Von der weißen Ladenfahne

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Fahne, im Mai 2016

K.* hat sich gelegentlich über die ausgehängte Ladenfahne gewundert, die nichts als Nichts aufwies: soll das stehen für Kapitulation? Ist es eine Friedensfahne?

*K. steht für Kunde – Geschichten von K.

Ich mochte diese fünf Jahre des sanften Verstörens und visuellen Stolperns. Es ist immer gut, wenn man sich wundert und fragt. Aber über die Pfingstfeiertage hatte ich die Muße, endlich etwas draufzupinseln.

Nun deutet die Fahne auch dezent auf einen Schwerpunkt im Programm hin: Ja, es gibt englische Bücher vor Ort.

Viele englischsprachige Titel lassen sich heuer so schnell beschaffen wie die deutschsprachigen, aber oft genug sind „Besorgungstitel“ darunter. Die brauchen dann schon mal mehrere Monate, bis sie eintreffen, obwohl sie in der Regel in drei, vier Wochen kommen. In den Regalen steht schon allerhand zum Entdecken und Kaufen, und darüberhinaus sehe ich gerne, was sich machen läßt.

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Im Hintergrund die Langenscheidtbrücke
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Bücherbote Schröersche Buchhandlung

Der munter ausschreitende Herr im Zylinder ist mein Großvater Heinrich Schröer, der in jungen Jahren nach abgeschlossener Buchhändlerlehre in Wien am Niederrhein mit der Kiepe seine Runde machte und Bücher unter das Volk trug. Er konnte immer gut mit Kindern, hatte selbst eine große Familie. Also lädt die Ladenfahne Groß und Klein ein, hier zu schauen und zu kaufen.

PS: Heinrich Schröer hat sich auch als Publizist betätigt: siehe "Stimmen aus Kevelaer". Eine vergessene katholische Monatsschrift (1913 - 1916). Von Peter Lingens, in Epitaph für Stefan Frankewitz, Geldrisches Archiv 16, 2015 [978-3-944146-89-8 / 30,00 €] - im Laden vorrätig.
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6 Kommentare zu „Von der weißen Ladenfahne“

  1. Oh, sehr schön! Morgen nachmittag komme ich mal vorbeigeradelt und sehe mir die Fahne aus der Nähe an. (An ein Wiedersehen bzw. erstmaliges Kennenlernen nach dem Tod [aber auch schon zu Lebzeiten, im Traum] glaube ich selbstverständlich auch. Ob das eine kindliche Vorstellung ist – mir egal.)

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    1. Ja, und mein Großvater Heinrich ist mit ein Grund, weswegen ich an der kindlichen Vorstellung festhalte, daß wir uns irgendwann im Schoß Abrahams begegnen werden. Das kann’s einfach nicht gewesen sein, dass ich diesen liebenswerten Menschen um ein paar Jahre verpasst haben soll.
      Hier gibt’s noch ein wunderbares Foto, wie aus einem Dickens Roman – oder Fontane [https://buchmerkur.wordpress.com/2015/04/26/buchhandler-heinrich-schroer/#more-1583].

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      1. An Dickens musste ich schon bei der Zeichnung denken …
        Ich hoffe sehr, dass dein Wunsch in Erfüllung geht und Du ihn irgendwann irgendwo triffst – ihr hättet bestimmt viel Gesprächsstoff über Bücher und das Leben.

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      2. Finde ich nicht paradox … sondern eine himmlische Vorstellung: Einfach Freude, ohne wenn und aber. Toleranz statt Bitterkeit und Neid. Da das auf Erden nicht möglich scheint – hofft man (ich) halt auf den Himmel.

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