Schaufenster November

von links oben: Mel Bay Publ.; NYRB; Gmeiner; Alfred A. Knopf; S. Fischer; Salzer; Piper; Ullstein; Suhrkamp/Insel
Mitte: BoD; Suhrkamp/Insel; Dt. Hydrographisches Institut Hamburg; Schweizer Druck- und Verlagshaus
Unten: Granta; Kohlhammer; Abradale Press

Streng genommen habe ich keine Zeit hierzu, aber ich kann’s nicht lassen, und die Abende werden lang und die Lust aufs Lesen – neben den Pflichtlektüren – steigt. Deswegen habe ich mal wieder aus den Regalen und vom Lesetisch einen feinen kleinen Stapel versammelt mit Büchern, die – oder in denen – ich schon gelesen hatte, die ich gerne noch lesen und die ich einfach zeigen möchte.

Sofern die Bücher (in neuen Auflagen) lieferbar sind, habe ich sie mit dem Verlag verknüpft, und ihr Buchhändler oder Antiquar nebenan wird glücklich sein, sie für Sie zu besorgen – oder es bietet sich ein Besuch der Stadtbücherei an. Also los geht’s.

Himmlischer Glanz von Erik von Grawert-May

Vor zwei, drei Tagen bei meiner Radfahrt am frühen Morgen nach Dahlem gab es ein ungeahntes Himmelslicht für einen Tag so spät im November. Alles, was irgendwie Farbe hatte, die letzten Blätter, die Hausfassaden, sogar der Asphalt, die Autos – alles leuchtete gewaltig. Ich fragte mich, woher die alte Sonne diese Kraft schöpfte. Es war ein Wunder.

Der Himmlische Glanz in den inzwischen zwei Bänden (Wolff Verlag / BoD) von Erik Grawert-May speist sich unter anderem von der Sonne Italiens, und dorthin lass ich mich gerne entführen.

Wo ich soeben von Bibliotheken sprach: wer das Glück mit mir teilt, in Berlin zu wohnen, hat mit der Scharounschen Staatsbibliothek einen weiteren Ursprung von Glanz, und ein guter Teil der beiden Bücher von Erik von Grawert-May preist Bau und Inhalt, während sein Erzähler in eine Doppelgängerrolle tappst und in einem fremden Leben für sich neue Horizonte aufschließt, flannierend, sinnierend, mit leisem Spott und mitunter verärgert oder irritiert.

Ich habe beide bisher erschienenen Bände mit Freude gelesen, weil Grawert-May gut plaudert, glänzend unterhält aber auch zum Denken anregt und mitunter zum Widerspruch reizt. Wenn ich meine Freude genährt sehe an der Architektur und an Formen der Stadtplanung, aber auch am Diskurs in Fragen der Kulturpolitik, dann ist es gut. Grawert-May erfüllt auch in bestimmten Bereichen die Aufgabe des Chronisten. Auch ich habe die Ausstellung der Siegerentwürfe für den Museumsneubau auf der Brache am Kulturzentrum angeschaut, aber nicht schriftlich festgehalten, wie er es tut.

Wie soll ich diese beiden Bücher recht empfehlen? So schnell kann ein verkürzter Eindruck entstehen. Es gefällt mir beispielsweise, wie Schelmerei und Plauderton in ernste Betrachtung philosophischer oder historischer Themen lenken. Über die Lektüre von „Pfingstwunder“ von Sibylle Lewitscharow leitet der Autor uns beispielsweise zu Dantes Commedia und zu Beatrice. Darin kreist vieles um den Gruß, den Beatrice einst Dante zugedacht hatte und der sein weiteres Leben und Dichten bestimmte. Ist es nun komisch oder tiefsinnig, daß über diesen Umweg der Autor auf eine Betrachtung des Umgangs miteinander in unserer Zeit führt?

Motiv von einer der beiden farbigen Abbildungen im zweiten Band Himmlischer Glanz, Quelle: lessormore, bei deu.archinform.net

Aber lassen wir noch einmal das Licht aufscheinen, den himmlischen Glanz großartiger Architektur:

„Und es ist wieder als ein genialer Zugriff von Scharoun zu werten, wie er mit den leuchtenden Formen der Halbkugeln seine Denkfabrik durchkreuzt, ja sie zu einem sakralen Gebilde geformt hat. […] Das aus dem Filter hervorgehende Fluidum luminale dürfte an den Halbschatten in San Spirito erinnern – eine schwimmende, florentinisch angehauchte Berliner Bücherkirche in den Abendstunden.“ (S. 97)

Selma G Lanes; The Art of Maurice Sendak

Maurice Sendak; Hintergrundbild für den Animationsfilm „Really Rosie“, 1974 / in: Selma G. Lanes; The Art of Maurice Sendak
Higgelty Piggelty Popp

Wem bei Sendak nur die „Wilden Kerle“ einfallen, der ist zu bedauern. Unter meinen Lieblingsbüchern zählen „Der Bienenmann von Orm“ und „Der Greif und der jüngste der Domherren“ – Sendak hatte da geistreiche tiefsinnige Geschichten von Frank R. Stockton illustriert. Beide waren einmal bei Diogenes in deutscher Übersetzung als schöne Bilderbücher verlegt worden, sind aber seit Langem nicht mehr zu haben. Immerhin hat der Aladin Verlag sich inzwischen sehr um das Werk bemüht. Die „Nutshell-Library“ muß unbedingt genannt werden, mit „Chicken Soup with Rice“, „Pierre“, „Alligators All Around“ und „One was Johnny“. …. und die „Little Bear“ Bücher …. und „Sarah’s Room“ … und „In The Night Kitchen“ … und und und. Hier sind alle deutschen lieferbaren Titel mit Illustrationen von Maurice Sendak.

Sendak Bücher bei HarperCollins
Foto von der alten Schröerschen

Damit erst mal genug für Heute. Sobald es geht, schreibe ich weiter zu den Büchern auf diesen Fotos.

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