Romain Rolland (Teil 1)

Heute ist der Geburtstag von Romain Rolland (1866-1944)

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C. H. Beck

(lieferbare deutsch übersetzte Bücher von diesem Autoren)

Hier wieder, von mir frei übersetzt und mit Zwischenüberschriften versehen, aus der Seite von Petri Liukkonen:

»Französischer Romancier, Dramatiker, Essayist, Mystiker, Pazifist, dem 1915 der Nobelpreis für Literatur verliehen worden war. Romain Rolland erkannte, daß die Kunst Teil des Mühens sein muß, um die Menschen aufzuklären. In seinem Werk prangerte er alle Formen von Nationalismus und Faschismus an und kämpfte für soziale und politische Gerechtigkeit. Rolland trat niemals einer politischen Partei bei, aber er erhielt den Ruf eines glühenden Kommunisten.

A long meditative life is a great adventure. Sometimes it is even the culmination of the experience of a family or of a race; the answer given to the riddle of its age-long procession; the realization of its slow growth, bearing the mark of its errors, its success, its virtues and vices.

Ein langes nachdenkliches Leben ist ein großes Abenteuer. 
Manchmal ist es sogar die Krönung in der Erfahrung einer Familie oder eines Geschlechts; 
die Antwort auf das Rätsel von dessem jahrelangen Fortschreiten; die Erkenntnis seines 
langsamen Wachstums, geprägt von seinen Irrtümern, seinen Erfolgen, seinen Tugenden 
und Lastern.

(in Le Voyage intérieur. – Paris : Albin Michel, 1942) 
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Des Schriftstellers Almanach
Aus Petri Liukkonens Authors’ Calendar für den deutschsprachigen Leser

Herkunft
Romain Rolland war in Clamency, in Nièvre, in eine Familie der Mittelklasse hineingeboren worden. Väterlicherseits hatte Rolland fünf Generationen von Notaren. Antoinette-Marie Courot Rolland, seine Mutter, entstammte einer Familie von Eisenfabrikanten und Notaren. „Die Courots nahmen das Leben immer ernst,“ erinnert sich Rolland in Le Voyage intérieur „Sie liebten es und wußten sich an ihm zu erfreuen, aber darüber vergaßen sie nie seine Ungewißheit.“ [Zitate nach der englischen Übersetzung: The Journey Within, tr.  Elsie Pell, 1947 – hier, p. 39]. Rollands Vater Emile, Rechtsanwalt und Patriot, war jovialer Natur – „er liebte mich meiner Häresien wegen nicht weniger und lachte sogar über sie, glaube ich und – Gott möge mir verzeihen! – tief in seinem Herzen war er wohlmöglich stolz darüber.“ (Ibid., p 37)

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Rowohlt, Berenberg, Reclam, S. Fischer

Schule in Paris, Studium in Rom
Freundschaft mit Malwida von Meysenbug

Auf Beharren von Romains Mutter, zog die Familie 1880 nach Paris, damit er dort eine bessere Schulausbildung bekäme. Rolland trat 1886 in die École Normale Supérieure ein. Nach Abschluß seiner Zulassungsprüfung als Geschichtslehrer für die Gymnasialstufe [agrégation examination in history] setzte Rolland seine Studien in der Französischen Schule für Kunst und Archäologie in Rom fort, wo er eine lebenslange Freundschaft mit Malwida von Meysenbug schloß. Sie kannte Wagner, Liszt, Nietzsche und Ibsen und ermunterte ihn zu seinen ersten Schreibversuchen. Tolstois Ideen faszinierten Rolland, und später sagte sie in ihren „Mémoires d‘ une idéaliste“ von ihm: „In diesem jungen Franzosen entdeckte ich den selben Idealismus, die selben hehren Inspirationen, die selbe Meisterung jeglicher intellektueller Äußerung, wie ich sie in den größten Geistern anderer Nationen gefunden habe.“

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Scarlatti bei Henle

Heirat mit Clotilde Bréal und Musik
1892 heiratete Rolland Clotilde Bréal, eine französische Jüdin. Clotilde, die seine Liebe zur Musik teilte, kam aus einer berühmten pariser Familie von Intellektuellen und Akademikern. Sie lebten eine Weile in Rom, wo Rolland für seine Doktorarbeit über die Ursprünge der Oper vor Jean-Baptiste Lully und Alessandro Scarlatti forschte. [Les origines du théâtre lyrique moderne : histoire de l’opéra en Europe avant Lully et Scarlatti. – Paris: A. Fontemoing, 1894] Er absolvierte 1895 die Doktorprüfung für Kunstwissenschaft mit der allerersten Doktorarbeit zur Musik an der Sorbonne.

