Jenseits von Rom

Reading along the New York Review of Books

The Eerdmans Encyclopedia of Early Christian Art and Archaeology / Paul Corby Finney (Wm. B. Eerdmans Publishing Company; Grand Rapids/ MI, 2017)

Auf dem Weg nach Bethlehem

In der Weihnachtsnummer der New York Review of Book berichtet Peter Brown über zwei monumentale Neuerscheinungen zur Spätantike und zum Frühen Christentum – sein Forschungsgebiet.

Die drei üppig bebilderten und gründlich erarbeiteten Bände der von Brown vorgestellten Enzyclopädie legen Zeugnis ab für das reiche Leben früher Christen auch jenseits Roms und Europas. (Alles, wie stets, von mir frei übersetzt).

„Christentum wurde lange als eine eigentlich europäische Religion behandelt. Im Studium früher christlicher Kunst nahm man an, daß alle Straßen nach Rom führten. Dies ist nicht länger der Fall. Die erstaunliche Zunahme unseres Wissens über Kirchen in Syrien, Jordanien und Israel haben uns gewahr werden lassen, daß das Zentrum der Schwerkraft im frühen Christentum nicht in Rom zu suchen ist und auch nicht in Konstantinopel, sondern im Nahen Osten.

Deswegen sind die Konflikte im Nahen Osten unserer Zeit nicht nur eine menschliche Tragödie, sondern auch eine, die die Welt der Gelehrten trifft. Kaum daß wir begonnen haben, diese nicht-europäische östliche Christenheit zu erkennen, wird ihr Schatz durch Gewaltakte gefährdet.“

Wie schon so oft, treten beim Lesen Parallelen auf zu anderen Lektüren, wie hier beispielsweise zu Carlo Ginzburgs Buch von dem mittelalterlichen Bauern in Friaul (siehe den Eintrag gestern):

„… die meisten frühen Christen waren es vermutlich zufrieden, in vielen Rollen, die nicht in ihrer Religion verankert waren, mitzugehen – als Familienangehörige, als Nachbarn, als Arbeitskameraden, als gute Bürger. Die Schriften der frühen Kirchenväter, die darauf gedrungen hatten, jegliche Verbindung zur paganen Welt unverzüglich zu kappen, lasten schwer in den Regalen moderner Bibliotheken. Aber zu der Zeit, als sie das Verschließen der Stalltüren versinnbildlichten, waren die Pferde längst schon getürmt.“

Hagia Sophia and the Byzantine Aesthetic Experience Nadine Schibille (Routledge/ Ashgate; Oxford; 2016)

Das Licht an der Grenze zwischen dem Physischen und dem Geistigen

Der zweite Titel behandelt die Hagia Sophia; und Brown geht insbesondere auf Schibilles Überlegung zur Bedeutung des Lichts für einen Menschen im Byzanz des sechsten Jahrhunderts ein (ihr Zitat dazu ist im Zwischentitel paraphrasiert):

„Für Philosophen der Neoplatonischen Schule wie Plotin (204/5 – 270) bedeutete Licht mehr als Ausdruck von Lebendigkeit. Licht setzte Materie frei. Es hauchte bloßer Farbe Leben ein, indem es sie auf immer höhere Ebenen reiner Vibration hub. Die Berührung des Lichtes brachte den vielfarbigen geäderten Marmor, wie er die Wände der Hagia Sophia bekleideten, zum Leben – er öffnete sich wie eine Wiese in voller Blütenpracht. Licht war der Punkt an dem unsere Welt sich mit dem Unvorstellbaren vereinte.“

Dieses Buch kostet 130,00 Dollar und die Enzyklopädie sogar 495,00 Dollar – etwas viel für kurz mal eben auf den Gabentisch, vermutlich. Aber vielleicht stehen die Werke ja in der Bibliothek. Ich würde schon gerne darin blättern und schauen und lesen …

Für dieses Weihnachten erfreue ich mich an den begleitenden Worten von Peter Brown, und ich hoffe, Ihnen geht es auch so.

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