Bo Carpelan (1926-2011)

Heute ist der Geburtstag von Bo Carpelan, der 1926 in Helsinki geboren wurde.

kaillor_geburtstag
Des Schriftstellers Almanach
Aus Petri Liukkonens Authors’ Calendar für den deutschsprachigen Leser

Höstvandring

En man vandrar genom skogen
en dag med växlande ljus.
Möter få människor,
stannar, betraktar hösthimlen.
Han ämnar sig till kyrkogården
och ingen följer honom.

in: Den svala dagen (1961)

finnland_unions
Unions
darin: Bo Carpelan erinnert sich an das Helsinki seiner Kindheit – derzeit einziger deutscher Text in lieferbarer Buchausgabe des Dichters.

Hier wieder, frei übersetzt, aus der Seite von Petri Liukkonen:

Herbstwanderung
Ein Mann wandert durch den Wald
an einem Tag wechselnden Lichts.
Trifft wenige Menschen,
verharrt, betrachtet den Herbsthimmel.
Er geht weiter Richtung Friedhof,
und keiner folgt ihm.

(‚A man walks through the wood / one day of shifting light. / Encounters few people, / stops, considers the autumn sky. / He is making for the graveyard / and no one is following him.‘)

carpelan
Fotograf: Charlotta Boucht / Quelle: Schildts & Söderströms

»Bo Carpelan war ein fruchtbarer finnischer Dichter, Romanschriftsteller, Dramatiker, Literaturkritiker und Übersetzer, dessen Schaffensperiode sich über sechs Jahrzehnte spannt.  [Er] schrieb auf Schwedisch. Zweimal gewann er den angesehenen Finlandia Preis [siehe Preisträger bei Wikipedia] – 1993 für Urwind (Alkutuuli), in dem es um die Erinnerungen und mysteriösen Visionen eines Antiquariathändlers geht, und 2005 für den Roman Berg (Kesän varjot). Carpelan aber sah die Dichtung als sein „eigentliches Heimatland“.«

It is not time that alters us,
it is space: the forest that was low as a dark ribbon
round the evening when we were children.
And the water that came up to our feet.

(from In Dark, in Light Rooms, 1976, trans. by Keith Bosley)

„Nicht Zeit ist es, die uns ändert,
es ist Raum: der Wald der aussieht wie ein dunkles Band
um den Abend herum, als wir Kinder waren.
Und das Wasser, das herankam bis an unsere Füßen.“
(aus: In dunklen, in hellen Räumen, 1976)

agren_osburg
Osburg

Hier fällt mir eins von Vaters Soldatenliedern ein, was mir aber, wenn ich es als Kind hörte und sang, eher den Geist der Wandervögel beschwor, zumal es immer nur die erste Strophe war, oft gefolgt von den in der Familie berühmten „Ellschen“ (- mein Vater kam aus der Aachener Gegend. Hängengeblieben ist eben nur die Liedzeile „Elche steh’n und lauschen in die Ewigkeit“, aber wie ich feststelle, gehört es zum Ostpreußenlied „Land der dunklen Wälder“).

Hurra nun zieht unsre Schar nach der Heimat
Finnlands schönsten Gefilden zu

Nordisches Heimatland
Finnland du mein Vaterland
Gibt doch kein Land, daß uns so lieb wie du

Viel Burschen liegen im Sande des Balkan
drüben am fernen Donaustrand

Die Musik spielt als die Burschen marschierten
bis vor die Wälle von Gorny Dubniak

Als auf den Bergen des Balkans wir kämpften
Hunger und Kälte so mancher litt

Stirbt unser Leib unser Geist bleibt bestehen
erben soll ihn unser teures Vaterland

Text: nach einem finnischen Soldatenlied , übersetzt von Erich Spohr
gefunden im Volksliederarchiv

PS: Der Roman „Leo Nilheims Geschichte“ von Leo Ågren, erschienen im Osburg Verlag, handelt vom russisch-finnischen Krieg und ist ein großartiges Zeugnis gegen den Krieg, schön übersetzt von Erik Gloßmann und würdig, weiter bekannt und vor allem mehr gelesen zu werden.

Advertisements

Kommentar willkommen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s