Der große Plan (1) – Das Henri Quatre Colloquium

tod_ackermann
Der Tod als Ackermann
aus der Totentanz-Folge von Hans Holbein
Kunstmuseum Hamburg

Der Hauch des Todes

Fortan steht fest: sein Ende trifft ihn früh oder spät, in der Gestalt, die er haben soll – er geht ihm entgegen.

in: ‚Ein Mann allein‘, S. 880 in der Studienausgabe bei S. Fischer


Charlotte-Marguerite de Montmorency, princesse de Condé
und Henri II. de Bourbon, prince de Condé
Bilderquelle: Les Collections du musée Condé

Es ist das Jahr 1610, mitten in der Condé-Affaire und in einer Zeit bar jeder Kriege in Frankreich, jedoch unter fortwährender Bedrohung von außen und innen, als Henri Quatre den letzten Schritt zum Erwachsenwerden, zur Vollendung, geht in dem vollen Bewußtsein, dass es ein Schritt sein wird auf sein Ende zu. Darüberhinaus war ihm schon vorher klar geworden, dass der große Plan, an dem er mit der hauptsächlichen Hilfe von Sully, unentwegt schafft, nicht von Dauer sein wird. Weder die Bevölkerung noch die Staaten insgesamt sind reif, und selbst, wenn sie es wären, läge darin keine Garantie von Dauer. Der große Plan, das ist ein Staatenbündnis, bei dem Krieg nicht als Option in Frage kommt, in dem die Staaten sich bemühen, Versorgung und Sicherheit zu stärken durch Handel und Verhandlung, in dem Milde und friedliche Reform Vorrang tragen vor Strafe und Zwang. Das Zitat beschreibt also den Moment, wo Henri erkennt, dass er keine Zeit mehr hat, sich in Techtelmechtel zu verstricken – wie war das noch, waren es 27 Mätressen? – und das Private mit dem Staatlichen zu verquicken, dass er sich vornehmlich der Festigung des großen Plans widmen muß:

 – unser klarer Gedanke eines Bundes freier Völker wird früher oder später den Sieg haben. Was weiß ich, gilt hier nicht. Dies wissen wir.

S. 849

Er ist der Ackermann, der – hier weicht Heinrich Manns Version vom Bild Holbeins ab – selbst als Toter weiter das Feld bestellt.

Dargestellt war ein Gerippe, das den Acker umgräbt. Das Skelett als Ackermann. Sind wir denn tot, wir lassen doch nicht nach, das Werk geht weiter.

S. 851

Tenazität ist das Wort, das mir dazu einfällt, und unter allen rubensschen Hüllen ist hier Henri eben doch durch und durch Hugenotte.

hqcLiebe compagnons vom Henri Quatre Colloquium;

aufs Neue ergeht die Einladung, sich hier über Heinrich Manns Henri Quatre Roman zu unterhalten. Alle Kommentarfelder stehen offen für Beiträge, Kommentare, Fragen und Anregungen. Das große Finale ist dann am Freitag, den 25. November, wo wir zu den letzten Seiten von „Die Jugend“ und von „Die Vollendung des Königs Henri Quatre“, von Heinrich Mann, gelangen. Das Buch möchte ich dann aber nicht schließen, sondern darüberhinaus gerne von Ihnen hören.

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