Döblin Vorlesen am Montag – und was war und was kommt

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Der Roman in Fortsetzung – Alfred Döblin; Berlin Alexanderplatz
Vorlesen am Montag
Vorlesen am Montag

Und wie es acht Uhr war, saß Franz mit Meck und noch einem, der stumm war und bloß Zeichen machte, am Tisch in der Ecke in einer Kneipe. Und es ging hoch her.

Und da saßen sie noch, als wir letztes Mal den Deckel schlossen. Die Stadt Berlin buddelt am Alexanderplatz derweil den Schacht für die U-Bahn aus. Ein Anfänger-Gängsterpärchen aus Franzens Nachbarschaft war hopsgenommen worden, aber Bieberkopf ist festentschlossen, ehrlich zu bleiben.

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Bild: Ernst Ludwig Kirchner; Porträt Dr. Alfred Döblin, 1912 im Harvard Art Museums/Busch-Reisinger Museum, Cambridge, MA

Am 13. Juni, um 18:00 Uhr, setzen wir die Lektüre fort. Wir lesen nochmal die Stelle mit dem Fachsimpel zu Viehtransport, um wieder hereinzukommen und dann weiter.

Das Lokal füllte sich. Am Ausschank standen welche und diskurtierten. Neben Franz setzten sich welche an den Nachbartisch, ältere Männer in Mützen, ein jüngerer mit einem steifen Hut, Meck kannte die, das Gespräch ging hin und her. Der Jüngere mit seinen schwarzen blitzenden Augen, ein gerissener Junge aus Hoppegarten, erzählte:
„Was die zuerst gesehen haben, wie sie nach Australien kamen? Erst mal Sand und Heide und Wiese und keine Bäume und kein Gras und nischt. […]“

kulturfondsZitate etnommen der vergriffenen Ausgabe bei Rütten & Löning, S. 184 / 185

Lieferbare Ausgaben bestelle ich gerne. Im Laden zum Kauf vorrätig ist die Taschenbuch-Ausgabe vom S. Fischer Verlag. Wer ein eigenes Exemplar hat, bitte mitbringen. Bei Knabber und Tee. Ein kleiner Obulus (- so ’ne Mark etwa, gerne auch mehr -) im Kulturfonds-Töpfchen der Buchhandlung ist willkommen. / siehe auch unter Stichwort Döblin

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from: Shakespeare’s Flowers, by Jessica Kerr (private shelf)

Let one attend him with a silver basin
Full of rose-water and bestrew’d with flowers.

– The Taming of the Shrew

Auf dem Weg zum und vom Laden radel ich derzeit durch Wolken von Rosendüften, die den prächtig blühenden Büschen an den Straßenecken entströmen. Die vorzügliche Behandlung im Zitat wird dem total weggesackten Kesselflicker Sly / Schlau zuteil, der sich beim Erwachen als Lord wiederfindet und dem, in Luxus und liebevoller Fürsorge, ein Theaterstück von fahrenden Schauspielern geboten wird. Am ersten Montag im Juni lasen wir – wie immer – im Shakespeare. Inzwischen sind wir beim elften Stück angekommen: Der Widerspenstigen Zähmung.

Schlau könnte gut im Berlin des Alexanderplatzes versetzt sein, denn auch dort trafen die Welten des heruntergegangenen Proletariats und der stinkreichen Oberschicht auf der Suche nach schamlosen Vergnügungen hart aufeinander. Aber das Stück im Stück dominiert, und so bewegen wir uns hauptsächlich in der gehobenen Bürgerschicht Paduas der Renaissance. Nach den ersten beiden Akten nimmt die Handlung richtig Fahrt auf. Am 4. Juli geht es weiter, wie immer auf Englisch und mit verteilten Rollen.

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