Berenberg zum Herbst

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Autoren bei Berenberg (von oben im Uhrzeigersinn) Vilalobos / Muscheler / Baltschev / Zapperi

Vier gute Bücher sind eingetroffen, wie immer in feiner Halbleinenausstattung und reich an Inhalt.

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Berenberg

Darunter am gespanntesten war ich auf das Buch von Bettina Baltschev: Hölle und Paradies. Auf der Frankfurter Buchmesse in diesem Jahr sind die Niederlande und das flandrische Belgien Gastländer, und diese Entdeckungsfahrt in die Geschichte des Amsterdamer Verlagshauses Querido ist ein wunderbarer Beitrag. Schon seit Wochen wetzt Berenberg den Apetit auf dieses Werk, indem er nach und nach auf seiner Seite Fotos aus Amsterdam auf den Spuren von Querido und seinen Autoren präsentiert.

Ich glaube wie je, daß literarische Bemühungen niemals ohne Wirkung bleiben, wie lange es auch dauern mag, bis die greifbare Welt ihnen zugänglich wird. Künftige Menschen können sich einem gerechten Handeln nur dann gewachsen zeigen, wenn wir verharrt haben in der Sprache der Wahrheit.

Zitat von Heinrich Mann zur Entscheidung, in Zeiten der Diktatur einen Exilsverlag zu gründen (S. 45)

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Henri Quatre Colloquium

Heinrich Mann hatte 1933 im Querido Verlag „Der Haß“ veröffentlicht, und achttausend Exemplare werden überall auf der Welt, wohin deutsche Leser geflohen sind verkauft, was zu dieser Zeit viel ist. Der Querido Verlag ist es auch, der die Henri Quatre Romane von Heinrich Mann verlegt, 1935 und 1938. Zur Entstehungs- und Überlieferungsgeschichte von diesem speziellen Werk, das ich natürlich wegen des laufenden Henri Quatre Colloquiums hervorhebe, findet man mehr im Anhang der Studienausgabe von Peter-Paul Schneider bei S. Fischer. Aber die Familie Mann insgesamt ist prominent vertreten in dieser Geschichte des Querido Verlags, die uns über Amsterdam hinaus auch einen Ausflug nach Zandvoort an die See beschert. Von der Geschichte des Querido Verlags selbst, von Emanuel Querido 1911 gegründet (der Verlag wuchs aus seiner 1898 eröffneten Buchhandlung) schreibt Bettina Baltschev natürlich auch.

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Kröner

Der Schwerpunkt liegt aber auf Queridos Rolle als Verlag der deutschsprachigen Exilsautoren, eng verknüpft mit dem Verleger Fritz Landshoff. Viele vom Haß durch die Welt getriebenen, darunter Joseph Roth, Alfred Döblin, Irmgard Keun, Lion Feuchtwanger, Hermann Kesten, fanden in Amsterdam einen geistigen Hafen und eine Stätte, in der ihrer Stimme Gehör verliehen wurde.

Je mehr ich in dem flüssig zu lesenden Buch blättere, werde ich gefesselt durch die Fülle an Themen, beispielsweise die lange Tradition der Toleranz in Amsterdam (S. 98):

Um 1650 sind über ein Drittel aller Einwohner Amsterdams außerhalb der Grenzen der Republik geboren, politisch und religiös Verfolgte strömen ebenso aus allen Himmelsrichtungen nach Amsterdam wie Menschen, die vor der Armut in ihrer Heimat fliehen.

Außerdem im Herbstprogramm von Berenberg liegen vor:

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2 Kommentare zu „Berenberg zum Herbst“

    1. Ja, Descartes und Spinoza kommen auch drin vor, englische Freigeister sind mir auf die Schnelle nicht begegnet. Das Zitat ist von aufrüttelnder Aktualität, wie das ganze Buch überhaupt, ohne im geringsten agitatorisch zu wirken.

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