Lamorisse, Boston und Wilder

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Doubleday (21,00 €) / HarperCollins (10,80 €) / Faber & Faber (11,80 €)

Once upon a time in Paris there lived a little boy whose name was Pascal. He had no brothers or sisters, and he was very sad and lonely at home.

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aus: Albert Lamorisse; The Red Balloon

Albert Lamorisse wiegt schwer in den Bildern meiner Kindheit. „Der rote Ballon“ gewann 1956 als Kurzfilm die Goldene Palme von Cannes, vor meiner Geburt, und erschien bei Diederichs 1975 als großformatiges Fotobilderbuch, als ich alt genug war, zu lesen. Es zeigt ein Nachkriegsfrankreich, das Leben der Kinder zwischen Schule, Zuhause und Straße, und bezauberte mit seiner Magie eines übergroßen, roten Ballons mit Persönlichkeit.

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Bildquelle: Thao Lam illustration

Mich ergriff die Strenge des Schullebens; und das bedrohliche Erlebnis des einsamen Pascal – so ein schöner fremder Name … – machte mein Herz klopfen.

Immer wieder mal besorge ich dieses Buch und stelle es im Fenster aus. Es ruft jedesmal starke Emotionen bei K.* aus, der dann den Laden betritt, mir erzählt, wieviel ihm das Buch bedeutet und es dann kauft. Meist vergeht bei ihm eine kurze Zeit, bis durch die Gefühle hindurch die Worte hervorfinden, was mich jedesmal berührt, weil ich es so gut verstehe.

Das Buch zu bestellen, das ist gar nicht mehr so selbstverständlich. Die deutsche Ausgabe ist lange vergriffen; der Diederichs Verlag, wie er einmal war, ist verschwunden, und es gibt seinen Namenserben unter dem großen Dach von Random House, wo immerhin die legendäre Märchenreihe fortgeführt wird und auch Mühe verwandt wird, etwas vom alten Geist fortleben zu lassen. Die englische Ausgabe bei Doubleday, eine andere Tochter von Random House, scheint inzwischen auch vergriffen zu sein. Diese Ausgabe ist, im Großformat, hier zu haben, solange ich sie noch bekommen kann. Die französische Ausgabe, Le Ballon Rouge, war bei Hachette erschienen, scheint aber auch vergriffen zu sein. So ist das.

siehe auch, zu „Der Weiße Hengst“ („Crin-blanc“, 1953) von Lamorisse: Lippizzaner!

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Little House on the Prairie
Illustration von Garth Williams / HarperCollins

Alle Taschenbuchbände der Serie „Unsere kleine Farm“ im original Englisch mit den Zeichnungen von Garth Williams stehen stark zerlesen in unserem Bücherschrank und haben uns schon viele frohe Jahre beschert. Lange Zeit war deutsch nur der Band „Laura im großen Wald“ lieferbar, aber nun hat der österreichische Verlag Ueberreuter vier Bände mit neuen Illustrationen herausgegeben, wobei mich besonders freut, dass der Text wieder in deutscher Sprache vorliegt (Übersetzer? Der Verlag macht da im Internet keine Angaben, auch nicht zur Illustratorin – ich rate mal, dass es eine Frau ist). Die Zeichnungen von Garth Williams haben mir immer sehr gefallen mit ihrer Detailgenauigkeit und dennoch zurückhaltend genug, um der Phantasie nicht im Wege zu stehen.

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Ueberreuter

„Little House on the Prairie“ erschien als drittes der Serie 1935. Die ungezähmte Laura ist ein wunderbarer „Fremdenführer“ in das Leben mit einer puritanisch strengen Mama und einem weniger puritanischen Papa und großen und kleinen Schwestern im Nordamerika der Pioniere und Kleinbauern. Im Laufe der Serie kommt der Leser weit herum von den großen Seen bis zum weiten, wilden Westen; und in diesem Band lernt man das Jahr in der Prärie kennen. Die Sprache ist wunderbar einfach, ohne simpel zu sein. Der Ueberreuter Verlag führt die Serie unter „Lesefutter“. Wer es versteht, findet mehr darin.

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Ueberreuter

Vor vielen Jahren lebte in einem großen Wald im Staate Wisconsin, in einem kleinen grauen Blockhaus ein kleines Mädchen.

Die hohen, dunklen Bäume des gropßen Waldes standen dicht um das Haus herum und hinter ihnen waren andere Bäume und hinter diesen wieder Bäume. Wenn man einen ganzen Tag, eine ganze Woche, ja, einen ganzen Monat nach Norden ging, so war man immer noch im Wald.

aus: Laura im großen Wald, übersetzt von Georg Boykowsky, 1956. Die Titelillustration ist von Dorothea Desmarowitz, schön angelehnt an den Geist von Garth Williams, wie ich finde: mit ernster Freundlichkeit.

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St Christopher at Green Knowe
Foto: Lynne Hatwell at dovegreyreader scribbles

‚Against the side of the house, immensely tall…was a stone figure. The first thing that drew his attention to it was, close to the ground, some stone fish swimming in what looked like stone water, as though the flood had left something behind…‘

‚Then he saw that behind the fishes were two huge bare stone feet that seemed to be paddling with stone ripples round the ankles ; above them legs and folds of clothing. High above that…among the twining strings of the creeper he saw the head of a giant stone man, carrying a child on his shoulders.‘

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Faber & Faber

Meines Wissens sind die „Green Knowe“ Bücher von Lucy M. Boston (1892 – 1990) bisher noch nicht ins Deutsche übertragen worden. Ich habe sie erst durch meine virtuellen Besuche in Devon, bei dovegreyreader scribbles, kennengelernt und wünschte, unsere Kinder wären auch damit groß geworden. Diesmal geht es nach England, in die Cambridge Gegend, und um das Leben in einem großen Herrenhaus, – es ist Hemingford Grey, – das voller Geheimnisse und voll von Geschichte steckt. Vielleicht schreibe ich ein andermal etwas mehr, aber dieser Eintrag ist schon lang genug.

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The Children of Green Knowe
Titelillustration der vergriffenen Ausgabe bei Faber & Faber, mit einem versunkenen Tolly

Illustrationen im Buch selbst stammen von Lucy M. Bostons Sohn, Peter. Ob er auch diese Titelillustration gemalt hat, bezweifel ich, habe aber keine Angaben zum Urheber.

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