Fröhlicher Dienst

henri
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Vollendung des Königs / IV Fröhlicher Dienst Freitag, 27. Mai 2016

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S. Fischer

Spät! Das Henri Quatre Colloquium war für Ende April geplant gewesen, und jetzt rufe ich die nächste Runde auf diesen Freitag zusammen. Die Lektüre ist inzwischen auf den Abschnitt „Fröhlicher Dienst“ vorangeschritten.  •    Henri hat das Königsamt übertragen bekommen, den katholischen Glauben (wieder einmal) angenommen und ist endlich in Paris eingetroffen. Alles erweist sich aber nicht so offensichtlich als Regentschaft. Die lange währenden Religionskriege haben Land und soziale Geflechte verheert.  •   Zum Auftakt hier ein Auszug aus einem Beitrag von Heinrich Mann für ›Internationale Literatur‹, Moskau (Juni 1939), zitiert aus dem Materialien-Anhang der S. Fischer Studienausgabe (siehe Bild):

Das Verhältnis des Königs Henri zu seinem Volke lehrt, wie ungewiß unser Sinnen und Trachten ist; einige Gewähr bekommt es nur durch unsere Redlichkeit und Festigkeit. Die unbeirrte Zuversicht, für sehr viele einzustehen, wäre das beste; aber gerade in diesem Betracht bleiben Zweifel nicht aus. Der Zweifel ist eigentlich der stetige Begleiter der Festigkeit: das macht ein großes Leben schwer erklärbar. […]

Falsche Größen arbeiten für sich allein, sie opfern die Völker ihrem unanständigen Gelüst und leeren Wahn.

Wie der Zweifel ein großes Leben schwer erklärbar macht – da hatte Heinrich Mann vielleicht auch die bolschewikischen Herren im Sinn, nicht nur Henris Ungereimtheiten. Que sais-je?, um Montaigne zu zitieren. Mit dem „uns“ misst Heinrich Mann die politische und humanistische Tat des Einzelnen an der des Herrschers, als ein angestrebtes Ideal, so etwa gemäß Kennedys Apell: Frage nicht was dein Land für dich tun kann, sondern was du für dein Land tun kannst!“ Und was bedeutet Land? Sicher nicht eine Nation, die sich durch Blut und Boden definiert; eher ein offener freier Staat, in der Individuum und Gesellschaft sind und walten im gemeinsamen Streben nach Glück (pursuit of happiness), und zwar jeder nach seiner Façon.

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