Benjamin an Kracauer, aus Paris

als das Nashorn noch mit Stier und Eiffelturm vereint war
Postkartenmotiv, zitiert aus der FAZ

M* schickte dieses Motiv aus einem jüngst gelesenen FAZ-Artikel (- Bettina Hartz rezensiert* die neue Kracauer Biographie von Jörg Später, auch bei Suhrkamp erschienen / 39,95 € -): eine Postkarte, die Walter Benjamin an Siegfried Kracauer schrieb; und das passt zu der Nachricht, dass ich jetzt mal endlich das Passagen-Werk von Walter Benjamin besorgt habe (Suhrkamp TB Werk-Ausgabe in zwei Bänden /  32,00 €), das ich zu bestellen schon vor einem Jahr vorgenommen hatte (siehe Artikel der Berliner Zeitung – den Verfasser zu notieren habe ich leider versäumt).

Reizvoll klingt auch, im gleichen Atemzug besprochen, ‘Straßen in Berlin und anderswo‘, von Siegfried Kracauer, in der Bibliothek Suhrkamp erschienen (19,95 €); bestelle ich gerne.

Suhrkamp

aus der Leseprobe:

Straße ohne Erinnerung
Scheinen manche Straßenzüge für die Ewigkeit geschaffen zu sein, so ist der heutige Kurfürstendamm die Verkörperung der leer hinfließenden Zeit, in der nichts zu dauern vermag. Am deutlichsten bin ich mir dieser Tatsache durch zwei Ereignisse bewußt geworden, die ungefähr ein Jahr auseinanderliegen und in sich zusammenhängen. Das erste: Ich will vor Antritt einer Reise noch rasch eine mir altvertraute Teestube aufsuchen, um dort eine Kleinigkeit zu Mittag zu essen. Die Teestube gehört so durchaus zu meinem Stammbesitz an Lokalen, daß ich, ohne mich weiter umzusehen, automatisch das Vorgärtchen passiere und die Türklinke niederdrücke. Die Tür ist verschlossen.

Suhrkamp
* FAZ – Rezension, siehe unter bücher.de

Erschrocken blicke ich auf und erkenne durch die Spiegelscheiben, daß das Innere geräumt ist. Es muß über Nacht geräumt worden sein, denn am Abend vorher war die Teestube noch erleuchtet gewesen. Oder täusche ich mich? Während ich mir den gestrigen Abend zu vergegenwärtigen suche, bemerke ich unmittelbar vor mir ein Schild an der Tür, auf dem erklärt wird, daß der Eigentümer des Lokals dieses bald an einer anderen Stelle aufzumachen gedenke. Da ich nicht so lange warten kann, kehre ich traurig um und besuche ein mir bisher unbekanntes Café an der nächsten Kurfürstendammecke.
Das zweite Ereignis, das sich, wie gesagt, ein Jahr später zugetragen hat, betrifft eben dieses Café. […]

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