Basislager bezogen / Sinn und Form

Foto: laif / Bildquelle: FAZ, Samstag 12. März 2011

Das Foto, das den Artikel von Nicole Krauss, „Retten wir die Buchhandlung!“, illustrierte, hing gleich hinter der Ladentür. Mein Entzücken über das Bildmotiv wurde über die Jahre von vielen Besuchern und Kunden geteilt. Jetzt soll es für eine ermessliche Ewigkeit den Buchmerkur als Motto zieren. Und weiter geht’s vom Basislager aus.

Gefolgschaft

Mit meinem Auszug aus der Schröerschen Buchhandlung und aus dem Händlerdasein werde ich natürlich die Bücher und das Lesen und – so hoffe ich sehr – den Austausch zu Gelesenem – nicht verlassen. Wer mir hierher folgt, ist herzlich willkommen.

Sinn und Form
Von den Büchern traf gestern ein mir liebgewordener Gefährte frisch ein, nämlich das Heft 5/2017 von Sinn und Form. Das Abonnement werde ich privat weiter pflegen. Wie immer, wenn ich darin anfange zu lesen, erfreut und ermuntert es mich. Gewöhnlich starte ich am Anfang, aber gestern dachte ich, guck mal durch, was überhaupt alles drin steht und pick Dir das Spannendste heraus – keine leichte Entscheidung bei Sinn und Form.

Gisela von Wysocki und der Heinrich-Mann-Preis

Es war, in zweierlei Hinsicht am Ende, Lothar Müllers Laudatio auf Gisela von Wysocki, die heuer mit dem Heinrich Mann Preis geehrt worden ist. Ich hab es gerne von Anfang bis Ende gelesen und gesehen, wie viel es noch bei den Schriften von ihr zu entdecken gäbe. Höchste Zeit, mir einen Bibliotheks-Pass zu besorgen, und dann möchte ich gerne Wiesengrund lesen, ihren Roman. Auch die Essays wecken meine Neugierde.

Jetzt verstehe ich auch mehr, wie bei Frau von Wysocki die Themen und Texte erwachsen aus einer Mischung eigener Erfahrung und erworbener Fachkenntnis, die wiederum Teil der eigenen Erfahrung wird. Beim Lesen meine ich herauszuspüren, wenn irgendwelche Empfindungen und Ideen die Autoren umtreiben und sie sich schreibend damit auseinandersetzen. Das ist, was mich dann selbst fessselt, weil es „ehrlich“ ist – es zielt nicht auf Wirkung hin oder dient der Demonstration des eigenen Könnens, sonder ist nötig und dringend.

siehe auch: Aus dem Archiv (über Gisela von Wysocki; Wir machen Musik, am Vorlesemontag – Text herunterrollen). Gisela von Wysocki wird von Suhrkamp verlegt.

Bildquelle: Akademie der Künste

Wegen des Heinrich Mann Preises verweise ich noch einmal auf das Henri Quatre Colloquium, das weiterhin für Kommentare offensteht. Darauf ging Lothar Müller beispielsweise nämlich, nach meinem Befinden, nicht ein: welche Bedeutung hat von Wysockis Schreiben hinsichtlich Mann? Könnte man drüber nachdenken. In der Begründung der Jury heißt es:

In zwei neueren Büchern ist es der Autorin gelungen, den poetisch durchleuchteten Lebensmoment zum Element einer Großform zu machen, in der das Romanhafte und Autobiographische ineinanderschwingen. Wir machen Musik und Wiesengrund heißen diese Bücher, die das Leben der Sinne wie des Geistes (…) aufleuchten lassen.

Das passt.

Arthur Schnitzler und Alfred Kerr

Dann las ich noch Einführung und Briefwechsel von Arthur Schnitzler und Alfred Kerr. Aus der Vorbemerkung von Elgin Helmstaedt stellt die Akademie der Künste eine Leseprobe zur Verfügung, so daß Sie selbst sehen können, welcher Reichtum sich hier an Geschichte und Seelenleben und Schriftstellertum andeutet.

Ich freue mich schon auf die anderen Beiträge.

frühere Ausgaben der „Sinn und Form“ zu Hause

Fülle, Ordnung, Austausch

Die Akademie der Künste verfügt über Archive, die sie mittels dieser Vierteljahreszeitschrift für den interessierten Leser erschließt. Das geschieht sorgfältig und klug. Die Einführungen klären Hintergründe und Umstände; Fußnoten beantworten Fragen, die aufkommen; die Form: Schrifttype, Papier und Format, gefallen mir – wie gesagt, es ist eine Freude.

Im Briefwechsel erscheint bei Schnitzler die Spannung zwischen ‚Fülle‘ und ‚Ordnung‘. Das spricht mich an, wo auch ich mich doch mit Archiven auseinandersetze, wenn sie auch von geringerem Interesse sein mögen. ‚Sinn‘ und ‚Form‘ sind schon erstrebenswerte Ideale. Dazu kommt noch, hoffentlich, der Diskurs, damit die menschliche Dimension lebendig bleibt.

Briefe von Arthur Schnitzler hat der Verlag S Fischer verlegt, wo auch die Werkausgabe von Alfred Kerr zu finden sind. Im Aufbau Verlag erschienen Kerrs „Briefe eines preußischen Europäers„. Die Schriften von Arthur Schnitzler sind zahlreich in der Reclam Universal Bibliothek zu finden.

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