Camus‘ Freund und der Milchkaffee

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Klassiker und Kaffee Albert Camus; „Der erste Mensch“ bei der Schröerschen in Berlin Foto: Schröersche / Rowohlt Taschenbuchausgabe, Ü: Uli Aumüller (1995)

Pierre war regelmäßig zu spät. Er saß an dem Tisch mit einer Wachstuchdecke, die Petroleumlampe brannte, wenn es Winter war, hatte eine große glasierte braune Tonschale in den Händen und versuchte, den glühend heißen Milchkaffee, den seine Mutter ihm eingeschenkt hatte, zu trinken, ohne sich zu verbrennen. »Puste«, sagte sie. Er pustete, er schlürfte, und Jaques wechselte das Standbein, während er ihm zusah.

zitiert aus der rororo Ausgabe, S. 178 /179

Das Fragment des letzten Romans von Camus, ein Roman mit starken autobiographischen Bezügen, befasst sich neben der Suche nach Spuren vom im 1. Weltkrieg gefallenen Vater hauptsächlich mit Eindrücken und Erlebnissen seiner Kindheit und Jugend. Der Ausschnitt entstammt den Jahren, in denen er („Jaques“) mit seinem Nachbarn und Freund „Pierre“ vom Armenviertel am gegenübergesetzten Ende von Algiers als „Halbpensionäre“ ein Lyceum besuchte. Sie waren den ganzen Tag, die ganze Woche in einer Welt, von der seine nahezu taube Mutter und seine Großmutter keinerlei Vorstellung hatten.

PS: Der appetitlich angerichtete Café au lait ist beim Nachbarn gekauft, Cantina d’Augusta. Hat gut geschmeckt.

siehe auch – hierher stammt die Idee – NYRB Classics-and-Coffee-Club

Ich würde mich freuen, wenn Sie auch Fotos zum Veröffentlichen hier einsenden würden, von Ihrer Lektüre mit Kaffee (oder einem anderen Getränk), mit Zitat und gerne auch Kommentar: info@buch-haimberger.de

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4 Kommentare zu „Camus‘ Freund und der Milchkaffee“

  1. Zum Thema Kaffee im Café ist mein Lieblingsbuch: Hermann Kesten, Dichter im Café, Ullstein Buch Nr. 37 105, Frankfurt, Berlin, Wien 1983 (ursprünglich 1959)

    „Im Café des Deux Magots am Boulevard St. Germain traf ich die exilierten deutschen Dichter, und im Café Flore französische und amerikanische Literaten, lange bevor Sartre, Simone de Beauvoir und Camus dort saßen, aber immer noch heißt dort der älteste Kellner Pascal, und kein Montaigne sitzt unter den Gästen.“ (S. 79)

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    1. Arnold_N, ich danke Ihnen für den Tip. Offenbar ein gutes Buch. Die Ullsteinausgabe ist vergriffen, und ich habe das Buch bei Ars Vivendi bestellt. Der letzte Satzteil vom Zitat ist mir rätselhaft, aber ich fasse es mal als Klage auf.

      Merkwürdig, wie sich hier die Muttersprachler unter sich halten. Claudio Magris beobachtete Ähnliches in Triest, beschrieben im gleichnamigen Buch. Etwas vertane Chancen, denke ich da, wenn ich an Begegnungen im Laden – über die Jahre – mit Finnen, Portugiesen, Brasilianer, Franzosen, Ghanesen, Ur-Berliner, Chinesen etcetera. denke.

      Tja, Arnold, jetzt fehlt nur noch Ihr Foto von Kesten mit Kaffee, verstanden hoffentlich nicht als Forderung, sondern als Aufmunterung. (jpeg an: info@buch-haimberger.de)

      Gefällt 1 Person

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