Elliot Paul und Christian Morgenstern bei Maro

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Maro, Maro
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From a Bantam paperback edition of ‚The Last Time I Saw Paris‘.
Bild- und Textquelle: The Paris Review

Wenn ich so die Seite vom Maro Verlag anschaue, dann fällt mir die Grafik auf, und die beiden Bücher, die ich mir vom Programm herausgepickt habe, sind jedes für sich sehr schön gelungen, finde ich. Das Buch von Paul Elliot ist erst im letzten November herausgekommen, aber in der englischsprachigen Welt ist es schon lange als ‘The Last Time I Saw Paris’ bekannt. Als Fan von Shakespeare & Company (Suhrkamp) und vom Kreis um Sylvia Beach in ihrer amerikanischen Buchhandlung, am linken Ufer der Seine – denn da ist dieser Roman angesiedelt – ist es höchste Zeit, dass ich dem Maro Verlag nun helfe, dies Buch auch unter deutschen Lesern bekannt zu machen.

indie_bannerSadie Stein zitiert folgende Stelle früh aus dem Buch (das erste Kapitel: Die kleine Gasse) für die Paris Review:

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église Saint-André-des-Arts sur le Plan de Truschet et Hoyau (1550) / wikimedia commons

Auf der Place Saint-André-des-Arts machte ich abermals halt und starrte ehrfürchtig in die Auslage eines Präperators. Wie alle Franzosen waren auch die Präperatoren Individualisten. Sogar die französischen Mottenkugeln schienen sich voneinander zu unterscheiden. Die Präperatoren der Place Saint-André-des-Arts waren Spezialisten im Ausstopfen jener Schoßhündchen und Lieblingskatzen, von denen sich die Besitzer selbst nach dem Tode nicht zu trennen vermochten. Monsieur Noël, der Fachmann im Ausstopfen von Vögeln und Vierfüßlern, dessen nähere Bekanntschaft ich später machte, verlieh diesen Tieren, wenn auch nicht gerade den Anschein wirklichen Lebens, so doch eine gewisse Originalität.

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Tag der kleinen, feinen und unabhängigen Verlage

[… ] Noël erklärte mir einmal […], daß sowohl Männer wie Frauen – hierin den Göttern gleichend – ihre Lieblingstiere nach ihrem eigenen Bilde zu wählen pflegen. Mein Freund aber hatte seine heimliche Lust daran, diese Ähnlichkeit noch zu unterstreichen.

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Maro Verlag Signum
»Elliot Paul führt uns ins kulturell-künstlerische Pariser Zentrum zwischen Montmartre und Montparnasse in den Goldenen Zwanzigerjahren, genau genommen in die Rue de la Huchette. [...]
 Bewundernd und liebevoll erzählt Elliot Paul in seinem hochgelobten Roman »Das letzte Mal in Paris« von den Bewohnern seiner Straße in einzelnen Episoden, die er zu einem spannenden Roman verwebt. [...] Elliot Pauls meisterhaft geschilderten Beobachtungen zeigen die Ängste und Hoffnungen der Pariser Bürger auf, während sich die Stimmung in Politik und Gesellschaft drastisch verändert. »Das letzte Mal in Paris« ist ein spannendes zeitgeschichtliches Dokument der französischen Gesellschaft vor dem Zweiten Weltkrieg.«  (Verlag)
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Christian Morgenstern / Berlin 1895
eine der zwei Fotografien im Buch, entnommen:
Michael Bauer; Christian Morgensterns Leben und Werk / Urachhaus, NA 2014 (EA 1933 bei Pipere)

Wer vom Ziel nichts weiß
Mit Christian Morgenstern durch das Jahr

Schon 1939 hatte Margareta Morgenstern ein Vademekum von des Dichters Zitaten für den Piper Verlag zusammengestellt, und nun hat der kleine rührige Augsburger Verlag Maro Heidrun Haase beauftragt, Worte von Christian Morgenstern neu zusammenzustellen. Wer die schöne Einbandgrafik geschaffen hat, konnte ich nicht herausfinden. Hier sind die Worte Morgensterns für den 13, 14, und für den 15. Februar:

13 Humor ist äußerste Freiheit des Geistes. Wahrer Humor ist immer souverän.

14 Das geht an dich und mich und jeden:
Mehr sein, weniger reden,
weniger sagen, fragen, klagen,
mehr die Wärme nach innen schlagen.
Unsere Zungen in Züchten halten,
nicht immer die ewig alten
Sätze und Plätze wiederkäuen,
Phrasen und Fratzen in allem scheuen,
langsam prüfen, sich gern bescheiden,
alles schnelle Vorurteil meiden,
uns genügen im Unentbehrlichen,
uns vereinfachen, uns verehrlichen,
eins vom Kinder- zum Greisenleben:
weise, weise zu werden streben.

15 Heftige Bewegungen machen alle Tiere scheu.
So sollte sich auch der vollkommene Weise im
Geistigen jäher Bewegungen enthalten.
Im Grunde ist es das Gleiche, wie du an ein
Pferd herangehst und sein Zutrauen gewinnst,
und wie du an einen Menschen dich wendest
und ihn eroberst.

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Einband Detail, Maro Verlag, 5. Auflage 2017 Illustrator unbekannt

Folgendes Gedicht von Christian Morgenstern hatte übrigens Primo Levi, damals noch Überlebender der Nazi-Verbrechen, 1987 für einen Artikel in der NYRB ausgewählt, Beyond Judgement, angesichts fortwährender ernster Bedrohungen – in diesem Fall nuklearer Natur. Das Gedicht bleibt traurig aktuell, vermag aber nach wie vor uns zum Lachen zu bringen. Trotzdem eben. So sind wir Spezies.

Christian Morgenstern
Die unmögliche Tatsache

Palmström, etwas schon an Jahren,
wird an einer Straßenbeuge
und von einem Kraftfahrzeuge
überfahren.

»Wie war« (spricht er, sich erhebend
und entschlossen weiterlebend)
»möglich, wie dies Unglück, ja –:
daß es überhaupt geschah?

Ist die Staatskunst anzuklagen
in bezug auf Kraftfahrwagen?
Gab die Polizeivorschrift
hier dem Fahrer freie Trift?

Oder war vielmehr verboten,
hier Lebendige zu Toten
umzuwandeln, – kurz und schlicht:
Durfte hier der Kutscher nicht –?«

Eingehüllt in feuchte Tücher,
prüft er die Gesetzesbücher
und ist alsobald im klaren:
Wagen durften dort nicht fahren!

Und er kommt zu dem Ergebnis:
»Nur ein Traum war das Erlebnis.
Weil«, so schließt er messerscharf,
»nicht sein kann, was nicht sein darf.«

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