Festland, von Markus Werner

S. Fischer

Markus Werner
Festland
Roman
S. Fischer, 1996
Tb 9,99 €

Patronatsbuch No 42

Vor ein, zwei Tagen ließ sich K.* dieses Buch aus dem Fenster reichen, setzte sich und verfiel einige Zeit in Stille, tauchte dann wieder auf und meinte zufrieden: das liest sich gut an, das nehme ich. Nun habe ich den Roman nachbestellt und auch etwas probiert und stimme unbedingt zu.
* K. steht für Kunde

„Blust“ nennt der Schweizer die Blüte – die Osterzweige im Schaufenster

Vorgestern angekommen, heute den Weg gegangen, Fuß vor Fuß auf die eingemörtelten, rundlichen, kinderfaust- bis männerfaustgroßen Natursteine setzend, die in der Morgensonne nicht speckig, sondern seidig glänzten, ja, wie auf Perlen bin ich gegangen, auf weißen, hellbraunen, dunkelgrauen, und über die hangseitige Umfassungsmauer züngelt manchmal ein Feuerbusch, und in die seeseitige Umfassungsmauer ist manchmal ein Gittertor eingelassen, durch dessen rostige Stäbe man den See und die Hügelzüge des Westufers sehen könnte, wenn sich der Blick nicht verfinge im fülligen Blust der Magnolienbäume und in den Riesenhochzeitssträußen der Kamelien.

Hier erzählt Julia, die sich gerade aus dem Nerventief nach bestandener Prüfung hervorarbeitet. Sie ist dem Ruf ihres Vaters nach Orta im Piemont gefolgt; lange Jahre hatte es keine Verbindung zwischen beiden gegeben, und eine Entdeckungsreise in mancher Hinsicht beginnt.

Bücher vom Buchpatron empfohlen

»Camus habe er bewundert, hielt Werner einmal fest. Gewiss, er mag lakonischer schreiben als der Franzose, gelegentlich hat er seine Texte aphoristisch zugespitzt, aber er teilt mit Camus das uneingeschränkte, fast zwanghafte Interesse an der Condition humaine. Werner führt seine Figuren konsequent in existenzielle Grenzbereiche, an die Ränder der Gesellschaft und in den Strudel zermürbender Selbstzweifel. Die Hinfälligkeit der Existenz und der Verlust dies- wie jenseitiger Verlässlichkeiten haben die Seinsgewissheit von Werners Figuren erschüttert.«, schreibt Roman Bucheli im Nachruf (in der NZZ vom 4. Juli 2016; „Mit dem Witz des Moralisten“)

Autorenfoto S. Fischer
von Selwyn Hoffmann

Es war hohe Zeit, daß mich der Buchpatron auf diesen von mir bisher übersehenen Autoren aufmerksam macht. Ich bin mir sicher, daß ich alle seine Bücher gerne lesen werde. Jetzt habe ich mal seinen Erstling bestellt: Zündels Abgang, von 1984.

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