn diesem schönen Maientag las ich Die Harzreise zu Ende, die ich beim Ausflug zum Heine-Denkmal begonnen hatte. Die Harzreise ist vollständig bei Kröner erschienen und zum Kauf vorrätig; diese Ausgabe in Fraktur gedruckt von zu Hause ist leicht gekürzt von C. A. Buchheim (1828-1900). Aus seinen reichen Fußnoten werde ich – frei übersetzt – zur Passage zitieren, die ich für diesn Tag ausgewählt habe, um dem geneigten Gast dieses Blogs Lust zu machen, Heine selbst (wieder mal) zu lesen.

In der biographischen Skizze des Herausgebers steht, wie Heine »1824 wieder sein Jurasstudium in Göttingen aufgenommen hatte und im Herbst des selben Jahres eine Reise in den Harz unternahm, die er so glänzend in ‚Die Harzreise‘ beschrieb. …. Seines Onkels ehrgeiziges Begehren, ihn ins Amt des Rechtsanwalts in Hamburg einzuführen, wurde vereitelt durch Heines ausdrückliche Vorliebe für literarische Ambitionen,  die umso deutlicher hervortraten, nachdem der erste Band seiner Reisebilder erschienen war (1826), die neben der ‚Harzreise‘ auch die Gedichte ‚Die Heimkehr‘ (1823 – 1824), zusammen mit der […] Sammlung Nordseebilder enthielten. Heine hatte nun seine wahre Berufung erkannt; und als er den zweiten Band der Reisebilder herausbrachte (1827), war er in Deutschland der bekannteste Autor vom Tage.«

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alte Ausgabe aus privatem Bücherschrank
mit Nachwort von Walter Killy, 1961
Lieferbare Ausgabe, Mit dem Werkbeitrag aus Kindlers Literatur Lexikon und mit Daten zu Leben und Werk, exklusiv verfasst von der Redaktion der Zeitschrift für Literatur TEXT + KRITIK (2008) bei S. Fischer

Es ist heute der erste Mai. Wie ein Meer des Lebens ergießt sich der Frühling über die Erde, der weiße Blütenschaum bleibt an den Bäumen hängen, ein weiter, warmer Nebelglanz verbreitet sich überall. In der Stadt blitzen freudig die Fensterscheiben der Häuser, an den Dächern bauen die Spatzen wieder ihre Nestchen, auf der Straße wandeln die Leute und wundern sich, daß die Luft so angreifend und ihnen selbst so wunderlich zu Mute ist; die bunten Vierlanderinnen bringen Veilchensträuße; die Waisenkinder, mit ihren blauen Jäckchen und ihren lieben, unehelichen Gesichtchen, ziehen über den Jungfernstieg und freuen sich, als sollten sie heute einen Vater wiederfinden; der Bettler an der Brücke schaut so vergnügt, als hätte er das große Los gewonnen, sogar den schwarzen, noch ungehenkten Makler, der dort mit seinem spitzbübischen Manufakturwaren-Gesicht einherläuft, bescheint die Sonne mit ihren tolerantesten Strahlen, — ich will hinauswandern vor das Tor.

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Rathausmarktplatz, Hamburg / Bronze-Skulptur von Waldemar Otto (1882)  / Photo: Bernd Groten / Quelle: denkmalplatz.de

Aus den Anmerkungen von C. A. Buchheim, Phil.Doc.,F.C.P. am King’s College, London

Die Vierlanderinnen – Der Name Vierlande beschreibt einen kleinen Distrikt nahe Hamburg, bestehend aus vier kleinen Orten, deren Bäuerinnen, die ziemlich bunte Tracht trugen, die hauptsächlichen Obst-und Blumenhändlerinnen der Stadt waren.

Der Jungfernstieg – die schickeste Promenade von Hamburg

Der 1. Mai – war gewöhnlich ein besonderer Festtag für Findlinge oder Waisenkinder in Hamburg. Sie zogen in Prozession durch die Stadt und erhielten von den wohltätigen Bürgern Hamburgs kleine Geldgeschenke. Alle Schulen waren geschlossen, und die ganze Stadt nahm an den Festlichkeiten teil, die als Waisengrün bekannt waren.

vgl. Heines drolliges Gedicht, Erinnerung an Hammonia, in: Letzte Gedichte

der Bettler an der Brücke – dies ist eine Anspielung Heines auf den alten Bettler, der zu seiner Zeit üblicherweise an der Lombardsbrücke stand – die Hauptbrücke Hamburgs – und eine dere bekanntesten Figuren der Stadt war.

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