aus Lepenies‘ Dankesrede 2006

»Es wäre selbstmörderisch, auf „Gegnerforschung“ zu verzichten. Notwendig ist es, der Militanz wehrhaft zu begegnen auch mit den Mitteln der Wissenschaft. Es reicht aber nicht mehr aus, sich zum Erkennen von Gegnern und zur Abwehr von Feinden wie in Bismarcks Zeiten in die Mentalität von Fremden zu versetzen. Wenn beispielsweise der britische Innenminister die Terroristen von London „sehr böse Menschen“ nennt, dann spricht er nicht nur von Muslimen, sondern zugleich von britischen, in Großbritannien geborenen Staatsbürgern. Um zu verstehen, wie sie zu Terroristen wurden, genügt keine „Auslands“-, dazu bedarf es auch einer „Inlandswissenschaft“. Nicht nur die Abwehr des Islamismus, auch die Kritik des Islam ist – wie jede Religionskritik – legitim. Diese Kritik aber kann die Versäumnisse der europäischen Integrationspolitiken nicht kompensieren.«

Agnes Franceschinis – gleichfalls lesenswerter – Essay „Feindbild Europa“ (zum Buch von Claus Leggewie; Anti-Europäer, bei Suhrkamp) beim online Magazin ‘Tell’ stieß mich auf die Rede des Trägers vom Friedenspreis des deutschen Buchhandels, Wolf Lepenies (- siehe S. 5, ff), das in Gänze (wieder-) gelesen zu werden lohnt in diesen Zeiten.

Das Wehrhafte war mir zuletzt noch bei Heinrich Manns Henri Quatre begegnet, (Humanisten, die auch „reiten und zuschlagen“ können, in R***s Kommentar), aber bei Lepenies verstehe ich nicht materielle Waffen, sondern eher die Mittel der zivilen Gesellschaft und dabei die Rolle der Wissenschaft. Gut, sich über alles Gedanken zu machen.  Integration heißt bei Lepenies nicht Anpassung, sondern das Einander verständigen, würdigen und tolerieren im Rahmen allgemeiner Grundrechte und Regeln des Zusammenlebens.

Bücher von Wolf Lepenies bei Hanser / bei Suhrkamp / bei ‘Sinn und Form’.

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