Der Tag des Hieronymus und aller Übersetzer

Fédération Internationale des Traducteurs
Domenico Ghirlandaio (1449–1494) Fresko in der Kirche San Salvatore di Ognissanti, Florenz

Beim Besuch der Gemäldegalerie letzte Woche fielen mir wieder die zahlreichen Darstellungen des Heiligen Hieronymus ins Auge. Meist erscheint er aber als der Büßer in der Wildnis, der sich, wie im Gemälde von Schäufelein, mit einem Steinbrocken auf die entblößte Brust schlägt. Deswegen habe ich lieber dieses Fresko ausgegewählt, wo Hieronymus uns aus seiner Studierstube heraus freundlich anschaut.

Gerade lese ich als Vorbereitung auf ein neues spannendes Studiensemester in Islamwissenschaften das Buch von Amitav Ghosh: In an Antique Land (erschienen 1992 bei Granta, London* – deutsch von Matthias Müller: In einem alten Land / vergriffen). Darin erzählt er von seiner Recherche in alten Skripten aus dem Kairoer Geniza Archiv in den Spuren des Shlomo Dov Goitein, der bis zu seinem Tod 1985 in Princeton forschte und lehrte. Dieser hatte über einen Briefwechsel aus der Mitte des 12. Jhdts. zwischen den arabischen und hebräischen Händlern und Freunden, Khalaf ibn Ishaq in Aden und Abraham Ben Yiju in Mangalore, Karnataka, an der Westküste Indiens. Es taucht in den beiden im Geniza Archiv erhaltenen Briefen ein Sklave des Ben Yiju auf, den Khalaf ibn Ishaq namentlich und ausdrücklich grüßen läßt. Auf dessen Spuren begibt sich Ghosh.

* Ich konnte heute die Verlagsseite Granta Books [grantabooks.com] nicht öffnen, deswegen hier die Verbindung zum Antiquariat .
Amitav Ghosh, vom großen David Levine, NYRB

 

Aus gegebenen Anlass übersetze ich hier frei drei Passagen aus seinem Buch, zum Abenteuer des Übersetzens (Seiten 101 und 102 f):

„Ben Yijus Dokumente waren zumeist in einer ungewöhnlichen hybriden Sprache verfasst: es war eine Sprache die solch einen altertümlichen Klang hatte, daß sie in einem Buch über erstaunliche Fakten eingetragen werden könnte. Heute kennt man sie als Judäo-Arabisch; es ist ein umgangssprachlicher Dialekt des mittelalterlichen Arabisch, geschrieben in Hebräisch. […]

Obwohl Judäo-Arabisch viel näher an der gesprochenen Sprache war als das Arabische als Literatursprache war es nicht ganz und gar umgangssprachlich. Die Menschen, die sich seiner bedienten, versuchten oft klassisches Arabisch in ihre Schriftsprache einfließen zu lassen, was unterschiedlichen Erfolg zeitigte. Oft benutzten sie Worte und Rechtschreibungen die gut gebildete Araber verdutzt hätten, die sie aber elegant verwendeten. Acht Jahrhunderte später entfalten diese merkwürdigen Sprachschnitzer einen umständlichen und menschlichen Charm; und eine Fassung in korrekter Form wäre dagegen nur förmlich und gesteltzt erschienen. […]

Zu meiner Überraschung fand ich […], daß die hebräische Schrift viel einfacher zu entziffern war als kursives Arabisch; denn die Lettern standen getrennt, jeder für sich. Schon bald auch machte ich weitere überaschende Entdeckungen. Ich fand, daß manche Anwendung des Dialekts von Lataifa [- wie auch Nashawy, Ghoshs fiktive Namen der kleinen Orte im Nildelta, südöstlich von Alexandria, in denen er bei seiner Ankunft aus Indien zum Studium zunächst lebte – ] verblüffend nahe zum Afrikanisch-Arabischen war, daß Ben Yiju gesprochen hatte; daßdie Dialekte von Lataifa und von Nashawy, weit entfernt davon, nutzlos zu sein,mir unschätzbare Fähigkeiten verliehen hatten.

Über die nächsten zwei Jahre, als ich den Spuren des Sklaven von Bibliothek zu Bibliothek folgte, geschah es, daß mir das Vergrößerungsglas aus der Hand fiel, wenn ich auf gewisse Worte und Passagen stieß, weil ich plötzlich die Stimme von Scheich Musa [einer der Alten von Lataifa] hörte, wie er aus den Seiten des vor mir liegenden Dokuments sprach, so deutlich, als liefe ich gerade entlang des Kanals auf meinem Weg zwischen Lataifa und Nashawy.“

Geniza of the Ben Ezra synagogue in Fostat (ancient Cairo). (Beth Hatefutsoth, Permanent Exhibition) Photo Unit Number: 1274 © All Rights Reserved

The General Assembly,
Guided by the Charter of the United Nations, […]

  1. Affirms that professional translation, as a trade and an art, plays an important role in upholding the purposes and principles of the Charter of the United Nations, bringing nations together, facilitating dialogue, understanding and cooperation, contributing to development and strengthening world peace and security;
  2. Decides to declare 30 September International Translation Day;
  3. Invites all Member States, organizations of the United Nations system and other international and regional organizations, as well as non-governmental organizations and individuals, to observe International Translation Day, in an appropriate manner and in accordance with national priorities, in order to raise awareness of the importance of professional translation, and stresses that the cost of such activities should be met from voluntary contributions;
  4. Requests the Secretary-General to continue to preserve high quality and excellence in the work of language professionals in the United Nations.

82nd plenary meeting
24 May 2017

United Nations, A/RES/71/288

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