Dreyfus-Affäre
Trotz Drängens seitens der Bréal-Familie weigerte er sich, zur Dreyfus-Affäre öffentlich Stellung zu beziehen. Die Ehe mit Clotilde wurde 1901 gelöst. Rolland lebte dann eng verbunden mit seinen Eltern, besonders seiner Mutter. Sein Dilemma als unabhängiger linker Intellektueller im Klima des Hasses untersuchte Rolland in Les loups (1898) [Die Wölfe, dt. Wilhelm Herzog (1914)], seinem ersten Drama zur Französischen Revolution. Immerhin tadelte sich Rolland jahrzehnte später dafür, damals eine gerechte Sache missachtet zu haben.

Von der Musik zum Theater
Rolland wurde Professor für Kunstwissenschaft an der École Normale in Paris. 1904 setzte er seine akademische Laufbahn fort als Professor für Musikgeschichte an der Sorbonne. Obschon er weiter lehrte, erkannte er im Theater seine tatsächliche Berufung. Mitte der Dreißiger schrieb er erfolgreiche Stücke zur Französischen Revolution.

„Jean Christophe“ und der Nobelpreis

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Romain Rolland (1915)
Literaturnobelpreis Stiftung

Nachdem sein bekanntestes Werk, Jean-Christophe [Paris : Cahiers de la quinzaine, 1904-1912. – 17 vol. / Jean-Christophe. – Éd. Définitive. – Paris: Albin Michel, 1931-1934. – 5 vol.], beendet war, widtmete Rolland sich ganz dem Schreiben. Der zehnbändige Roman, gewidtmet „den freien Seelen aller Nationen, die leiden, kämpfen, aber überwältigt werden werden“ [„the free souls of all nations who suffer, struggle, but shall vanquish“], war die epische Geschichte eines deutschen musikalischen Genies. Schon 1903 hatte Rolland eine Beethoven-Biographie veröffentlicht. Obwohl dieses Werk sich teilweise auf das Leben jenes Komponisten bezog, entlieh es auch Einzelheiten aus den Laufbahnen von Mozart und Wagner. Rolland stellte seinen Protagonisten als eine heldenhafte Figur dar, einen Fechter für soziale Gerechtigkeit. Er ist eine mutige, unnachgiebige Seele. „Er würde eher sterben, als dass er sich Illusionen hingäbe. War nicht Kunst eine Illusion? Nein. Das muß nicht sein. Wahrheit! Wahrheit! Augen weit offen, laß ihm durch jede Pore den allmächtigen Lebensatem einziehen, Dinge sehen, wie sie sind, seinem Unglück geradewegs entgegenblicken, – und lachen.“ (im 1. Band). Nachdem er einen Polizisten getötet hat, flieht Christophe in die Schweiz und beginnt seine Karriere als Komponist. Er kehrt als gefeierter Künstler zurück nach Paris und stirbt dort. Am Ende mündet sein Leben in den Fluß des Lebendigen ein.

Dieses große Werk schließt Episoden ein, die nur entfernt zu Christophes Leben in Beziehung stehen, wie Antoinette, was eigentlich eine Novelle ist, und La Foire sur la place, Kritik zur Literatur und Kunstszene in Paris. [siehe auch: Litterature audio.com]. Hierfür bekam Rolland den Nobelpreis für Literatur. In seinen späteren Werken blieb er der Romantischen Idee des Künstlers als einsamen Genie treu.

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Faber & Faber

Meister Breugnon und Anti-Kriegsschriften
1913 schrieb Rolland den Roman Colas Breugnon, der 1919 erschien [Meister Breugnon, dt. Erna und Otto Grautoff (1950)]. Er zeigt das Leben eine Holzschneiders im 16. Jahrhundert. Mit seinem Anti-Kriegsartikel Au-dessus de la mêlée (1914) [Über den Schlachten, dt. P. Ammann (1950)], in einer schweizer Zeitung veröffentlicht, wurde Rolland eine Berühmtheit im pazifistischen Lager während des Ersten Weltkriegs. Rolland verurteilte den Krieg und versuchte, die Verbundenheit der westlichen Kultur zu zeigen. Aufgrund seiner Ansichten wurde er in Frankreich zum Verräter erklärt.

Exilanten in Zürich – ‚Liluli‘ und ‚Pierre et Luce‘
Von 1914 an lebte Rolland hauptsächlich in der Schweiz. Viele andere Schriftsteller und Künstler zogen ebenso nach Zürich, darunter James Joyce, der dort große Teile seines Ulysses verfasste. Nach dem Krieg waren Rollands Stücke in Deutschland bekannter als in Frankreich. Ihre deklamatorische, didaktische Art hatte vermutlich Einfluß auf die Vorstellung des epischen Theaters bei Brecht. Der Roman Liluli (1919) [Liluli. Dramatische Dichtung, dt. Walter Schiff (1924)] war eine Kriegssatire. Pierre et Luce (1922) [Peter und Lutz, dt. Paul Ammann (1921) / auch dt. von Hartmut Köhler (Pierre und Luce, Aufbau 2010)], eine Erzählung, zeigt das Schicksal eines jungen Liebespaars.

(Teil 2 folgt)

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