Die Abkehr – Das Henri Quatre Colloquium

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Johan van Oldenbarneveldt (1547-1619). Landsadvocat van Holland
Ölgemälde von Michiel Jansz van Mierevelt, zw.1590 und 1624
Rijksmuseum, Amsterdam

Barneveldt: »Begreifen Sie auch, warum England den Feinden seiner Religion und Freiheit erlaubt, die Küste gegenüber zu erreichen?«

Rosny: »Aus Friedlichkeit, zweifellos. Überdies ist Spanien eine erschöpfte Macht, deren letzte Zuckungen weniger gefährlich erscheinen. Mein König – er vor allem soll an der Küste gegenüber nicht stehen, und auf dem Kontinent sollen zwei Mächte, die erschöpfte und die lebende, einander ausgleichen, so daß ewig Krieg ist. Hier nennt man es den europäischen Frieden.«

Barneveldt: »O sagen sie den Räten des Königs Jakob, sagen sie seinem Parlament die Wahrheit, die sie besitzen. Mylord Cecil hält sich für einen echten Freund des Friedens.«

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Portrait of the duc de Sully from the painting gallery of the Chateau de Saint-Germain-Beaupré. Painting, French School, 16th c. Musée des Beaux-Arts de Blois © RMN / René-Gabriel Odéja

Rosny: »Glauben Sie? Aufrichtig ist König Jakob, weil er gar keine Macht hat, ausgenommen die kniefällige Bedienung.«

zitiert aus Heinrich Mann; Die Vollendung des Königs Henri Quatre / S. Fischer Studienausgabe, S. 757

Willkommen, liebe compagnons im Henri Quatre Colloquium!

hqcDer Herbst klingt inzwischen auch in den Seiten des Henri Quatre Romans an: Königin Elisabeth I, Henris Verbündete, selbst nach seinem „Todessprung“ in den Schoß der katholischen Kirche, ist tot nach einer langen Regentschaft, und König Jakob I hat ihre Nachfolge angetreten. Philipp II ist auch tot, die Silberschätze aus den eroberten Ländern Südamerikas sind aufgezehrt durch endlose Kriege in etlichen Landen; die Weltmacht bröckelt und tobt in Todeskämpfen, in den Niederlanden und – eher durch Agenten und Intriganten – in England und Frankreich.

Der Abschnitt „Die Abkehr“ beginnt mit einer spektakulären Drohgebärde, um Savoyen zur Räson zu bringen. Der Herzog von Savoyen, Karl Emmanuel, hatte mit Spanien geliebäugelt und gehofft, die zuvor einverleibten westlichen Provinzen behalten zu können: „Sie nahmen nach Savoyen vierzig Kanonen mit und wurden begleitet von fünfzehntausen Mann Fußvolk, zweitausend Reitern, dem Marschall Biron, dem Grafen von Soisson, vielen anderen dergleichen. […] – Herbst 1600.“ Wenn man sich die physische Karte des Gebiets anschaut, kann man erahnen, was das für ein Unternehmen war.

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Vermählungsbild: Henri IV und Maria de‘ Medici Künstler und Bildquelle unbekannt

Kabale und Liebe

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Maria de‘ Medici with Leonora Galigai and Concino Concini
Illustration in „A Popular History of France From The Earliest Times“ by François Pierre Guillaume Guizot / ca 1880 / Painter unknown
Quelle: Wikimedia commons

Es ist der Roman Heinrich Manns, und natürlich nehmen

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Portrait of Catherine Henriette de Balzac d’Entragues, mistress of Henry IV of France / 17th century
Château de Versailles

Frauengeschichten auch in diesem Abschnitt einen breiten Raum ein. Nahezu unheimlich ist das Gefolge, mit der die neue auserwählte Gemahlin, Maria de‘ Medici, im Louvre Einzug hält. Sie muß, neben allerlei Liebschaften der üblichen leichten Art, derer sich Henri befleißigt, eine arge Konkurrentin ertragen, Henriette d’Entragues; und beide Frauen gebären Henri Kinder und erheben jeweils Anspruch, ihm den ersehnten Dauphin geschenkt zu haben. Es gibt eine bemerkenswerte Episode, wo die kapriziöse Henriette einen wilden Tanz aufführt und Heinrich Mann ihn, mit den aberwitzigen Verrenkungen, wie den Tanz der Salome erscheinen läßt.

Lateinischer Psalter aus England – BSB Clm 835, Gloucester?, 1. Viertel 13. Jh. (Ausschnitt) / Bayerische Staatsbibliothek

Alldieweil treiben Misstimmung und Neid die Hofbewohner zu Inrigen mit allgegenwärtigen Vertretern der spanischen Krone, immer im Verbund mit Rom. Prominent ist die Rolle der Jesuiten, die bei Heinrich Mann einen schweren Stand haben.

Soviel zum Auftakt. „Der Abfall“ ist so gedüngt mit Themen, Zitaten, Fragen und Erkundungswegen, dass ich auf Kommentarfeldfrüchte hoffe, entweder hier, oder auf den hqc Seiten. Wer weiß beispielsweise, wessen Abfall gemeint ist, und wovon? Noch habe ich die letzten Seiten nicht gelesen. Jedenfalls ist das Forum des Henri Quatre Colloquiums hiermit wieder, wenn auch spät, offen. Willkommen.

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