Erich Maria Remarque (1898-1970)

Erich Maria Remarque.
Photo: Albert Harlingue/Roger Viollet/Getty Images

Fotoquelle: The New Statesman

Bange

wie immer, frei übersetzt aus Petri Liukkonens „Authors‘ Calendar

»[…] Erich Maria Remarque wurde in Osnabrück in bescheidenen Verhältnissen geboren. Seine Ahnen waren Franzosen; der Familienname war im frühen 19. Jhdt. „eingedeutscht“ worden. Peter Franz Remark, Remarques Vater, war ein dürftig gelöhnter Buchbinder. Obwohl Franz Remark kein sonderliches Interesse in intellektuellen Aktivitäten vorwies, ausgenommen sein Interesses an okkulten Dingen, hatte die Familie ein Klavier, und es gab eine Zeit, in der Remarque eine musikalische Karriere geplant hatte. Er spielte einst Orgel in eienr Nervenheilanstalt.

Des Schriftstellers Almanach
aus Petri Liukkonens „The Authors‘ Calendar
für den deutschsprachigen Leser

1904 kam der sechsjährige Remarque in die Domschule und ging vier Jahre später zur Johannisschule. Remarque war immer „Klassenbester“, wie sich einer seiner engen Freunde später erinnerte. Eine Zeitlang studierte Remarque an der Universität in Münster, aber mußte mit 18 Jahren in die Armee. Er erhielt seine Ausbildung in Osnabrück und in einem Heerlager in der Lüneburger Heide und wurde dann an die Westfront geschickt. In Flandern war er Zeuge der Dritten Flandernschlacht; der Verlust bei den Deutschen wird allgemein zwischen 500,000 und 660,000 geschätzt. Remarque wurde von britischen Truppen bei Diksmuide verwundet und verbrachte den Rest des Krieges in einem Lazarett in Duisburg. […]

Kiepenheuer & Witsch

Im Westen nichts Neues traf den Nerv der Zeit und entfachte einen Sturm politischer Kontroverse. Das Buch, das zunächst vom Verleger zurückgewiesen worden war, erzielte im ersten Jahr eine Auflage von 1,2 Millionen. H.L. Mencken nannte es „ohne Frage, der beste Roman zum Ersten Weltkrieg“ […]

Remarque starb in der Sankt Agnes Klinik bei Locarno, am 25. September 1970. Er hatte seit Monaten an einem Aneurysma gelitten.

Wenn es nach den Todesanzeigen ginge, wäre der Mensch nämlich absolut vollkommen. Es gibt da nur perfekte Väter, makellose Ehemänner, vorbildliche Kinder, uneigennützige, sich aufopfernde Mütter, allerseits betrauerte Großeltern, Geschäftsleute, gegen die Franziskus von Assisi ein hemmungsloser Egoist gewesen sein muß, gütetriefende Generäle, menschliche Staatsanwälte, fast heilige Munitionsfabrikanten – kurz, die Erde scheint, wenn man den Todesanzeigen glaubt, von einer Horde Engel ohne Flügel bewohnt gewesen zu sein, von denen man nichts gewußt hat. Liebe, die im Leben wahrhaftig nur selten rein vorkommt, leuchtet im Tode von allen Seiten und ist das häufigste, was es gibt.

(in Der schwarze Obelisk, 1956)«

siehe auch: Erich Maria Remarque: Im Westen nichts Neues (1929), bei Sätze & Schätze

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3 Kommentare zu „Erich Maria Remarque (1898-1970)“

  1. Danke für den Beitrag und die Biographie von Erich Maria Remark oder Remarque mit dem ergänzenden Hinweis zum Schicksal seiner Schwester.
    „Im Westen nichts Neues“ war eine prägende Lektüre in der Jugend, „Der Funke Leben“ erschütternd und belehrend, wie auch „Die Nacht von Lissabon“.
    Erinnerung – lange her: Im Deutsch-Unterricht fragte der Lehrer, was wir zur Lektüre vorschlagen, und ich wünschte mir Remarque. Der Studienrat, den ich gerne mochte, diskutierte und lehnte ab. Remarque gehörte nicht zum Kanon beziehungsweise zu seinen Favoriten, wurde vielleicht zur Unterhaltungsliteratur gezählt. Wie dem auch sei, wir können ja auch selber lesen. Dabei ist Anleitung, Diskussion und Reflexion willkommen.
    Wie wird Remarque heute gelesen?

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  2. Ja, monologe, bei Petri Liukkonen habe ich keinen Grund für die Wahl des Alias gefunden, auch nicht, warum die Familie vorher den französischen Namen abgelegt hatte, aber man kann schon deutschnationale Grüne vermuten, Anfang des 19. Jahrhunderts. Sein erster Roman, Die Traumbude, ist 1920 offenbar noch unter „Erich Remark“ erschienen.
    Interesssant in diesem Zusammenhang ist vielleicht, daß Michel Tournier Remarque ins Französische übertragen hat und – irgendwo, vielleicht im Zusammenhang mit seinem Roman „Der Erlkönig“ – darüber schreibt, wie sehr er von ihm beeinflußt worden war.

    „Jedenfalls hat man ihm in den 30ern die deutsche Staatsbürgerschaft aberkannt“ – es war noch viel schlimmer. Ich habe nicht alles von Liukkonen übersetzt:

    „Remarques Bücher wurden 1930 von der Regierung in Deutschland verboten, „Im Westen nichts Neues“ und „Der Weg zurück“ zählten 1933 zu den „Verbrannten Büchern“, und es wurde zum Boycott seiner Werke aufgerufen. Die Filmpremiere [von „Im Westen nichts Neues“] wurde von Nazi-Horden gestört; Remarque wurde des Pazifismus und der Verunglimfpung des deutschen Soldaten bezichtigt. Die Nazis folterten 1943 seine Schwester, Elfriede Scholz, und mordeten sie mit der Guillotine [Berlin-Plötzensee]. Der Richter [Roland Freisler] kommentierte Berichten nach, daß die Schwester einspringen müsse, wenn man den Bruder nicht zu fassen bekäme.

    Remarque verlor 1938 seine Staatsangehörigkeit, aber schon 1932 war er in die Schweiz gezogen und emigrierte 1939, auf den Spuren von Marlene Dietrich, in die Vereinigten Staaten.“

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  3. Erwähnenswert vielleicht noch, dass Remarque eigentlich Erich Paul Remark hieß. Es steht irgendwo geschrieben, scheint aber zweifelhaft, dass er sich aus Solidarität und Sympathie für die Franzosen und Frankreich (seine Familie stammte aus Frankreich) in Remarque umbenannt habe. Jedenfalls hat man ihm in den 30ern die deutsche Staatsbürgerschaft aberkannt, in den USA bekam er die amerikanische Staatsbürgerschaft.

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