Von Städten und Menschen

giotto
Giotto di Bondone; Fresken in der Kirche San Francesco in Assisi (Der Hl. Franziskus schenkt seinen Mantel einem verarmten Ritter, Detail: Stadtlandschaft); 1296–1298
Bildquelle: Zeno

Aus dem Archiv (*April 2013)

S. Fischer

Als Fischer Taschenbuch ist gerade [*] von Italo Calvino Die unsichtbaren Städte erschienen (Le città invisibili, 1972). Ich fragte eine Italienerin: Wie ist das Buch so? und sie antwortete: „Schwierig, schwierig“.

Beim ersten Hingucken erscheint es mir eher leicht. Da sind lauter kurze Kapitel, die jeweils eine Stadt beschreiben. Doch kam mir Swift in den Sinn, der ja auch so harmlos daher kommt, was bereits ahnen läßt, dass man nicht so schnell mit dem Buch durch ist. Calvino nun läßt nicht Gulliver sondern Marco Polo von den fremden Städten erzählen, und Kublai Khan hört ihm zu und stellt zwischen den Absätzen Fragen oder sinniert über das Erfahrene.

Giotto (Detail)

Auf dem Titelbild ist eines der faszinierenden architektonischen Fresken der Renaissance zu sehen, von Giotto di Bondone aus der Kirche San Francesco in Assisi. Es trifft den Ton des Buches und illustriert ganz anschaulich, wie es sich mit diesen Calvino Texten verhält. Man glaubt, man sieht alles mit einem Blick, aber die Perspektive verschiebt sich und uns beim Lesen.

Die unsichtbaren Städte ist ursprünglich beim Hanser Verlag erschienen, der sich ja für italienische Literatur stark macht, und ist dort in gebundener Form weiter lieferbar. Der Übersetzer, Burghart Kroeber, wurde für seine Arbeit mit dem Christoph-Martin-Wieland-Übersetzerpreis 2011 ausgezeichnet.

Nur in den Berichten von Marco Polo vermochte Kublai Khan durch die zum Einsturz bestimmten Mauern und Türme hindurch das Filigran eines Musters zu erkennen, so fein, daß es dem Biß der Termiten entging.

PS.: Peter Fraser fand Calvinos Buch so anregend, dass er eine ganze Serie von Fotografien schuf. Sein Buch A City in the Mind ist bei Steidl erschienen.

Hanser / Mondadori / Edition Erdmann (im Verlagshaus Römerweg) / Manesse (in Random House – vergriffen) / Steidl (vergriffen)

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1 Kommentar zu „Von Städten und Menschen“

  1. Folgende Leserzuschrift veranlasste mich, den Artikel noch einmal hochzukramen, und es ist immer gut, Calvino zu empfehlen:

    „[…]We recently published an article on the history of Fluxus […] The article covers the movement’s origins in the 1960s and elaborates on the impact that prominent members like Yoko Ono and George Maciunas had on art and on what art could mean. Artsy is working to build the most comprehensive art database in the world and make it accessible to anyone with an internet connection, and I’m reaching out to website and blog owners like you to ask for your help in spreading the word. One of the foremost ways we reach new audiences is through articles like this one, and a link on your page to the article would be a huge help.“

    Hier ist also die Verknüpfung zur Fluxus Datenbank. Viel Freude beim Durchreisen dieser Welt, die teils von hier ist und teils von woanders, aber das Menschliche in uns wach halten möchte:

    https://www.artsy.net/article/artsy-editorial-fluxus-movement-art-museums-galleries

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