Romain Rolland (Teil 2)

rollandDer leidenschaftliche soziale und kosmopolitische Geist des 18. Jahrhunderts lebte in ihm weitere und ließ ihn 1914/18 dem Kriegstaumel der europäischen Völker und seiner mittaumelnden geistigen Führer Anklagen ins Gesicht schleudern, die fast das einzige Fanal in jener Nacht des Geistes waren.

Robert Minder über Romain Rolland in: Dichter in der Gesellschaft, Insel Verlag 1966

Hier wieder, von mir frei übersetzt und mit Zwischenüberschriften versehen, aus der Seite von Petri Liukkonen:

Die späteren Jahre
»Rolland verlor seinen Glauben als junger Mann, aber nachdem er Spinoza gelesen hatte, glaubte er an die pantheistische Natur. 1920 begann Rolland sich für indische Philosophie zu interessieren und schrieb eine Biographie von Mahatma Gandhi (1924) – der geistige Anführer Indiens besuchte ihn in der Schweiz in Villeneuve am Genfersee. 1923 gründete Rolland das internationale Magazin Europa, welches sich dem Nationalismus entgegensetzte. Er hatte die sozialistische Bewegung als nahezu spirituelles Ereignis begrüßt, war aber nie Mitglied der Kommunistischen Partei und hatte weder Marx noch Engels gelesen. Während einer Reise in die Sovietunion traf Rolland 1935 Gorkij und Stalin in Moskau. Allerdings begann er allmählich, den Stalinismus abzulehnen und unterstützte gewaltlosen Wandel. Früh, 1900, hatte er ein Stück, Danton, geschrieben, in dem der Geist der Revolution revolutionärer Disziplin geopfert wird – eine unpopuläre Ansicht während der Moskauer Schauprozesse [‚Säuberungen‘], orchestriert von Stalin.

„In politics, he has always been a republican with advanced Socialist sympathies, and internationalist at heart, and, as they said in the eighteenth century, a ‚citizen of the world.‘ He has always fought social injustice. In art, he loves, above all, Beethoven, Shakespeare, and Goethe… Rembrandt is the painter dearest to him. But his chosen country is Italy.“

(Romain Rolland on himself, World Authors 1900-1950, Vol. 3, ed. Martin Seymour-Smith and Andrew C. Kimmens, 1996)

»Politisch war er stets demokratisch mit einer Neigung zu sozialistischen Ideen, und im Herzen ein Internationalist und, wie man im 18. Jahrhundert sagte, ein Weltbürger. Immer hat er soziale Ungerechtigkeit bekämpft. In der Kunst liebt er über alles Beethoven, Shakespeare und Goethe ... Rembrandt ist sein Lieblingsmaler. Aber das Land seiner Wahl ist Italien.« ['Romain Rolland über sich selbst', Quelle, siehe oben]

Die Verzauberte Seele und das Ringen mit der kommunistischen Idee
Von 1914 bis 1937 lebte Rolland in der Schweiz. Dort beendete er seinen zweiten Romanzyklus, L’âme enchantée (1922-33) [Die Verzauberte Seele, Auszug: ‚Sommer‚, dt. Paul Ammann für Kurt Wolf, München 1925, vollständig bei Rütten & Löning 1963, Ü: Hans Balzer]. Das siebenbändige Werk dreht sich um die weibliche Gegenspielerin von Jean-Christophe, um eine Frau, Annette, die von materialen Interessen enttäuscht sich dem Ringen um geistige Unabhängigkeit zuwendet. Andere zentrale Charaktere sind Annettes Halbschwester Sylvie und Annettes Sohn Marc. Der ist ein intoleranter junger Mann, dessen Kämpfe ziemlich von Annettes Mutter überschattet werden, die ein alter ego des Autoren ist. Das Werk spiegelte Rollands Interesse am Kommunismus wieder – Annette wird aktiv in der Verteidigung der Sowjetunion.

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Rolland und Koudachev
Foto von ‚Europe Revue‘, Quelle: Time Magazine Artikel auf der Koudachev-Seite

Zweite Heirat
Rolland heiratete 1934 seine zweite Frau, Marie Koudachev, die halbfranzösische Witwe eines russischen Edelmanns. 1938 kehrten sie nach Frankreich zurück. Rolland war mutiges Sprachrohr der Résistance. Während der letzten Lebensjahre lebte Rolland in Vézelay und arbeitete an einer Biographie von Charles Péguy. Am 30. Dezember 1944 erlag er der Tuberkulose, dieser Krankheit, die ihn schon seit seiner Kindheit heimgesucht hatte.

Von Rollands Schaffen
Unter den anderen Werken von Rolland sind mehrere psychologische Biographien von Künstlern und Staatsmännern (Michelangelo, Danton, Beethoven, Tolstoj, usw). Eher als an einem einzigen Werk zu arbeiten schrieb Rolland Zyklen. Unter seinem Dramenzyclen zählen Die Tragödien und Glauben, Saint Louis (1897), Der Triumpf der Vernunft (1899) und Theater der Revolution, Dramen, die von der Französischen Revolution handeln.«

Romain Rolland in der Deutschen Nationalbibliothek / gesamtes Werkverzeichnis im VIAF [Virtual International Authority File], siehe unter: Works

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