Ein Märchen aus Russland

afanasjew
Anaconda
Titelillustration von H. Brüderlin

Der kranke Löwe

Der Löwe lag krank in seiner Höhle, da kam der Bär, ihn zu besuchen. Der Löwe fragte ihn: „Merkst du nicht, wie es in meiner Höhle stinkt?“
„Ja, wirklich, es ist ein übler Gestank hier!“, antwortete der Bär.
Diese Antwort erzürnte den Löwen und er zerriss den Bären.
Der Hase hatte dies auch angesehen und als er kam, dem Löwen seine Aufwartung zu machen, antwortete er auf die gleiche Frage: „O nein, hier stinkt es gar nicht; es duftet sogar sehr gut!“
„Du lügst!“, schrie der Löwe. „Es duftet nicht, es stinkt!“ und da zerriss er den Hasen.
Darauf kam der Wolf und der entgegnete dem Löwen auf seine Frage: „Es stinkt nicht und duftet nicht.“
„Du lügst“, sagte der Löwe, „das kann nicht sein“, und tötete ihn.
Zu allerletzt kam die Füchsin. Der Löwe fragte sie: „Stinkt es oder duftet es in meiner Höhle?“
Die schlaue Füchsin antwortete: „Vergebt mir, erlauchter Zar! Ich habe gerade einen so heftigen Schnupfen, dass ich es nicht unterscheiden kann, ob es stinkt oder nicht, und zu lügen wage ich nicht…“
Da verschonte sie der Löwe, weil sie so klug war.

Aleksandr Nikolayevich Afanasyev
Fotograph unbekannt
Bildquelle: Wikipedia commons
»Die russische Originalausgabe erschien in Petersburg zwischen 1855 und 1863 in acht Bänden unter dem Titel Narodnye russkije skaski. Die vorliegende Ausgabe vereint die beiden Bände Russische Volksmärchen. Gesammelt von Alexander N. Afanasjew; Deutsch von Anna Meyer, Wien; Stern 1906 (darin 43 Märchen von "Die Füchsin und der Wolf" bis "Wassilissa die Popentochter" und [...davon die] Neue Folge [...] Wien, Ludwig, 1910 (darin weitere 20 Märchen von "Der Traum" bis "Der Geizhals"). Lautstand, Orthographie und Interpunktion wurden behutsam überarbeitet.«   (Verlag)
Albatros

Für Englischsprecher gibt es zwei wunderbare Hörspiele, Russische Märchen erzählt von Natalia Makarova („I’m a ballerina, not a story teller …“ is, how she starts telling her stories), verlegt bei Delos. Wir haben sie zu Hause immer und immer wieder angehört: „The Frog Princess“ (Die Froschprinzessin), mit Prokofjews Kindermusik, Opus 65, und Andersens „Snow Queen“ (Schneekönigin), mit Stücken aus dem Kinderalbum von Tschaikowsky, jeweils gespielt von Carol Rosenberger. Die Froschprinzessin ist in dieser Anaconda-Märchensammlung enthalten: „Zarewna Frosch“ (S. 364)

[…] Da sprach einmal der Zar zu ihnen: »Meine lieben Kinder, nehm euch jeder einen Pfeil, spannt eure starken Bogen und schießt nach verschiedenen Richtungen. Wo die Pfeile niederfallen, dort findet ihr eure Bräute.«

…. und so kommt Iwan Zarewitsch zu seine Quakuschka, aber das ist nicht das Ende der Geschichte, sondern nur ihr Anfang.

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